Minimalinvasive Frontzahnästhetik mit der Flowable Injection Technique
28.09.2026
Wer regelmäßig ästhetische Frontzahnrestaurationen durchführt, kennt die Herausforderung: Die Form stimmt – aber bei der Farbe liegt man eine Nuance daneben. Und während kleine Unterschiede in der Zahnform von Patientinnen und Patienten
häufig kaum wahrgenommen werden, fällt ein Zahn, der nur einen Tick zu hell, zu dunkel oder zu warm ist, im sichtbaren Bereich schnell auf.
Wie sich die Farbauswahl vereinfachen lässt und gleichzeitig eine ästhetische Frontzahnversorgung planbar und minimalinvasiv umgesetzt werden kann, zeigt uns Zahnärztin Dr. Lina Dinse anhand eines ihrer Patientenfälle.
Zum Einsatz kamen Solventum™ Filtek™ Easy Match Fließfähiges Komposit in der Flowable Injection Technique. Vom digitalen Wax-up über die Mock-up-Probe bis zur definitiven Versorgung nehmen wir dich Schritt für Schritt mit durch den Workflow. Abb. 1 - Klinische Ausgangssituation
Ausgangssituation mit unterschiedlichen Farbnuancen und einer ästhetisch unruhigen Frontzahnsituation.
Drei Farben statt einer großen Farbpalette
Gerade bei Frontzahnrestaurationen ist die Farbauswahl ein entscheidender Faktor für ein harmonisches Gesamtergebnis. Gleichzeitig bedeutet eine möglichst große Auswahl an Kompositfarben im Praxisalltag nicht automatisch mehr Sicherheit. Je umfangreicher ein Farbsystem ist, desto mehr Farben müssen ausgewählt, kombiniert und natürlich auch vorgehalten werden – obwohl manche davon nur sehr selten zum Einsatz kommen.
Genau hier setzt das Farbkonzept von Filtek™ Easy Match Fließfähiges Komposit an. Das Material ist in den drei Farben Bright, Natural und Warm erhältlich. Die drei Farbtöne sind darauf ausgelegt, das Spektrum der klassischen VITA-Farben vereinfacht abzudecken. Das Material verfügt laut Hersteller außerdem über eine natürlich adaptive Opazität: In dünneren Bereichen, beispielsweise an der Inzisalkante und am Übergang zur Zahnhartsubstanz, entsteht eine schmelzähnliche Transluzenz, während das Material in anderen Bereichen eine eher dentinähnliche Opazität aufweist.
Gerade im Praxisalltag sieht Lina in diesem vereinfachten Farbkonzept einen Vorteil: Bei ästhetischen Restaurationen möchte sie eine möglichst zuverlässige Farbanpassung erreichen, ohne für einzelne Indikationen eine Vielzahl verschiedener Kompositfarben vorhalten zu müssen.
Hinzu kommt ein ganz pragmatischer Punkt: Filtek™ Easy Match Flowable ist kein Material, das ausschließlich für ästhetische Frontzahnfälle gedacht ist. Es ist für direkte Restaurationen der Kavitätenklassen I bis V zugelassen und kann damit auch außerhalb der Flowable Injection Technique in den normalen restaurativen Praxisalltag integriert werden.
Der Patientenfall: Veränderung ja – Beschleifen nein
In dem hier gezeigten Fall wünschte sich die Patientin eine ästhetische Veränderung ihrer Frontzahnsituation. Gleichzeitig hatte sie eine sehr klare Vorstellung davon, wie dieses Ziel erreicht werden sollte: Die Behandlung sollte möglichst minimalinvasiv erfolgen. Ein Beschleifen gesunder Zahnhartsubstanz für eine Versorgung mit Veneers kam für sie nicht infrage.
Eine kieferorthopädische Vorbehandlung lehnte die Patientin ebenfalls ab. Sie wünschte sich ein vergleichsweise schnelles Ergebnis, wollte aber trotzdem bereits vor der definitiven Behandlung möglichst genau beurteilen können, wie ihre veränderte Front später aussehen würde.
Zusätzlich bestand Bruxismus. Auch vor diesem Hintergrund entschied sich Lina gemeinsam mit ihrer Patientin für eine direkte Versorgung mit Komposit. Ein Vorteil einer direkten Kompositversorgung ist in einer solchen Situation die Möglichkeit, die Restaurationen bei Bedarf vergleichsweise unkompliziert intraoral zu reparieren oder zu ergänzen.
Für diesen Fall bot die Flowable Injection Technique damit eine interessante Kombination aus Substanzschonung, Planbarkeit und Reparaturfähigkeit.
Erst planen, dann behandeln
Zunächst wurden Ober- und Unterkiefer der Patientin digital gescannt. Auf Grundlage der Scandaten erfolgte anschließend ein digitales Smile Design mit Smilecloud, um die geplante ästhetische Veränderung der Front bereits digital zu visualisieren. Darauf aufbauend erstellte Zahntechnikerin Ramona Hench - on Art Dental das digitale Wax-up mit den geplanten neuen Zahnformen und -proportionen.
Auf Grundlage dieser Daten erstellte die Zahntechnikerin Ramona Hench On Art Dental ein digitales Wax-up mit den geplanten neuen Zahnformen und -proportionen. Abb. 2 – Digitales Wax-up
Digitales Wax-up zur Planung der zukünftigen Frontzahnsituation.
Anschließend wurde die digital geplante Situation in ein 3D gedrucktes Mock-up überführt. Dieses konnte direkt im Mund der Patientin einprobiert werden.
Gerade bei einer ästhetischen Veränderung der Front ist dieser Schritt besonders spannend: Die Patientin beurteilt nicht nur ein digitales Wax-up auf einem Bildschirm, sondern erlebt die geplante Veränderung direkt im eigenen Gesicht. Zahnform, Zahnlänge, Proportionen und die Gesamtwirkung beim Lächeln lassen sich so unmittelbar beurteilen. Gleichzeitig kann die Patientin testen, wie sich die veränderte Situation beispielsweise beim Sprechen anfühlt. Abb. 3a - Vor der Mock-up Probe
Ausgangssituation vor dem Einsetzen des Mock-ups.
Abb. 3b - Mock-up Einprobe
Die geplante Zahnform und -länge können bereits vor der definitiven Behandlung im Gesicht beurteilt werden.
In diesem Fall war der Unterschied bereits bei der Mock-up-Probe deutlich sichtbar. Die Patientin konnte ihre Ausgangssituation unmittelbar mit der geplanten Veränderung vergleichen und sich auf dieser Grundlage bewusst für die definitive Umsetzung entscheiden.
Erst nachdem Zahnform, Zahnlänge und Proportionen für sie stimmten, übertrug Lina die Planung mithilfe der Flowable Injection Technique in die definitive Kompositversorgung.
Für sie liegt genau darin einer der wesentlichen Vorteile dieses Workflows: Planbarkeit bedeutet nicht nur Planbarkeit für die Behandlerin, sondern auch für die Patientin.
Von der digitalen Planung zur Flowable Injection
Für die Übertragung der geplanten Zahnformen wurden auf Grundlage des Wax-ups zwei Silikonschlüssel angefertigt.
Beim ersten Silikonschlüssel wird alternierend gearbeitet: Zunächst wird nur jeder zweite zu restaurierende Zahn übertragen. Die dazwischenliegenden, noch nicht veränderten Zähne dienen als Abstützung und ermöglichen eine eindeutige Positionierung des Schlüssels.
Nach der entsprechenden adhäsiven Vorbehandlung werden die zu restaurierenden Zähne voneinander separiert. Hierfür kommen PTFE-Bänder zum Einsatz, um ein Verblocken der einzelnen Restaurationen zu vermeiden. Abb. 4 - 3D gedrucktes Modell
Beispielhaft dargestellte Separierung mittels PTFE-Bändern
Anschließend wird der Silikonschlüssel eingesetzt und das fließfähige Komposit über die vorgesehenen Injektionsöffnungen eingebracht.
Abb. 5 - Flowable Injection
Applikation von Filtek™ Easy Match Flowable über den Silikonschlüssel.
Gerade bei diesem Behandlungsschritt spielen die Verarbeitungseigenschaften des Materials eine wichtige Rolle. Das Flowable muss sich kontrolliert applizieren lassen und die durch den Silikonschlüssel vorgegebene Form zuverlässig ausfüllen. Gleichzeitig sollen störende Lufteinschlüsse möglichst vermieden werden.
Solventum beschreibt für Filtek™ Easy Match Flowable eine nahezu blasenfreie Applikation und ein geringes Nachlaufen des Materials. In Linas Fall funktionierte die Übertragung sehr gut: Das Material ließ sich kontrolliert applizieren und füllte die vorgesehenen Bereiche zuverlässig aus.
Nach der Polymerisation wird der Silikonschlüssel entfernt. Überschüsse werden beseitigt und die Restaurationen ausgearbeitet. Anschließend wird der zweite Schlüssel eingesetzt und das Vorgehen an den zuvor ausgelassenen Zähnen wiederholt.
Auf diese Weise lässt sich die zuvor digital geplante Zahnform Schritt für Schritt in die definitive Kompositversorgung übertragen.
Der kleine Aha-Moment: Farbanpassung schon auf dem Modell
Besonders interessant war in diesem Fall die Farbanpassung, denn die Ausgangssituation der Patientin war farblich alles andere als homogen.
Und tatsächlich gab es bereits beim Test auf dem 3D-gedruckten Modell einen kleinen Aha-Moment: Das Komposit nahm optisch sogar den warmen Farbton des Modellmaterials auf. Lina musste im ersten Moment selbst zweimal hinschauen.
Natürlich ist ein 3D-gedrucktes Modell keine klinische Situation. Trotzdem veranschaulichte diese Beobachtung sehr schön, welchen Einfluss die umgebende Farbe auf die optische Wirkung des Materials haben kann. Abb. 6 - Farbanpassung auf dem Modell
Beim Test auf dem 3D-gedruckten Modell passt sich das Komposit optisch an den warmen Farbton des Modellmaterials an.
Umso interessanter war anschließend die Farbanpassung intraoral. Schließlich musste in diesem Fall nicht nur eine neue Zahnform geschaffen, sondern gleichzeitig mit sehr unterschiedlichen vorhandenen Zahnfarben umgegangen werden.
Das Ergebnis überzeugte Lina: Trotz der heterogenen Ausgangssituation fügte sich das Komposit harmonisch in das Gesamtbild ein.
Das Ergebnis
Nach der vollständigen Übertragung wurden die Restaurationen ausgearbeitet und poliert.
Wir den ausdrücklichen Wunsch der Patientin nach einem substanzschonenden Vorgehen erfüllen. Die geplanten Formveränderungen wurden in diesem Fall additiv umgesetzt, ohne Zahnhartsubstanz weg zu präparieren. Abb. 7 - Klinisches Endergebnis
Endergebnis nach Abschluss der direkten Kompositversorgung.
Fazit
Die Flowable Injection Technique verbindet bei der richtigen Indikationsstellung mehrere Aspekte, die gerade bei ästhetischen Frontzahnbehandlungen interessant sind.
Über digitales Wax-up und Mock-up lässt sich das angestrebte Ergebnis bereits vor Beginn der definitiven Restauration planen und gemeinsam mit der Patientin beurteilen. Anschließend kann die geplante Form mithilfe der Silikonschlüssel direkt in Komposit übertragen werden. In diesem Patientenfall war dadurch ein rein additives Vorgehen ohne Beschleifen gesunder Zahnhartsubstanz möglich.
Filtek™ Easy Match Flowable überzeugte Lina dabei insbesondere durch die Kombination aus reduziertem Farbsystem, Farbanpassung und den Verarbeitungseigenschaften während der Injektion.
Auch für den Praxisalltag sieht sie einen Vorteil: Statt ein umfangreiches Farbsystem ausschließlich für einzelne ästhetische Frontzahnfälle vorzuhalten, ist die Farbauswahl mit Bright, Natural und Warm bewusst reduziert. Gleichzeitig lässt sich das Material auch für direkte Restaurationen der Kavitätenklassen I bis V einsetzen.
Damit verbindet der gezeigte Workflow drei Punkte, die für Lina bei einer modernen restaurativen Versorgung besonders wichtig sind: das Ergebnis vorab planbar machen, die Komplexität bei der Farbauswahl reduzieren und dabei möglichst viel gesunde Zahnhartsubstanz erhalten.
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