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Glossar

Themen

A

Abbindezeit

Die Abbindezeit ist die Zeit, die benötigt wird, bis eine Materialmischung aus mindestens zwei verschiedenen Stoffen abbindet, also bis sie quasi aushärtet. Entscheidend ist dabei, dass alle Bestandteile abbinden müssen. Abbindezeiten finden sich in der Zahnmedizin vor allem bei Abformwerkstoffen oder Gips. Die Abbindezeit sollte in jedem Fall eingehalten werden.

Abdruckmaterial

Abdruckmaterial – auch Abformungsmaterial genannt – bezeichnet eine Gruppe von Materialien, mit denen eine Abformung der Zähne bzw. des Kiefers in der Mundhöhle durchgeführt werden kann. Hierbei stehen für die verschiedenen Arbeitsprozesse jeweils spezielle Materialien zur Verfügung – etwa für die Erstellung eines Gipsmodells vom Kiefer ein anderes als für die Herstellung eines Provisoriums oder einer Aufbisschiene. Beispiele für solche Materialien sind Alginat, Silikone (A-und C-), Polyäther oder Zink-Eugenol-Pasten.

Abdruckdesinfektion

Die Abdruckdesinfektion ist eine Gebrauchslösung, die zur Desinfektion einer gefertigten Abformung verwendet wird. Dies ist notwendig, um die Person zu schützen, welche im weiteren Verlauf mit der Abformung arbeitet – etwa, indem sie diese mit Gips ausgießt. Angeboten werden im Handel Tauchdesinfektion, Sprühdesinfektion oder Wischdesinfektion. State of the Art stellt heutzutage die Tauchdesinfektion dar.

Abdrucklöffel

Ein Abdrucklöffel – auch Abformlöffel – bezeichnet das Instrument, mit dem eine Abformung des Oberkiefers oder Unterkiefers durchgeführt wird. Es handelt sich hierbei um eine U-förmige, konkav gewölbte Form mit Griff, in die das weiche Abformmaterial eingefüllt wird und dann an den Kiefer angedrückt wird. Dabei sorgt der Abdrucklöffel für die Stabilität des Abformmaterials. Es gibt vorkonfektionierte Abformlöffel für vollbezahnte, teilbezahnte und unbezahnte Kiefer. Zudem sind sie in unterschiedlichen Größen für jede Kiefernkammgröße erhältlich. Die jeweilige Größe ist auf dem Löffelgriff angegeben. Abdrucklöffel können aus Metall oder Kunststoff, glattwandigen oder perforiert sein.
 

Welches Material für den Abdrucklöffel?

Metalllöffel

können sterilisiert werden, sodass sie mehrfach verwendbar sind. 


Kunststofflöffel

sollen in der Regel nur einmal verwendet werden. Ein Nachteil kann sein, dass sie häufig nicht starr beziehungsweise verwindungssteif genug sind.

Abrasion

Abrasion bezeichnet den Verlust von Zahnhartsubstanz durch mechanischen Abrieb. Dieser wird verursacht durch in die Mundhöhle eingebrachte Substanzen und/oder die mechanische Bearbeitung eines Zahns, etwa durch zu festes Putzen mit der Zahnbürste oder durch Verwendung einer Zahncreme mit zu vielen Schleifpartikeln. Abrasion kann aber auch durch bestimmten Feinstaub entstehen, denen manche Menschen berufsbedingt ausgesetzt sind. Abrasion wird begünstig, wenn die Zahnoberfläche durch erosive Prozesse bereits vorgeschädigt ist. Klassische Bereiche, in denen es zu Abrasion kommt, sind Zahnhälse (keilförmiger Defekt), Eckzähne und Prämolaren.

Abreicherung

Die Abreicherung bezeichnet die Verringerung eines Anteils in einem Stoffgemisch. Der Gegensatz ist die sogenannte Anreicherung.

Abutment

Als Abutment wird das Verbindungsteil zwischen dem im Kieferknochen verankertem Implantat und dem sichtbaren Teil der prothetischen Versorgung (Implantatkrone) bezeichnet.

Aktivator

Beim Aktivator handelt es sich um ein kieferorthopädisches Gerät, mit dem Zahnumstellungen erzielt werden können. Der Aktivator wird in der Frühbehandlung im Milchzahngebiss sowie im Wechselgebiss eingesetzt, wenn die bleibenden Zähne hervortreten. Er wirkt auf beide Kiefer gleichzeitig ein und korrigiert ihre Lage zueinander. Mit dem Aktivator kann unter anderem ein offener Biss oder ein Tiefbiss behandelt werden. Darüber hinaus können Störungen wie Lippenbeißen, Zungenpressen oder ein anormales Schlucken beseitigt werden.

Ätzmittel

Hiermit wird eine ätzende Substanz bezeichnet (meist 30-50%-ige Phosphorsäure), die zur Vorbereitung des Zahns auf Kompositfüllungen benötigt wird. Hierbei wird in einem Arbeitsschritt die Zahnhartsubstanz für eine vorgegebene Zeit mit dem Ätzmittel in Kontakt gebracht, um die Oberfläche anzurauen. So kann die anschließend aufgetragene Kompositfüllung daran haften. Dabei unterscheiden sich die „Ätzzeiten“ von Schmelz (länger) und Dentin (kürzer).

Alginat

Alginat gehört zu den verschiedenen Abformmaterialien in der Zahnmedizin und ermöglicht sehr genaue Abformungen mit großer Detailtreue. Es wird aus Meeresalgen gewonnen und ist physiologisch unbedenklich. In der Zahnarztpraxis wird es in Pulverform verwendet. Daraus lässt sich mit Wasser eine kittähnliche Abformmasse rühren. Vor allem wird Alginat genutzt, um Situationsmodelle (z. B. für Schienen), Planungsmodelle (z. B. für Zahnersatz) oder Abformungen mit herausnehmbarem Zahnersatz für eine Reparatur anzufertigen.

Alveolarknochen

Als Alveolarknochen bezeichnet man den Bereich des Kieferknochens, der den Zahn umgibt und stabilisiert. Im Prinzip „steckt“ der Zahn im Alveolarknochen. Zusammen mit dem Zahnfleisch, der Zahnwurzelhaut und dem Wurzelzement bildet der Alveolarknochen den Zahnhalteapparat. Der Alveolarknochen selbst ist eine glatte, dünne Knochenwand, die die Zahnfächer (Alveolen) beinhaltet. Die sogenannten „Sharpey'schen Fasern“ verbinden den Alveloarknochen mit dem Wurzelzement des einzelnen Zahns. Sie wandeln Druckkräfte, wie sie vor allem beim Kauen entstehen, in Zugkräfte um. Zugkräfte regen den Knochen zum Aufbau an und stabilisieren ihn. Eine Druckbelastung führt hingegen zum Knochenabbau. Wird der Alveolarknochen bei Zahnverlust nicht mehr durch die Zugkräfte beim Kauen belastet, kommt es als Folge zum Knochenabbau (Atrophie).


Alveolarknochen im Ober- und Unterkiefer

Darüber hinaus unterscheidet sich der Alveolarknochen im Ober- und Unterkiefer durch seine Dichte beziehungsweise die sogenannte Spongiosa. Dabei handelt es sich um das schwammartige Innengewebe des Knochens. Im Unterkiefer ist die Spongiosa deutlich dichter als im Oberkiefer. Dies führt dazu, dass eine Infiltrationsanästhesie im Unterkiefer weniger effektiv ist. Grundsätzlich sollte daher eine Leitungsanästhesie gesetzt werden. Im Oberkiefer hingegen ist die Spongiosa deutlich lockerer und somit durchlässiger, sodass hier eine Infiltrationsanästhesie sehr gut eingesetzt werden kann.

Amalgam

Amalgam ist eine Legierung aus Kupfer, Zinn, Silber und Quecksilber. In der Zahnmedizin wird es als Füllungsmaterial bei kariösen Zähnen verwendet. 
 

Vorteile von Amalgam

Amalgam ist weich und lässt sich daher gut formen. Somit ist es eigentlich sehr gut als Füllungsmaterial geeignet. Hohem Kaudruck, wie er vor allem im Seitenzahnbereich auftritt, hält es ebenfalls gut stand. Überdies ist Amalgam kostengünstig


Nachteile von Amalgam

Amalgam enthält das Schwermetall Quecksilber, welches Unverträglichkeitsreaktionen auslösen kann. Wird die Amalgamfüllung nicht präzise in die Kavität eingearbeitet, kann ein technischer Nachteil zum Tragen kommen: Ragt die Füllung über die Zahnränder, wird der korrekte Kieferschluss (Okklusion) behindert. Dies kann Funktionsstörungen im Kausystem (Craniomandibuläre Dysfunktion, CMD) auslösen. Wissenschaftliche Studien liefern bisher keinen Beweis für die Gesundheitsschädlichkeit von Amalgam. Trotzdem empfiehlt die EU in Bezug auf Quecksilber die Verwendung von Amalgam bis zum Jahr 2030 komplett einzustellen. Kinder (bis 16 Jahre), schwangere und stillende Frauen sollen auch vorher nur noch in Ausnahmefällen mit Amalgam versorgt werden. 
 

Mögliches Belastungsrisiko

Bis jetzt ist allerdings bekannt, dass das in Amalgam enthaltene Quecksilber ein Belastungsrisiko für Patienten darstellen kann, wenn es in gelöster und freier Form vorliegt. Dies ist der Fall beim Einlegen der Füllung oder bei der Entfernung einer alten Amalgamfüllung durch Herausschleifen. 

Amalgamabscheider

Bei einem Amalgamabscheider handelt es sich um ein spezielles Filtersystem an der Abwasser abführenden Stelle im Behandlungszimmer. Es sorgt dafür, dass keine Amalgampartikel ins kommunale Abwasser gelangen und es verunreinigen. Solche Amalgampartikel entstehen zum Beispiel bei der Entfernung und Politur von Füllungen. Da sie Quecksilber enthalten, sind sie giftig und dürfen nicht ins Wasser gelangen. Ein Amalgamabscheider ist deshalb in der zahnärztlichen Praxis bei allen Behandlungseinheiten, an denen Füllungen gelegt werden können, gesetzlich vorgeschrieben. 

Anschlussarten

An der Behandlungseinheit kommen unterschiedliche Instrumente und Gerätschaften zum Einsatz zum Beispiel Winkelstücke, Handstücke oder Airscaler. Je nach Instrument gibt es verschiedene Möglichkeiten diese an den Behandlungsstuhl zu montieren, das nennt man Anschlussart.
 

Warum gibt es verschiedene Anschlussarten für verschiedene Geräte?

Zum einen gibt es verschiedene Anschlussarten für die aufzusteckenden Instrumente, weil diese je nach Verwendung unterschiedliche Antriebsarten haben. Zum anderen schließen die verschiedenen Anschlussarten aus, dass Geräte verwechselt werden. Denn die Anschlussart sorgt dafür, dass ein bestimmtes Instrument auch nur an einem bestimmten Platz angeschlossen werden kann. 

Antisepsis

Mit Antisepsis bezeichnet man alle Maßnahmen, die die Anzahl infektiöser, also krankheitserregender Keime, an lebenden Geweben verringern. Also da wo eine Infektion möglichst vermieden werden soll, aber eben keine Sterilisation möglich ist. In der Zahnarztpraxis müssen insbesondere Behandlungszimmer, Instrumentarien und Absauganlagen nach der Behandlung eines jeden Patienten so gereinigt werden, dass eine Infektion für den nächsten Patienten ausgeschlossen ist.

Artikulationspapier

In der zahnärztlichen Therapie wird Artikulationspapier verwendet, um Okklusionskontakte (Okklusion = Kontakt der Oberkieferzähne mit ihren Antagonisten im Unterkiefer) farblich darzustellen. Es wird daher auch Okklusionspapier/-folie genannt. Nach einer Füllungstherapie dient das Okklusionspapier dazu, Kontakte beziehungsweise nicht gewollte Frühkontakte anzuzeigen. So kann der Behandler die Füllung im Anschluss korrekt einschleifen. Generell ist Artikulationspapier das Hilfsmittel der Wahl, um Stör- oder Frühkontakte beim Kieferschluss visuell abzubilden. Erhältlich sind die Folien in unterschiedlichen Farben und Stärken, bei den Stärken erfolgt die Angabe in Mikrometern. Mittlerweile sind auch schon Okklusionsfolien auf dem Markt, in die Drucksensoren eingearbeitet sind. Damit wird getestet, ob es möglich ist, in Zukunft Zahnkontakte elektronisch zu erfassen und in der Folge digital abzubilden.

Apathogen

Apathogen bedeutet: nicht krankheitserregend.

Apexlokator

Der Apexlokator ist ein elektrisches Messgerät, das dazu dient den Zahnwurzelapex zu ermitteln. Der Zahnwurzelapex ist die Öffnung am unteren Ende einer Zahnwurzel, durch welche das Bündel aus Nerven und Blutgefässen, das den Zahn versorgt, in den Zahn gelangt. Nach dem Eintritt ins Zahninnere spricht man von der Pulpa. Der Apexlokator kommt bei der endondontischen Behandlung als gängiges Hilfsmittel zum Einsatz, um ein „Durchstoßen der Nadel“ zu verhindern. 
 

Wie funktioniert ein Apexlokator?

Das Funktionsprinzip des Apexlokators beruht darauf, dass das Gewebe, welches den Zahn umgibt, Elektrizität besser leitet als der Zahn selbst. Erreicht also der Apexlokator den Apex signalisiert er dies dem Behandler sowohl akustisch als auch optisch auf dem integrierten Display. In den Apexlokator ist meist ein maschinell rotierendes Instrument integriert, mit dem der Wurzelkanal im Anschluss an die Längenmessung aufbereitet werden kann. Bei der endontologischen Behandlung ist der Apexlokator eine wichtige Hilfe für den Behandler, weil er es einfacher macht, sich in einem nicht einzusehenden Arbeitsbereich (Wurzelkanal) zurechtzufinden. 

Approximal

Bei dem Begriff „approximal“ handelt es sich um eine Lagebezeichung an den Zähnen. Gemeint sind die jeweiligen Kontakte zum vorderen oder hinteren Nachbarzahn beziehungsweise der Bereich zwischen zwei nebeneinander liegenden Zähnen. Diese Lagebezeichnungen erleichtern im Praxisalltag die Kommunikation zwischen Zahnarzt und Helferin/ZFA/ZMF. Denn dadurch weiß jeder sofort, von welchem Bereich im Mund des Patienten gerade die Rede ist.

Arterienklemme

Als Arterienklemme oder auch Gefäßklemme bezeichnet man ein medizinisches Instrument, das etwa bei Operationen verwendet wird. Es dient zum kurzfristigen Fassen und Halten durchtrennter Blutgefäße zur direkten Blutstillung oder für eine beabsichtigte Ligatur (Verschließen eines Hohlorgans bspw. Blutgefäßes). In der Zahnmedizin kommen Arterienklemmen vor allem bei chirurgischen Eingriffen zum Einsatz.

Artikulator

Ein Artikulator ist ein mechanisches Gerät zur extraoralen (außerhalb des Mundes) Darstellung eines Patientengebisses anhand montierter Kiefermodelle aus Gips. Es ermöglicht, sowohl die Lagebeziehung des Oberkiefers zum Unterkiefer als auch die Unterkieferbewegung zu simulieren. Die Modelle werden anhand einer Abformung aus Gips gefertigt und dann im Artikulator positioniert. Er ist vor allem für Zahntechnikerinnen und Zahntechniker das wichtigste Gerät bei der Herstellung von Zahnersatz, Aufbissschienen oder Ähnlichem. 
 

Arcon-Artikulatoren und Non-Arcon-Artikulatoren – welche Arten von Artikulatoren gibt es?

Artikulatoren unterteilt man in drei Arten, abhängig davon, wie die Gelenksimulation erfolgt:


Arcon-Artikulatoren

Sie entsprechen in ihrem Aufbau dem menschlichen Kiefergelenk; das heißt die Gelenkgrube ist oben und der Kopf des Unterkieferknochens/-gelenks unten.
 

Non-Arcon-Artikulatoren

Hier ist die Gelenkgrube entgegen dem natürlichen Vorbild unten und der Gelenkkopf oben angeordnet. 
 

Unterschiede bei der Justierbarkeit von Artikulatoren

Weitere Unterschiede bei Artikulatoren gibt es in Sachen Justierbarkeit, also wie sie eingestellt werden können.
Nichteinstellbare Artikulatoren: Sie werden auch Mittelwertartikulatoren genannt, weil sie in verschiedenen Winkeln oder Höhen auf einen Mittelwert eingestellt sind. Darüber hinaus können sie nicht verändert werden.

Teiljustierbare Artikulatoren: Diese können in einigen Bereichen individuell eingestellt werden, in anderen Bereichen sind hingegen Mittelwerte starr voreingestellt. Dazu gehören auch sogenannte Condylatoren, eine Mischform aus aus Arcon- und Non-Arcon-Artikulatoren.

Volljustierbare Artikulatoren: Wie der Name schon sagt, können sie in sämtlichen Bereichen individuell eingestellt werden. Eine zahntechnische Arbeit kann so exakt auf die individuelle Situation beim Patienten angepasst werden. 

Asepsis

Asepsis in der Zahnmedizin bedeutet „Keimfreiheit“. Sie bezeichnet alle Maßnahmen, die Krankheitserreger wie Viren, Bakterien oder Pilzen beseitigen. Damit soll verhindert werden, dass es etwa bei chirurgischen Eingriffen wie dem Ziehen von Zähnen zu einer Infektion mit Mikroorganismen kommt. Dazu zählen zum Beispiel das Tragen eines Mundschutzes, die Desinfektion des Behandlungszimmers oder die Sterilisation der Instrumente im Autoklav. Wichtig: Weil Körperoberflächen nicht sterilisert werden können, kann auf Haut oder Schleimhaut keine völlige Asepsis erreicht werden.

Autoklav

Im Autoklav, auch (Dampf-)Sterilisator genannt, werden nach der Behandlung die benutzten Instrumente oder das verwendete Operationsbesteck hygienisch aufbereitet. Das heißt, es werden alle pathogenen Mikroorganismen, die sich möglicherweise darauf befinden, abgetötet. Dafür wird das sogenannte Sterilgut mit Wasserdampf unter erhöhtem Druck innerhalb des luftdicht abgeschlossenen Autoklavs stark erhitzt. Je nach Verschmutzungsgrad können die Einstellungen für Temperatur, Druck und Dauer der Aufbereitung geändert werden.
Den Prozess der Wiederaufbereitung des Sterilguts im Autoklav nennt man auch Autoklavieren. 

B

Bakterizid

Als Bakterizide bezeichnet man Substanzen, die in der Lage sind, Bakterien abzutöten beziehungsweise sie so zu schädigen, dass sie abgetötet werden. Dabei wird die bakterielle Zellmembran, die Schutzhülle des Bakteriums, zerstört, um schließlich den Zelltod herbeizuführen. Antibiotika oder Desinfektionsmittel sind also bakterizid. Bakterizid ist nicht zu verwechseln mit „bakteriostatisch“. Dies bedeutet, dass das Wachstum von Bakterien gehemmt wird.

Befestigungsmaterial

Befestigungsmaterialien dienen dazu, Restaurationen beziehungsweise Provisorien dauerhaft beziehungsweise temporär an der Zahnsubstanz zu befestigen. Zu den hauptsächlich in der Zahnmedizin verwendeten Befestigungsmaterialien gehören: Zemente und Adhäsivsysteme. Egal, welches Befestigungsmaterial verwendet wird: Ziel ist es, einen Haftverbund, die sogenannte Retention, zwischen Zahnersatz und Zahnhartsubstanz herzustellen. Damit möglichst wenig Zahnhartsubstanz abgetragen werden muss, sollte ein gutes Befestigungsmaterial auch bei geringer Schichtdecke einen möglichst starken Haftverbund erzielen. 

Biofilm

Als Biofilm (auch Plaque) bezeichnet man eine dünne Schicht aus Bakterien, Pilzen und Nahrungsbestandteilen, die auf der Zahnoberfläche haftet. Wird der Biofilm nicht regelmäßig mechanisch etwa durch Zähneputzen entfernt, begünstigt dies die Entstehung von Karies. 

Biokompatibilität

Biokompatibel bezeichnet in der Zahnmedizin Materialien, die keinen schädlichen Einfluss auf den Stoffwechsel eines Organismus haben. Ihr Einsatz ist daher gesundheitlich unbedenklich. Biokompatibilität steht demnach für Gewebeverträglichkeit.

Bissregistrat

Ein Bissregistrat dient dazu, die Kieferstellung und Kieferkontakte aufzuzeichnen, um diese im Anschluss vermessen zu können und die angefertigten Gipsmodelle des Patienten im Artikulator zu fixieren. Es zeigt die Relation vom ganzen Kiefer über die Zahnreihen bis hin zu den einzelnen Zähnen an. Gefertigt werden kann es unter anderem aus Wachs, Kunststoff oder Silikon.
 

Wozu dient ein Bissregistrat?

Weil das Bissregistrat die Okklusion (Okklusion = Kontakt der Oberkieferzähne mit ihren Antagonisten im Unterkiefer) des Patienten abbildet, ist es unabdingbar, um Gipsmodelle richtig in den Artikulator einzusetzen. Dieses sogenannte Einartikulieren ist wichtig, um anhand dessen Zahnersatz oder Schienen passgenau fertigen zu können. Nur ein korrekter Kieferschluss ermöglicht schmerzfreies Kauen und anatomisch richtiges Beißen. Sind alle Zähne im Ober- und Unterkiefer vorhanden, nennt man das maximalen Okklusionskontakt. Ein Bissregistrat gibt genauen Aufschluss über die Position der Antagonisten bzw. der Oberkieferzähne und Unterkieferzähne im Gebiss. Mit seiner Hilfe kann man deshalb überprüfen, ob mit einer prothetischen Versorgung auch der anatomisch korrekte Biss gewährleistet ist. 

Blendschutz

Ein Blendschutz ist ein wichtiger Bestandteil einer Aushärtelampe. Mit dem Licht solcher Lampen (auch Polymerisationslampen genannt) härtet der Behandler Kompositfüllungen im Mund des Patienten aus. Gängige Lichthärtelampen arbeiten mit einer Wellenlänge von 360 – 580 nm. Das blaue Polymerisationslicht kann die Augen schädigen. Damit Behandler und Assistenz beim Legen einer Füllung davor geschützt sind, besitzt eine Aushärtelampe einen Blendschutz. Dieser ist orange gefärbt, um das blaue Licht herauszufiltern. 

Bohrerbad

Das Bohrerbad ist der erste Schritt der Desinfektionskette für Bohrer oder Schleifer nach der zahnärztlichen Behandlung. Indem sie sofort nach dem Einsatz in das Bohrerbad gelegt werden, ist sichergestellt, dass niemand ohne Schutz mit den verunreinigten Instrumenten in Kontakt kommt. Nachdem Bohrer oder Schleifer im bakteriziden Bohrerbad vorgereinigt wurden, folgt der nächste Schritt der Desinfektionskette: die Wiederaufbereitung im Autoklav. 

Bone-Management

Das sogenannte Bone-Management spielt in der Zahnmedizin vor allem in der Implantologie eine große Rolle. Der Begriff wird auf alle Schritte bei einem operativen Eingriff angewendet, die mit der Knochensubstanz im Ober- und Unterkiefer zu tun haben: die Planung, die Bewertung und die Handhabung.
 

Bone-Management – Planung des Eingriffs 

Vor einer Implantat-OP im Ober- und/oder Unterkiefer untersucht der Behandler die vorhandene Knochensubstanz. Denn für das Setzen eines Implantats muss der Knochen bestimmte Voraussetzungen erfüllen. Als bildgebende Mittel kommen hier entweder ein Röntgenbild oder im Idealfall die digitale Volumentomographie (DVT) zum Einsatz. 
 

Bone-Management – Auswertung der Befunde zur Knochensubstanz

Die Aufnahmen des Röntgengeräts oder des DVT geben zum einen Aufschluss darüber, ob sowohl in horizontaler als auch vertikaler Richtung genügend Knochensubstanz vorhanden ist. Zum anderen zeigen sie die räumliche Struktur des Knochens im Bereich des geplanten Eingriffs. 
 

Bone-Management – Handhabung der Knochensubstanz 

Zum Bone-Management gehört ebenfalls, wenn der Knochen im Rahmen des operativen Eingriffs abgetragen, gespreizt oder aufgebaut wird. 

Bukkal

Bukkal ist eine der zahlreichen Lage- und Richtungsbezeichnungen in der Mundhöhle. Der Begriff bezeichnet die Richtung zur Wange, also zur Außenseite der Zähne hin. Diese Richtungsbezeichnungen erleichtern im Praxisalltag die Kommunikation zwischen Zahnarzt und Helferin/ZFA/ZMF. Denn dadurch weiß jeder sofort, von welchem Bereich im Mund des Patienten gerade die Rede ist.

C

Calciumhydroxid

Bei Calciumhydroxid handelt es sich um ein schwer wasserlösliches weißes Pulver, das stark basisch reagiert. In der Zahnmedizin kommt es vorwiegend in der Parodontologie zum Einsatz, weil es den Heilungsprozess bei Parodontitis fördern kann. Dafür wird es in Form einer Suspension verwendet.
Als Calciumhydroxidpaste kann es auch zur temporären Füllung von Wurzelkanälen dienen.

CEREC

Als CEREC-Verfahren bezeichnet man eine CAD/CAM-Methode, mit der Zahnersatz, zum Beispiel Keramik-Inlays, Veneers und Kronen innerhalb einer Sitzung hergestellt werden kann. CEREC ist die Kurzfrom von Chairside Economical Restoration of Esthetic Ceramics oder CEramic REConstruction. Die Abkürzungen CAD und CAM stehen dabei für Computer Aided Design und Computer Aided Manufacturing, also computergestütztes Entwerfen und Fertigen. Im ersten Schritt erfolgt das genaue Vermessen des Zahns mittels eines Intraoralscanners. Mit den so ermittelten Daten entwirft der Behandler anschließend am Computer den Zahnersatz. Auf Basis dieses computergenerierten Entwurfs fertigt eine Schleifmaschine dann aus einem Keramikblock in kurzer Zeit den fertigen Zahnersatz. Dieser kann noch in derselben Sitzung beim Patienten eingesetzt werden. 

Cervical

Cervical (auch zervical) bezeichnet den Zahnhalsbereich und bedeutet entsprechend, den Zahnhals betreffend oder am Zahnhals liegend.

Chairside-Behandlung

Als Chairside-Behandlung wird das Entwerfen, Fertigen und Einsetzen von Zahnersatz direkt in der Praxis bezeichnet – chairside = am Zahnarztstuhl. Hierbei kommt das CEREC-Verfahren zum Einsatz. Vorteil der Chairside-Behandlung ist, dass der Patient seinen Zahnersatz idealerweise in nur einer Sitzung erhält, weil die Restauration direkt in der Praxis hergestellt und nicht in einem externen zahntechnischem Labor gefertigt wird. Da das Fräsen dennoch seine Zeit braucht, findet die Chairside-Behandlung allerdings meist in zwei Sitzungen statt. In der Regel erfolgt mit diesem Verfahren nur die Versorgung einzelner Zähne oder kleiner Brücken. 

CHX

CHX ist die Abkürzung für Chlorhexidinsäure. CHX wirkt antiseptisch, das heißt es tötet Bakterien sowie einige Pilze und Viren ab. Deshalb wird es in der Zahnmedizin nach chirurgischen Eingriffen wie der Entfernung der Weisheitszähne oder bei schweren Zahnfleischentzündungen eingesetzt. Auch zum Spülen von Wurzelkanälen bei endodontischen Behandlungen kommt es zum Einsatz. CHX verhindet überdies die Bildung von Zahnbelag (Plaque) auf chemische Weise. In niedrigen Konzentrationen ist es deshalb in vielen Mundspüllösungen enthalten. Nebenwirkungen von CHX sind bei zu langer Anwendungsdauer von hochkonzentrierten Produkten unter anderem Geschmacksstörungen sowie Verfärbungen von Zunge und Zähnen. In dieser Form sollte es nur zeitlich begrenzt verwendet werden. In gängigen Mundspüllösungen ist CHX nur in geringer Konzentration enthalten, sodass diese Nebenwirkungen eher selten auftreten

Compomer

Ein Compomer (auch Kompomer) ist ein zahnfarbenes Füllungsmaterial, das vor allem bei Milchzahn- oder Zahnhalsfüllungen zum Einsatz kommt. Compomere bestehen aus Glasionomerzement und Composit. 


Eigenschaften von Compomeren

Compomere sollen die guten Eigenschaften der Composite mit denen von Glasionomerzementen verbinden. Das beinhaltet allerdings auch die Nachteile beider Werkstoffe. 


Vorteile von Compomeren

Composite zeichnen sich durch eine zahnähnliche Ästhetik und gute Polierbarkeit aus, Glasionomerzement durch seine gute Haftung. Compomere enthalten wie Composite Farbpigmente und Füllkörper sowie Fotoinitiatoren, Monomere und Stabilisatoren. Dadurch weisen sie eine ähnliche Biegefestigkeit wie Zahnhartgewebe im Zahnwurzelbereich auf. Zudem sind Compomere stabiler als reine Glasionomerzemente. Weil Compomere besondere Haftungseigenschaften haben, werden sie nicht nur für Zahnhalsfüllungen, sondern auch für Aufbaufüllungen verwendet. Aufbaufüllungen dienen bei tiefen kariösen Läsionen dazu, den Zahn vor der Versorgung mit einer Krone zu stabiliseren.
 

Nachteile von Compomeren

Gegenüber Composites weisen Compomere einen höheren Verschleiß auf. Das erhöht das Risiko, dass möglicherweise allergieauslösende Bestandteile abgegeben werden. Zudem besteht bei Compomeren die Gefahr einer Randspaltbildung durch Materialschrumpfung, wenn der Behandler sie nicht in Adhäsivtechnik einsetzt. Das begünstigt das Enstehen von Sekundärkaries. Aufgrund ihrer Zusammensetzung härten Compomere erst nach Lichtzufuhr aus. 
 

Composite

Composite (auch Komposite) sind Füllungsmaterialien aus organischem Kunststoff auf Acrylbasis, der mit anorganischen Füllstoffen wie Keramik oder Glas angereichert sind. (Anorganisch bezeichnet Stoffe, die so in der Natur nicht vorkommen oder von ihr abstammen.) Composites zählen zu den am häufigsten verwendeten Füllungsmaterialien und werden sowohl im Front- als auch im Seitenzahnbereich verwendet. 


Einbringen von Compositen

Composite-Füllungen befestigt der Behandler adhäsiv, das heißt, sie werden Schicht für Schicht in die Kavität geklebt. Dafür muss der betroffenene Zahn erst „konditioniert“ werden. Dafür wird nach dem vollständigen Entfernen des kariösen Materials die Zahnhartsubstanz mit einem Ätzmittel angeraut. Im Folgenden schaffen dann ein sogenannter Primer und ein Bonder die chemische Verbindung mit dem Composite. Composite wird schichtweise in das präparierte Zahnloch eingebracht und dabei von Hand modelliert. Zum Aushärten ist eine Polymerisationslampe erforderlich. Ihr blaues Licht aktiviert die im Composite enthaltenen Fotoinitiatoren, die für die Aushärtung verantwortlich sind. Zum Schluss arbeitet der Behandler die Composite-Füllung aus und poliert sie.


Vor- und Nachteile von Composites

Gilt es kleinere Korrekturen, zum Beispiel das Schließen von Zahnlücken, durchzuführen, ist der Einsatz von Compositen eine preiswerte Alternative zu Veneers aus Keramik. Ein Nachteil von Compositen ist die Materialschrumpfung beim Aushärten. Selbst bei modernsten Compositen lässt sich beim Abbinden eine Schrumpfung von 2 bis 4 % beobachten. Allerdings kann der Behandler beim Legen der Füllung insbesondere durch das schichtweise Kleben der Schrumpfung entgegensteuern, damit zwischen Zahnsubstanz und dem Füllungsmaterial kein Spalt entsteht. 
 

Drei Arten von Compositen

Nach der Größe der Füllkörper werden Composite in drei Gruppen eingeteilt:
  • Konventionelle Composite enthalten nur große Füllkörper, sogenannte Makrofüller aus Quarz, Glas oder Keramik.
  • Mikrofüller-Composite enthalten feinste Füllkörper, sogenannte Mikrofüller aus Siliziumdioxid (SiO2).
  • Hybrid-Composite enthalten sowohl Mikro- als auch Makrofüller.

Alle drei Composite-Arten sind in sämtlichen Zahnfarben erhältlich. Ist eine Composite-Füllung gut gelegt, unterscheidet sie sich optisch kaum vom natürlichen Zahn. So sind Composite eine sehr gute Möglichkeit, Patienten auch ästhetisch hochwertig zu versorgen.

Coronal

Coronal ist eine der zahlreichen Lage- und Richtungsbezeichnungen in der Mundhöhle. Der Begriff Coronal bezeichnet an der Zahnkrone beziehungsweise zur Krone hin. Diese Richtungsbezeichnungen erleichtern im Praxisalltag die Kommunikation zwischen Zahnarzt und Helferin/ZFA/ZMF. Denn dadurch weiß jeder sofort, von welchem Bereich im Mund des Patienten gerade die Rede ist.

D

Dampfsterilisation

Bei der Dampfsterilisation handelt es sich um ein Entkeimungsverfahren bei dem Wasserdampf unter erhöhtem Druck innerhalb eines luftdichten Raums zum Einsatz kommt. 


Dampfsterilisation im Autoklav

Mit der Dampfsterilisation werden Oberflächen nahezu keimfrei, sodass sie sich im medizinischen Bereich anbietet, um Instrumente zu säubern. Zur Anwendung kommt sie in der Zahnarztpraxis vor allem im Autoklav, der in der Regel über folgende Programme verfügt: Das Sterilisiergut wird bei einer Temperatur von 121 °C unter einem Druck von 2,1 bar (Absolutdruck) für 15 Minuten erhitzt oder bei einer Temperatur von 134 °C bei einem Druck von 3,04 bar (Absolutdruck) für 3 Minuten. Verantwortlich für die keimtötende Wirkung der Dampfsterilisation ist die feuchte Hitze: Sie sorgt dafür, dass die Eiweiße in den Zellen von Mikroorganismen gerinnen und sie so zerstört werden.


So funktioniert ein Dampfsterilisator

Ein Dampfsterilisator funktioniert ähnlich wie ein Druckkochtopf: Wasser wird in einem geschlossenen Raum zum Sieden gebracht, bis der Dampf den Raum völlig ausfüllt. Unter normalen Atmosphärendruck (1 bar) etwa in einem Kochtopf wird Wasserdampf nie heißer als 100 °C, denn vorher entweicht er. Da der Dampf im geschlossenen Druckkochtopf jedoch keine Ausweichmöglichkeit hat, erreicht er eine höhere Temperatur. Außerdem steigt gleichzeitig der Druck im Kessel. Es entsteht sogenannter „gespannter Dampf“. So bezeichnet man Dampf bei Druck, der über dem atmosphärischen Luftdruck liegt. Dieser gespannte Wasserdampf besitzt einen hohen Wärmeinhalt. Wenn er auf dem kühleren Sterilgut kondensiert, zerstört er dabei die darauf vorhanden Mikroorganismen.

Damit der Dampf sich überall im Sterilisator und im Sterilisiergut ausbreiten kann, muss die Luft zuerst entfernt werden. Denn Dampf kann nur dort sein, wo keine Luft ist und umgekehrt.


Wie kommt der hohe Druck im Sterilisator zustande?

Eine Vakuumpumpe im Sterilisitor saugt die Luft ab. Als Folge herrscht im Sterilisator ein geringerer Druck als der normale Luftdruck, also ein Unterdruck (Vakuum). Damit in der Kammer und gegebenenfalls auch im Sterilgut möglichst keine Luft mehr vorhanden ist, führen moderne Dampfsterilisatoren eine solche Luftabsaugung mehrmals durch. So wird erreicht, dass der gespannte Dampf die komplette Kammer ausfüllen und seine keimtötende Wirkung entfalten kann. 

Desensitizer

Bei einem Desensitizer handelt es sich um Haftlack, der bei einer Dentinüberempfindlichkeit oder postoperativen Sensibilitäten zum Einsatz kommt, damit die Zähne des Patienten nicht bei bestimmten Reizen wie etwa heiß oder kalt schmerzen. Solche Schmerzen können auftreten bei Zahnhalserosionen, freiliegenden Zahnhälsen oder überempfindlichen Zähnen durch Zahnfleischschwund. Desensitzer werden auch verwendet, um beschliffene Dentinflächen vorzubehandeln und zu desensibilisieren. Außerdem verhindert ein solcher Haftlack, indem er die Zahnflächen hermetisch versiegelt und eine mikrobielle Barriere bildet, dass Bakterien eindringen können. Überdies sorgt ein Desensitizer für ein Re-wetting, also dafür, dass sich kollabierte Kollagenfasern wieder aufrichten. Dadurch wird die Haftfestigkeit vieler Adhäsive verbessert. 

Desinfektionsplan

Der Reinigungs- und Desinfektionsplan ist ein Bestandteil des Hygieneplans. Gemäß § 36 Infektionsschutzgesetz sind Zahnärztinnen und Zahnärzte mit eigener Praxis verpflichtet, einen Reinigungs- und Desinfektionsplan zu erstellen und alle Mitarbeiter darüber zu informieren. Dieser Plan ist so aufzubewahren, dass er für alle Mitarbeiter zugänglich ist. Dazu werden die Pläne in der Regel in den betroffenen Bereichen der Praxis – Steriraum, Behandlungszimmer, gegebenenfalls Küche, Pausenraum – ausgehängt. Des Weiteren zählen folgende Listen und Prozessbeschreibungen zu einem gut dokumentierten Hygieneplan: Gefahrstoffzeichen, Checklisten, Herstellerangaben, Stellenbeschreibung, Arbeitsanweisungen zur Aufbereitung, Sicherheitsdatenblätter und Betriebsanweisungen. Wichtig ist zudem die richtige Auswahl an Reinigungsmitteln bzw. Präparaten, um die im Plan aufgeführten Bereiche korrekt reinigen zu können. Diese Mittel findet man auf der sogenannten VAH-Liste des Verbunds für angewandte Hygiene e.V.


Die W-Fragen bei der Desinfektion

Der Desinfektionsplan sollte grundsätzlich aktuell an die jeweiligen Infektionssituationen und - risiken angepasst werden. Für den richtigen Umgang mit dem Thema Desinfektion helfen die sogenannten W-Fragen bei der Orientierung: Was? Wie? Womit? Wann? Wer? Damit ist immer allen Mitarbeitern klar, was wie und mit welchem Mittel wann und von wem zu reinigen bzw. zu desinfizieren ist.

DGHM

DGHM ist die offizielle Abkürzung für die Deutsche Gesellschaft für Hygiene und Mikrobiologie. Dies ist eine wissenschaftliche Fachgesellschaft mit Sitz in Münster. Die DGHM setzt sich für die Förderung der medizinischen Forschung auf den Gebieten der Infektiologie und Mikrobiologie ein. Einer der Mitbegründer der DGHM war neben anderen auch Robert Koch (1843-1910). Dieser wiederum war Mitbegründer der Mikrobiologie, entdeckte unter anderem die TuberkuloseBakterien und forschte zu Milzbrand. Er leitete das königlich Preußische Institut für Infektionskrankheiten, dessen heutiger Nachfolger das nach ihm benannte Robert-Koch-Institut ist. 1905 erhielt Robert Koch den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin. 


Aufgaben der DGHM

Neben der Interessenvertretung nach außen und gegenüber der Politik stehen bei der DGHM Symposien und Fachtagungen für die eigenen Forschungsvorhaben im Mittelpunkt. Innerhalb dieser Fachgesellschaft gibt es verschiedene wissenschaftliche Fachgruppen. Diese wiederum haben schwerpunktmäßig die Aufgabe, durch ihre Mitglieder mit weiteren interessierten Gesellschaften über aktuelle wissenschaftliche Themen zu diskutieren und zu tagen.


Einfluss der DGHM

Durch Kooperationen bzw. Mitgliedschaften in anderen Fachgesellschaften nimmt die DGHM Einfluss auf nationale Belange in der Medizin. Sie bezieht aus ihrer fachspezifischen Perspektive Stellung zu allen wesentlichen Aspekten: von der Novellierung der Ausbildungsordnung für Mediziner bis zur Einschränkung der wissenschaftlichen Arbeit durch gesetzliche Maßnahmen. Auch für die eigens erstellte Liste über mikrobiologische Richt- und Warnwerte in Lebensmitteln ist ihre Expertise gefragt.

Diamantinstrumente

Ein Diamantinstrument ist eine Variante unter den rotierenden Instrumenten. Die Oberfläche des Instrumentariums wird bei der Produktion mit Diamanten beschichtet, um eine bessere Schleiffunktion zu gewährleisten. Diamantinstrumente bestehen im Kern aus einem gehärteten, rostfreien Profilkörper, der mittels modernster Galvanotechnologie nur mit ausgewählten natürlichen Diamantkörnern beschichtet wird. Dieses Verfahren garantiert eine äußerst homogene, sichere und nachhaltige Diamantierung des Instrumentes. So lassen sich damit optimale Arbeitsergebnisse erzielen. 


Arten von Diamantinstrumenten und deren Einsatzgebiet

Diamantinstrumente gibt es in diversen Ausführungen. Diese variieren in Länge und Form aber auch in der Körnung. Je gröber die Körnung desto größer der Abtrag. Unterschieden wird zwischen Folgenden:
  • supergrobe Körnung (SC) für ein schnelles Abtragen und Entfernen alter Füllungen
  • grobe (C) und mittlere Körnung (M) zum Abtragen, Vorschleifen und universellen Beschleifen der Zahnsubstanz
  • feine (F), superfeine (SF) und ultrafeine Körnung (UF) zum Feinschleifen vorpräparierter Zahnoberflächen sowie zum Finieren und Glätten von Kompositfüllungen.
Durch die vorhandene Formen- und Artikelvielfalt können alle Arbeiten in der Zahnarztpraxis ausgeführt werden: die Kavitätenpräparation oder die Kronenpräparation, aber auch die Füllungsbearbeitung einschließlich dem Aufbohren alter Füllungen. Weitere Einsatzgebiete sind die Wurzelkanalaufbereitung und die Wurzelglättung. Auch in speziellen Bereichen wie der Kieferorthopädie, der Kieferchirurgie, bei der Kronen- und Brückentechnik sowie in der Kunststofftechnik werden rotierende Instrumente eingesetzt.

Digitale Abformung

Die digitale Abformung ist eine moderne Art der Abformung. Im Gegensatz zur konventionellen Methode, bei der beispielsweise mit Alginat und Abdrucklöffel ein Abdruck des Kiefers gemacht wird, arbeitet man hier mithilfe digitaler Übertragungstechnik. Dabei erfasst ein Intraoralscanner oder eine Digitalkamera die Situation im Mund des Patienten. Aus den so erfassten Daten entsteht am Computer ein digitaler Abdruck des Patientengebisses. Aktuell sind verschiedene Geräte auf dem Markt, die die Daten und Oberflächen nach unterschiedlichen technischen Ansätzen erfassen, zum Beispiel DirectScan Cams, Intraoral Scanner oder Chairside Oral Scanner. Digitale Abformungen bieten die Möglichkeit, materialsparend zu agieren. Zudem sind sie vor allem bei Patienten mit starkem Würgereiz eine sehr gute Alternative zum konventionellen Abdruck. Die Entwicklung der Scanner schreitet stets voran. Bisher können subgingival liegende Areale noch nicht gänzlich erfasst werden. Auch die Lichtreflexion an beschliffenen Zähnen oder durch Speichel verursachte Reflexionen können eine Erfassung der Oberflächen erschweren. Die Hersteller der Geräte arbeiten deshalb kontinuierlich daran, auch diese Schwachstellen zu beseitigen.

Distal

Distal ist eine der zahlreichen Lage- und Richtungsbezeichnungen in der Mundhöhle. Der Begriff bezeichnet die Richtung von der Mitte des Zahnbogens weg in Richtung der Weisheitszähne bzw. nach hinten. Diese Richtungsbezeichnungen erleichtern im Praxisalltag die Kommunikation zwischen Zahnarzt und Helferin/ZFA/ZMF. Denn dadurch weiß jeder sofort, von welchem Bereich im Mund des Patienten gerade die Rede ist

Druckluftversorgung

Viele Geräte oder einzelne Gerätekomponenten funktionieren mithilfe von Druckluft. Diese erhalten sie durch spezielle Kompressoren. In jeder Zahnarztpraxis sorgen ein oder mehrere Kompressoren für die Druckluftversorgung. Diese sind zumeist nahezu lautlos und versorgen alle Einheiten. Sie sind sozusagen „das Herz ein jeder Praxis“, da ohne sie der Zahnarzt in seiner Tätigkeit deutlich eingeschränkt wäre. Die Liste der zahlreichen Einsatzbereiche von Druckluft in der Zahnheilkunde ist lang. Sie reicht von der Ansteuerung von Präzisionsfräsern über die Turbine im Handstück bis zum Trocknen von Zähnen im Patientenmund mit Hilfe des „Püsters“. In all diesen sensiblen Bereichen sollte ölfreie, trockene und hygienische „dentale Luft“ jederzeit verfügbar sein. 


Anforderung an die Druckluftqualität

Feuchte Druckluft kann nicht nur zu Oxidation und damit Korrosion der empfindlichen und hochwertigen Luftmotoren an der Behandlungseinheit führen, sondern auch den Behandlungserfolg gefährden. Bei der Erhaltung des Retentionsmusters (durch die Präparation entstandene Schlifffacetten auf der Zahnoberfläche) ist es beispielsweise unerlässlich, dass sich kein Wasser in den Rillen, Unterschnitten und Fugen des Zahnes ansammelt. Ansonsten gibt es Probleme bei der mechanischen Verankerung eines Veneers oder eines Inlays – sie können nicht mehr sauber verklebt werden. Das Gleiche gilt bei Kompositen mit Adhäsivtechnik: Auch hier kann Wasser negative Folgen auf den Haftungsprozess haben. Darüber hinaus ist eine ölfreie Luft wichtig, denn Öl verhindert ein absolut exaktes Arbeiten mit dem Retentionsmuster und minimiert die Effizienz der Adhäsivtechnik bei Kompositen. 


Spezielle Dental-Kompressoren notwendig

Bei Dental-Kompressoren sollte aus den genannten Gründen auf Öl als Schmiermittel für die Kolben verzichtet werden. Herkömmliche industrielle Kompressoren benötigen Öl zum Schmieren beweglicher Teile. Doch diese Geräte sind grundsätzlich nicht dentaltauglich, denn selbst durch nachgeschaltete Wasser-/Öl-Abscheider lassen sich Feuchtigkeits- und Ölnebelrückstände nicht vollständig beseitigen. Mittlerweile findet auch im Bereich der Druckluftversorgung eine Digitalisierung statt. Dazu gehören insbesondere Kompressoren, die dann Teil einer kompakten Funktionseinheit inklusive Saugsystem und Amalgamabscheider sind.

E

EDTA

EDTA ist die gängige Abkürzung für Ethylendiamintetraessigsäure. Diese ist eine organische Säure. Sie kommt in der diagnostischen Medizin als Kalziumpuffer zum Einsatz und dient so beispielsweise der Antikoagulation (= Nicht-Gerinnung) von Blutproben (EDTA-Blut). EDTA bildet mit Kalzium als Zentralatom einen Metallkomplex, welcher die Funktion der Blutgerinnung des Kalziums ausschaltet. In der Therapie wird EDTA als Gegenmittel bei Schwermetall-Vergiftungen, beispielsweise mit Blei, verabreicht.
 

EDTA in der Zahnmedizin

In der Zahnmedizin wird EDTA vor allem als Spüllösung bei endotontologischen Behandlungen, also Wurzelkanalbehandlungen, eingesetzt. In der Regel wird sie in einer Konzentration bis 15% zur Entfernung der Schmierschicht verwendet, welche durch den Abrieb mit Feileninstrumenten intrapulpal (innerhalb der Zahnwurzel) entsteht. Aufgrund ihrer mäßigen antimikrobiellen Eigenschaft dient EDTA ebenso als Zwischenspülung innerhalb eines Spülprotokolls. Ein Spülprotokoll gibt vor, in welcher Reihenfolge Spülungen zu verwenden sind. Zudem ist die EDTA eine Spüllösung auf Chelatorenbasis. Unter Chelatoren versteht man besonders stabile Komplexe von Metallen mit organischen Verbindungen infolge ringförmiger Bindungen. Die Fähigkeit des Chelators, sich mit einem metallischen Ion zu verbinden und dieses dadurch zu inaktivieren, wird in der Medizin vielfältig genutzt. So werden sie beispielsweise zur Entgiftung bei Metallvergiftungen oder bei krankhaften Störungen des Kupferhaushalts eingesetzt, um schädliche Ionen auszuscheiden. In der Zahnmedizin sind Chelatorpräparate wieder zunehmend populär. Sie werden eingesetzt, um auf chemischem Wege das Kanalwanddentin zu erweitern. Außerdem werden sie von nahezu allen Herstellern als Gleitmittel zur Unterstützung der maschinellen Wurzelkanalaufbereitung mit Nickel-Titan-Instrumenten vorgeschlagen.
 

Einmalhandschuhe

Einmalhandschuhe sind unverzichtbar bei der alltäglichen Arbeit in der Praxis, insbesondere während einer Behandlung. Sie sind entscheidend für die Hygiene, da sie nach jedem Patienten sowie nach speziellen Arbeitsschritten gewechselt werden. Die Auswahl an Einmalhandschuhen ist groß – aber es gibt auch die Unterschiede, besonders was Schutz, Tragekomfort und Sensorik angeht. Zur Auswahl stehen zudem viele bunte Farben, Texturierungen und sogar verschiedene Düfte. Wichtiger sind aber Material, Qualität und Passform.
 

Material von Einmalhandschuhen

Bei den verwendeten Materialien unterscheidet man vor allem zwischen Latex, Nitril und Vinyl. Ebenso gibt es noch die Unterteilung in gepudert und puderfrei. Bei der Auswahl der Handschuhe für die jeweilige Praxis zählen die individuellen Vorlieben der Behandler und auch mit den Jahren entwickelte Gewohnheiten. 


Latex

Viele favorisieren Latexhandschuhe aufgrund der Bequemlichkeit, dem sehr guten Tastgefühl und der Dehnbarkeit – wichtig beim Anziehen der Handschuhe. Sie bestehen hauptsächlich aus Naturkautschuk und sind besonders weich. Latexhandschuhe gibt es in verschiedenen Ausführungen, etwa mit Beschichtungen aus Aloe Vera oder mit verschieden texturierten Oberflächen für mehr Griff und Tragekomfort. Außerdem arbeiten die Hersteller mit unterschiedlichen Materialmischungen, die das Tragegefühl beeinflussen. Preiswertere Latexhandschuhe enthalten in der Regel einen niedrigeren Naturlatex-Anteil – auf Kosten von Dehnbarkeit und Schutzwirkung. Größter „Schwachpunkt“ der Latexhandschuhe sind die stoffeigenen Latexproteine, welche zu allergischen Reaktionen führen können. Verstärkt wird diese allergische Reaktion durch die mit Maisstärke gepuderte Variante: Die Latexproteine verbinden sich mit der Maisstärke und verteilen sich beim Ausziehen der Handschuhe in der Atemluft. Daher verwenden viele Hersteller mittlerweile während der Produktion Chlorbäder, um so freie Latexproteine herauszuwaschen. Je stärker dabei die Chlorierung ist, desto weniger Latexproteine lösen sich. Dieser Chlorierungsprozess macht die Handschuhe jedoch glatter und rutschiger.
 

Nitril, Vinyl und Polychloropren als Alternative zu Latex

Handschuhe aus Nitril sind eine sehr gute Alternative zu Latex. Nitril ist ein Kunststoff. Solche Einmalhandschuhe sind die erste Wahl für Zahnärzte und Praxismitarbeiter, die auf Naturkautschuk allergisch reagieren oder bei denen eine Sensibilisierung besteht. Zudem bieten Nitrilhandschuhe die gewünschte Elastizität, eine gute Taktilität und einen hohen Tragekomfort. Als weitere Möglichkeit bieten sich Untersuchungshandschuhe aus Vinyl an. Dieses Material ist weich und außen besonders glatt. Auch in punkto Hautverträglichkeit überzeugen Vinylhandschuhe. In der Zahnmedizin werden sie jedoch selten verwendet. Grund hierfür ist die schlechtere Dehnbarkeit, Reißfestigkeit und Sicherheit im Vergleich zu Latex und Nitril. Operationshandschuhe nehmen eine Sonderrolle unter den Einmalhandschuhen ein. Sie sind qualitativ besonders hochwertig und werden einzeln steril verpackt . Neben Latex und polymerbeschichtetem Latex wird für die hochwertigen OP-Handschuhe auch Polychloropren (Neopren) verwendet. Wegen des höheren Infektionsrisikos und der langen Tragezeiten sind Operationshandschuhe noch dichter als Untersuchungshandschuhe.

Einwegkanülen

Eine Kanüle ist eine hohle Nadel, die in der Medizin dazu benutzt wird, in Gewebe einzudringen und es zu punktieren. Das Ende der Kanüle ist meist mit einem schrägen Schliff geschärft, um beim Eindringen in das Gewebe einen kleinen Schnitt zu setzen. Einwegkanülen sind eben solche Nadeln, die nur ein einziges Mal verwendet und anschließend entsorgt werden. Dies ist bei zahnmedizinischen Behandlungen aufgrund der hohen hygienischen Ansprüche besonders wichtig. Gerade im Bereich der Mundhöhle ist der Raum zur Behandlung sehr begrenzt – durch die Schleimhaut, Haut und Muskulatur. Hier können Einwegkanülen sehr hilfreich sein, zum Beispiel
  • zur Verwendung als Spritzenspitze bei der Leitungsanästhesie
  • beim Applizieren von Werkstoffen wie Füllungsmaterial
  • als sterile/hygienische Verlängerung des Püsters oder der „Wasserspritze“
  • zur Applikation von Spüllösungen.

Endodontie

Endodontie ist ein Teilgebiet der Zahnheilkunde. Sie befasst sich mit dem Aufbau und den Krankheiten des Zahninneren, also mit der Anatomie und Physiologie des Endodonts sowie der Ätiologie, Prävention, Pathologie, Diagnostik und Therapie seiner Erkrankungen oder Verletzungen. Das Endodont umfasst hierbei die Zahnpulpa (Zahnnerv) sowie die sie umgebenden, mit ihr physiologischerweise kommunizierenden Gewebe.


Erkrankungen des Endodonts

Erkrankungen des Endodonts können in folgenden Bereichen auftreten: kariöse Läsionen (Loch im Zahn), präparierte Kavitäten (behandelte Zahndefekte), offenliegende Dentintubuli (Dentinkanälchen), Furkations- oder Seitenkanäle und Foramen apikale (Öffnung an der Wurzelspitze, durch die Nerven und Blutbahnen in den Zahn eintreten). Endodontische Maßnahmen, die diese Prozesse verhindern, sind:
  • präventive Endodontie (Kariesprävention, Pulpa-Dentin-Schutz)
  • konservative Endodontie (Aufbereitung und Desinfektion des Wurzelkanalsystems)
  • chirurgische Endodontie (Wurzelspitzenresektion, Wurzelamputation)
  • postendodontische Versorgung (Restaurationen und Aufbaufüllungen)

Extirpationsnadeln

Extirpationsnadeln sind spezielle Instrumente, die in der Endodontie bei einer Wurzelkanalbehandlung zum Einsatz kommen. Diese Nadeln sind speziell dafür konzipiert, die Pulpa (Zahnnerv) aus dem Wurzelkanal zu entfernen. Auf der Oberfläche der Nadeln sind mehrere Widerhaken angebracht, mit denen der Nerv herausgezogen werden kann. Extirpationsnadeln sind in verschiedenen ISO-Größen erhälltlich

F

Farbcodierung

Die Farbcodierung ist ein visuelles Hilfsmittel, um Behandler und Team einen besseren Überblick über das verwendete Instrumentarium zu geben. Sie hilft zum einen dabei, den Gegenstand zu identifizieren und zum anderen vereinfacht sie eine Benennung des Gegenstands.


Einsatz der Farbcodierung in der Zahnmedizin

Die Farbcodierung findet sich vor allem in der Zahnwurzelbehandlung: Hier hat jede der einzelnen ISO-genormten Feilen und Nadeln ihre spezielle Farbe. Ebenso gibt es bei den Küreetagesystemen für die manuelle Zahnreinigung eine Farbcodierung. Die unterschiedlichen Farben geben daher sowohl Aufschluss über deren oberflächliche Beschaffenheit (z.B. Körnungsgrad, Größe der Feile) als auch über das Anwendungsgebiet (z. B. Frontzähne, Prämolaren, Molaren, distale Fläche).

Filmentwicklung

Die Filmentwicklung ist ein kaum noch praktizierter Arbeitsschritt in der Röntgendiagnostik. Insbesondere in früheren Zeiten war es notwendig, die gebräuchlichen Röntgenfilme (bestehend aus Silberhalogenid) nach der Belichtung zu entwickeln. Mittlerweile sind diese jedoch größtenteils durch Röntgenspeicherfolien ersetzt worden. Diese sind in einer Art Kasette verbaut und können bis zu 10.000 mal verwendet werden. Alternativ werden auch Speicherchips in ditalen Röntgengeräten eingesetzt. In beiden Fällen entfällt also die klassische Filmentwicklung.

Flächendesinfektion

Eine Flächendesinfektion bezeichnet die systematische Keimreduktion auf Oberflächen, besonders in ambulanten oder stationären medizinischen Einrichtungen. Hierbei geht es vor allem um die Arbeitsflächen. Die Bereiche, die möglicherweise kontaminiert (verunreinigt) sind, sollten stets leergeräumt sein. Dort liegen grundsätzlich nur die Gerätschaften und Arbeitsmittel auf, die bei den zu behandelnden Patienten benutzt werden. Schubladen und Schränke sind während der Behandlung geschlossen zu halten. Materialien und Gerätschaften im Behandlungszimmer sollten ausschließlich in geschlossenen Schränken und Schubladen gelagert werden, nicht in offenen Regalen. 


Korrekte Durchführung der Flächendesinfektion

Eine Flächendesinfektion wird am besten mithilfe von Desinfektionstüchern durchgeführt. Hierfür gibt es vorgefertigte Verpackungen mit in Desinfektionsmittel getränkten Tüchern, aus denen man einzelne Tücher herausnehmen kann. Wird eine Fläche mit so einem Tuch gewischt, wirkt das Desinfektionsmittel innerhalb von 3 Minuten. Nach Ablauf dieser Zeit ist die gewischte Fläche sauber, trocken und relativ keimfrei. Eine solche Flächendesinfektion sollte in Behandlungsräumen nach jedem Eingriff vorgenommen werden. Bevorzugt zu behandelnde Flächen sind hierbei der Behandlungsstuhl samt Behandlungseinheit sowie die Ablageflächen.
 

Fluoridierung

Unter Fluoridierung versteht man das Aufbringen von speziellen Salzen, sogenannten Fluoriden, auf die Zähne zur Kariesprophylaxe. Auch Lebensmittel wie Speisesalz und Trinkwasser sowie Zahnpasta werden teilweise mit Fluorid versetzt, allerdings in deutlich geringerer Konzentration. 


Die Wirkung von Fluorid

Fluorid wirkt vor allem auf der chemischen Ebene prophylaktisch gegen Karies: Der Zahnschmelz und das Dentin sind chemisch betrachtet wie ein schwerlösliches Salz in einer wässrigen Lösung, dem Speichel. Idealerweise besteht an der Zahnoberfläche ein Gleichgewicht zwischen De- und Remineralisation. Plaquebesiedlung und zuckerreiche Ernährung stört dieses Gleichgewicht. Es kommt zu einer bakteriellen Säureproduktion, wodurch die Demineralisation überwiegt. Es bilden sich kariöse Läsionen mit charakteristischem Aussehen – zunächst in mikroskopischen Dimensionen. Aus diesen entwickelt sich dann eine Kavität. Die Kavität entsteht also durch das Herauslösen von Kalziumionen aus der Zahnoberfläche. Durch Zugabe von Fluorid lässt sich dieser Vorgang umkehren, denn Flourid löst angelagerte H-Ionen aus der Zahnoberfläche heraus. So kann wieder Kalzium angelagert werden, also eine Remineralisierung stattfinden. Zudem wird durch Fluorid die Zahnhartsubstanz gestärkt und so wiederum einer erneuten Karies vogebeugt. 


Möglichkeiten der Fluoridzufuhr

Fluorid kann auf unterschiedlichen Wegen zugeführt werden: zum einen systemisch (durch die Nahrung) durch fluoridiertes Speisesalz, aber auch lokal durch Auftragen von Fluoridlacken oder Fluoridgelee. Der eigentliche Wirkungsmechanismus systemischer Fluoridapplikation liegt im Kontakt mit den Zähnen. Systemische Fluoridapplikation ist daher eine effektive Methode der lokalen Fluoridierung. Zudem kann beim täglichen Zähneputzen mit entsprechenden Zahnpasten Fluorid zugeführt werden. Allerdings dürfen mit Fluorid angereicherte Zahnpasten in Deutschland maximal 1500 ppm enthalten, für Kinder bis 6 Jahren gilt ein Maximalgehalt von 1000 ppm. Hiermit soll eine Fluoridtoxizität verhindert werden, die bei übermäßig hohem Fluoridkonsum droht.

Folienschweißgerät

Ein Folienschweißgerät dient in der Zahnmedizin dazu, gesäuberte Instrumentarien und Schleifkörper luftdicht in Folienbeuteln zu verpacken. Damit werden diese Instrumente vorbereitet zur Sterilisation. In den verschweißten Beuteln werden im Anschluss an den Sterilisationsprozess Geräte sicher und hygienisch einwandfrei gelagert. 


Handhabung des Folienschweißgeräts

Folienschweißgeräte können mit Folienschlauch von der Rolle bestückt werden oder alternativ mit vorgefertigten Folienbeuteln in Standardgrößen zum Einsatz kommen. Beim Folienschlauch von der Rolle wird diese mit der Papierseite nach unten in das Gerät eingefädelt und die gewünschte Folienlänge mit dem Verstellrad angepasst. Dann wird durch Starten des Siegelprozesses die hintere Naht des Folienschlauchs angelegt und abgeschnitten. Diese Arbeitsschritte erspart man sich mit einem vorgefertigten Folienbeutel. Der zu verschweißende Gegenstand wird nun in den Folienschlauch oder -beutel eingelegt und die noch offenen Nähte mithilfe des Folienschweißgeräts verschlossen. Anschließend kann das so verpackte Instrument im Dampfsterilisator sterilisiert werden.

Fräsator

Ein Fräsator ist ein zylinderförmiger Behälter mit Deckel, der zur Reinigung und Aufbereitung rotierender Instrumente wie Bohrer, Fräser, Polierer, Schleifer gebraucht wird. Dafür wird der Behälter mit Desinfektionslösung gefüllt. Im Innern des Fräsators ist ein herausnehmbarer Siebeinsatz, in welchen die rotierenden Instrumente durch einen Schlitz im Deckel eingelegt werden. Zum Abtropfen der Desinfektionsflüssigkeit wird das innenliegende Sieb hochgestellt. Dieses bewährte Verfahren ist Bestandteil der zeitgemäßen Desinfektion von rotierenden Instrumenten in der Zahnarztpraxis.


Gängige Materialien von Fräsatoren

Üblicherweise sind diese Behälter zum Durchführen eines Bohrerbads aus Opalglas gefertigt, das innenliegende Sieb aus Kunststoff. Daneben gibt es auch Fräsatoren aus Edelstahl. 

Füllungsarten

Als Füllungsarten werden jene Werkstoffe bezeichnet, die bei einer Füllungstherapie zum Einsatz kommen können. Solche Werkstoffe sind
  • Amalgam 
  • Composite  
  • Gold
  • Keramik 
  • Glasionomer – auch GIZ genannt 
  • Compomer 

Unterteilung von Füllungsarten nach Therapie

Diese unterschiedlichen Füllungsarten können zudem nach der durchgeführten Therapieform unterteilt werden in:
  • Füllungen für die rein konventionelle Füllungstherapie in Form von Kavitätenpräparation mit anschließender Konditionierung für die direkte Einlage des Füllungsmaterials
  • Versorgung mit Inlays, Onlays (theoretisch auch Chairside (Verlinkung)-Fertigung möglich) oder auch Teilkronen. Diese werden vorwiegend bei sehr großen kariösen Läsionen eingesetzt. Hier wird ebenfalls präpariert, allerdings etwas anders als bei der konventionellen Füllungstherapie. Zudem wird anschließend eine Abformung vorgenommen. Im zahntechnischen Labor kann daraufhin der entsprechende Zahnersatz gefertigt werden.

Fungizid

Fungizide sind pilzabtötende Arzneistoffe (Antimykotika), also chemische oder biologische Wirkstoffe, die Pilze oder ihre Sporen abtöten oder ihr Wachstum für die Zeit ihrer Wirksamkeit verhindern. Diese Eigenschaft der Wirkstoffe wird als fungizid bezeichnet, der Vorgang selbst als Fungizide.


Einsatz von Fungiziden

Fungizide in der Zahnmedizin werden eingesetzt zur wirksamen Bekämpfung von Candidapilzen, auch Hefepilze oder Soor genannt. Diese Pilze lieben feuchte Regionen in der Mundhöhle wie die Zunge und die Mundschleimhaut. Aber auch auf Zahnprothesen und feuchten Zahnbürsten fühlen sich diese Pilze wohl, vermehren sich dort sogar am meisten. Natürlicherweise sind Bakterien, bisweilen auch Viren und Pilze, im Mundraum zu finden. Bei immungeschwächten Menschen kann es zu einer krankhaften Pilzinfektion im Mund kommen. Bei einer Hefepilzinfektion im Mundraum sollte immer zuerst der Zahnarzt konsultiert werden.


Fungizide Wirkstoffe in der Alternativmedizin

Besonders Teebaumöl und Nelkenöl kommen in der Alternativmedizin zur Anwendung. Teebaumöl wird wegen seiner antiseptischen, bakteriziden und fungiziden Wirkung geschätzt. Aus Gewürznelken gewonnenes Nelkenöl wirkt antibakteriell, fungizid, krampflösend, beruhigend, schweißtreibend und schmerzstillend. Bei Zahnschmerzen können zur Schmerzlinderung Nelken gekaut werden, denn auch so entfaltet das enthaltene Öl seine Wirkung. Bei oraler Einnahme von Nelkenöl sollte man allerdings vorsichtig sein, denn in konzentrierter Form wirkt es gewebereizend und kann allergische Reaktionen der Mundschleimhaut verursachen.

Funktionsabformung

Funktionsabformungen sind alle Abformungsmethoden, mit denen sich Bewegungen von Lippe, Wange und Zunge beim Kauen, Sprechen und mimischen Bewegungen in der Ausdehnung darstellen lassen. Dieser spezielle Abdruck wird beim Zahnarzt mit einer besonderen Schablone (Funktionslöffel) genommen. 


Anwendung der Funktionsabformung

Zahntechniker benötigen zur Fertigung einer schleimhautgetragenen Zahnprothese eine Funktionsabformung des unbezahnten Kiefers (Kieferkamm). Dieser spezielle Abdruck des unbezahnten Kiefers berücksichtigt die natürlichen Bewegungen von Schleimhäuten, Mundschleimhäuten und Muskeln – etwa beim Essen und Sprechen. Die Funktionsabformung stellt den Ventilrand (Umschlagfalte) dar und hilft, die richtige Ausdehnung der Prothesenbasis zu ermitteln. Hergestellt wird eine solche Abformung aus Elastomer, einem Werkstoff, der formfest aber elastisch verformbar ist. Sie dient als Ausgangsbasis für ein Gipsmodell, mit dem der Zahntechniker dann arbeiten kann.

G

Gingiva

Gingiva ist der zahnmedizinische Fachausdruck für Zahnfleisch. Die Gingiva gehört zur Mundschleimhaut und bildet unmittelbar an den Zähnen wie eine Art Kragen den Abschluss des Zahnhalteapparats. 


Was ist freie und was ist befestigte Gingiva?

In der Zahnmedizin wird zwischen sogenannter freier und fester Ginigiva unterschieden. Als freie Gingiva wird der Bereich bezeichnet, der sich bei der Untersuchung des gingivalen Sulkus (Zahnfleischtasche) mit einer Paradontalsonde vom Zahn ablösen lässt. Ein anderer Ausdruck dafür ist „Gingivalsaum“. Wenn der Zahnhalteapparat gesund ist, ist dieser Bereich der Gingiva mit ungefähr 1-2 Millimetern nur klein. Im Gegensatz dazu ist die befestigte Gingiva mit dem Alveolarknochen verwachsen.
 

Funktion und Erkrankungen der Gingiva

Als Teil des Zahnhalteapparates kommt der Gingiva eine wichtige Funktion zu: Zusammen mit Zahnhalteapparat und Kiefer bildet sie eine Einheit, die für den festen Sitz der Zähne im Kieferknochen sorgt. Das Gewebe der Gingiva ist dabei teilweise am Zahn und teilweise am Alveolarfortsatz befestigt. Weil Zahnfleisch keine Unterhaut besitzt, lässt es sich nicht verschieben und kann nicht nachgebildet werden. Ist die Gingiva entzündet, spricht man von einer Gingivitis. Sind von dieser Entzündung noch weitere Teile des Zahnhalteapparates betroffen, liegt eine Parodontalerkrankung vor. In der Folge kommt es zu einer Vertiefung des gingivalen Sulkus und damit zu einer Zahnfleischtasche. 

 

Gingivektomie

Von einer Gingivektomie spricht man, wenn bei Zahnfleischerkrankungen ein Teil der Ginigiva chirurgisch entfernt wird. Dafür kann es unterschiedliche Gründe geben: zum einen um Gingivahyperplasien also abnorme Wucherungen des Zahnfleischs zu korrigieren; zum anderen um etwa Zahnfleischtaschen bzw. Knochentaschen zu verringern. Konventionell erfolgt die chirurgische Abtragung der Gingiva mit dem Skalpell. Sie kann aber auch mit einem elektrochirurgischen Instrument (Elektrotom), einem Laser oder einem Hochfrequenzchirurgiegerät durchgeführt werden. Für den Eingriff ist eine Lokalanästhesie erforderlich. Danach kann ein sogenannter Zahnfleischverband die Heilung unterstützen. 

Gingivitis

Gingivitis bezeichnet eine Entzündung der Gingiva. Sie zählt zu den Parodontalerkrankungen (Erkrankungen des Zahnhalteapparats).


Ursachen für Gingivitis

Zu den häufigsten Ursachen für eine Gingivitis zählt bakterieller Plaque (Zahnbeläge) als Folge von schlechter Mundhygiene. Liegen bestimmte weitere Faktoren vor, kann es bereits bei geringgradigem Plaque zu einer Gingivitis kommen. Zu diesen Faktoren zählen hormonelle Veränderungen wie sie in der Schwangerschaft oder Pubertät vorkommen, Stoffwechselstörungen etwa Diabetes mellitus oder bösartige Erkrankungen zum Beispiel Leukämie. Auch die Einnahme bestimmter Medikamente oder Mangelernährung kann die Entstehung einer Gingivitis begünstigen. Eine dauerhafte Reizung durch fehlerhaften bzw. schlecht sitzenden Zahnersatz kommt ebenfalls als Auslöser in Frage. 


Formen der Gingivitis

Es gibt verschiedene Formen von Gingivitis. Zum einen unterscheidet man zwischen akuter und chronischer Gingivitis. Zum anderen gibt es plaqueindizierte, also durch Plaque ausgelöste, und nicht-plaqueindizierte Gingivitis. Sobald sich aus Plaque erst einmal Zahnstein gebildet hat, lässt er sich allein durchs Zähneputzen nicht mehr entfernen. An diesem Punkt beginnen Bakterien das Zahnfleisch anzugreifen. Darauf reagiert der menschliche Organismus mit einer Entzündungsreaktion. Ist die bakterielle Entzündung soweit fortgeschritten, dass auch Knochen und Bindegewebe betroffen sind, spricht man von Parodontitis. Zudem gibt es noch eine Sonderform: die akut nekrotisierend ulzeröse Gingivitis. Dabei handelt es sich um eine plötzlich auftretende Entzündung, die mit Schmerzen, Blutungen und schlechtem Atem einhergeht.


Symptome der Gingivitis

Bei einer Gingivitis ist entweder die komplette Gingivia schmerzhaft gerötet und geschwollen oder nur bestimmte Bereiche. Auch können Ulzerationen (Geschwürbildung) auftreten und die Zahnfleischtasche bluten. Dies lässt sich meist mit einer leichten Sondierung feststellen. Oftmals leiden die Patienten unter starkem Mundgeruch. Die Therapie einer Gingivitis richtet sich nach der Ursache. Bei einer plaqueindizierten Gingivitis ist die Verbesserung der Mundhygiene das Mittel der Wahl. Neben Zahnbürste und Zahnseide ist dann auch der Einsatz desinfizierender Mundspüllösungen ratsam.

Gipse

Chemisch betrachtet handelt es sich bei Gips um ein zweifach hydratisiertes Kalziumsulfat in kristallinischer Form (CaSO4.2H2O). Aufgrund seiner Eigenschaften etwa der einfachen Handhabung eignet er sich gut für die Herstellung von Modellen, wie sie in der Zahnmedizin gebraucht werden.

Man unterscheidet dabei zwischen verschiedenen Modellen:
Situationsmodelle: Sie bilden die Ausgangssituation vor der Behandlung ab und werden verwendet, um die Mundsituation zu dokumentieren und zu analysieren.
Arbeitsmodelle: Sie dienen als Grundlage, auf der der Zahntechniker Zahnersatz, Aufbissschienen, kieferorthopädische Apparaturen oder Mundschutze anfertigt. 
Meistermodell: Darauf verleiht der Zahntechniker seiner Arbeit den letzten Schliff und liefert sie zum Zahnarzt.


Herstellung eines Gipsmodells

Um ein Gipsmodell herzustellen muss im ersten Schritt eine Abformung des Gebisses und des Kiefers erfolgen. Hierbei muss sehr auf Präzision geachtet werden. Denn gerade bei Arbeitsmodellen gilt: Je exakter Abformung und Modell, desto präziser das zahntechnische Werkstück, das darauf gefertigt wird. Angemischt wird der Gips entweder von Hand mit einem Spatel in einem Mischbecher oder unter Vakuum in einem mechanischen Gipsmischgerät. Dabei ist es in jedem Fall wichtig, die Herstellerangaben zur Dosierung von Gipspulver und Wasser einzuhalten. Mit einem im Idealfall cremigen Gipsbrei wird schließlich die Abformung ohne Luftblasen ausgegossen. 


Arten von Dentalgips

Für den jeweiligen Gebrauch gibt es in der Dentalmedizin verschiedene Gipsarten, die jeweils verschiedene Anforderungen erfüllen. Da Präzision bei der Modellherstellung so eine große Rolle spielt, müssen Dentalgipse möglichst konstante Eigenschaften mitbringen. Wofür welcher Gips verwendet wird, ist abhängig davon, wie er expandiert und wie stabil die Kanten sind. Die fünf Gips-Typen in der Zahnmedizin sind durch EN ISO 6873 genormt und werden wie folgt unterschieden:
Typ I: Abform- und Abdruckgips, 0,15 % Abbindeexpansion und 4 N/mm² Druckfestigkeit;
Typ II: Alabastergips, 0,3 % Abbindeexpansion und 9 N/mm² Druckfestigkeit;
Typ III: Hartgips, 0,2 % Abbindeexpansion und 20 N/mm² Druckfestigkeit;
Typ IV: Superhartgips, 0,15 % Abbindeexpansion (niedrig), 35 N/mm² Druckfestigkeit;
Typ V: Superhartgips, 0,3 % Abbindeexpansion (hoch), 35 N/mm² Druckfestigkeit.

Glasionomer

Glasionomer beziehungsweise Glasionomerzement, kurz GIZ, ist ein Füllungsmaterial. Vielfach wird es auch als Glas-Polyalkenoat-Zement bezeichnet. Glasionomerzement setzt sich zusammen aus anorganischen Füllkörpern, Carbonsäuren sowie Wasser. Außerdem enthält es wie Compomere Fluorid. Dadurch wird es gerne als Füllungsmaterial für Milchzähne verwendet. Auch für provisorische Füllungen an bleibenden Zähnen kommt es – insbesondere bei schwangeren Frauen – zum Einsatz. Daneben dienen Glasionomerzemente in der Zahnmedizin auch als Fixierungszemente für Zahnbrücken und -kronen sowie als Unterfüllungszemente. 


Was sind die Vor- und Nachteile von Glasionomerzement?

Glasionomerzement hat den Nachteil, dass es relativ schnell verschleißt, was sich besonders im Bereich von Füllungskanten negativ auswirkt. Die durchschnittliche Haltbarkeit einer GIZ-Füllung liegt bei fünf Jahren. Diese eingeschränkte Haltbarkeit ist der Grund für die eingeschränkte Anwendung als definitives Füllungsmaterial. Zu den Vorteilen von Glasionomerzement gehören eine gute Bioverträglichkeit und die bereits erwähnte Fluorid-Freisetzung. Dadurch stärkt es die Schmelz- und Dentinstruktur und kann vor Karies schützen. Bei Füllungen an Milchzähnen nimmt man deshalb auch die im Vergleich zu anderen Materialien geringere Haltbarkeit in Kauf. Glasionomerzement punktet zudem mit seiner relativ zahnfarbenen Optik und einfacher Handhabung. Für die Anwendung wird es zumeist in Applikationskapseln bereit gestellt. Der Behandler muss berücksichtigen, dass GIZ-Füllungen nicht poliert werden können. 

Glaskeramik

Für Vollkronen und Veneers, Inlays, Onlays und Gerüste wird heute zumeist Glaskeramik als Material verwendet. Weil Silikate die Rohstoffe für die Herstellung von Glas und Keramik sind, wird sie auch Silikatkeramik genannt. 


Warum Glaskeramik in der Zahnmedizin?

Glaskeramische Restaurationen weisen eine Transluzenz auf, die der der natürlichen Zähne sehr ähnlich ist. Das heißt, sie sind vergleichbar durchscheinend und passen sich optisch der Umgebung an. Glaskeramik ist außerdem sehr belastbar und kann als Restauration mittels der Adhäsiv-Technik den Zahn sogar stabilisieren. Überdies ist der Werkstoff sehr erprobt, wird ständig weiterentwickelt und lässt sich sehr präzise bearbeiten.
 

Gnathologie

Als Gnathologie bezeichnet man die Lehre von der Kaufunktion. Dieses zahnärztliche Spezialgebiet befasst sich mit dem biomechanischen und funktionellen Zusammenwirken von Zähnen und Kiefergelenk und möglichen Fehlfunktionen.

Störungen der Kaufunktion können sich auf vielfältige Weise äußern. Dazu gehören beispielsweise Zahn- und Kieferschmerzen, eine Craniomandibuläre Dysfunktion, aber auch Migräne, Verspannungen im Schulter-Nackenbereich, Schluckbeschwerden oder Schwindel. Diese Symptomvielfalt erschwert häufig die Diagnose.

Bei einer gnathologischen Untersuchung begutachtet der Behandler die Struktur von Zähnen, Bändern, Muskulatur sowie des Kiefergelenks. Zudem analysiert er, wie alle diese Strukturen etwa beim Kauen zusammenspielen und ob gegebenenfalls eine Fehlfunktion vorliegt.

Als Therapiemaßnahmen kommen je nach Indikation zum Beispiel Aufbissschienen (Aufbisskorrekturen), eine direkte Behandlung gegen Zähneknirschen (Bruxismus) oder eine Korrektur der Position der Kauflächen in Frage.

Wird eine Craniomandibuläre Dysfunktion diagnostiziert, liegen oft mehrere Ursachen vor. Hier ist neben einer besonders sorgfältigen Diagnosestellung zu Beginn häufig die Kombination verschiedener Therapieverfahren erforderlich

Guttaperchaspitzen

Guttaperchaspitzen kommen bei endodontologischen Behandlungen zum Verschließen der Kanäle zur Anwendung. 


Was ist Guttapercha?

Bei Guttapercha handelt es sich um ein kautschukähnliches Naturprodukt. Als weitestgehend natürliches Produkt zeichnet es sich durch sehr gute Bioverträglichkeit aus. Weil es sich nach Erwärmung gut verformen lässt, ist es für die Füllung von Wurzelkanälen gut geeignet.


Wie werden Guttaperchaspitzen verwendet?

Guttaperchaspitzen gibt es in verschiedenen Größen, das heißt mit unterschiedlichem Durchmesser. Bevor sie zum Einsatz kommen, muss der Wurzelkanal aufbereitet, mit Desinfektionslösung gespült und anschließend mit Papierspitzen trockengelegt werden. Danach werden die Guttaperchaspitzen mit Hilfe eines sogenannten Sealers unter Wärmeeinwirkung in den Kanal appliziert.


Arten der Kondensation bei Guttaperchaspitzen

Das Verfahren wie Guttaperchaspitzen eingebracht werden, nennt man Kondensation. Dabei wird noch einmal zwischen verschiedenen Arten der Kondensation unterschieden, allen gemeinsam ist jedoch, dass der Wurzelkanal mit erwärmter und plastisch verformter Guttapercha verfüllt wird:
Laterale Kondensation: Die Guttaperchaspitzen werden eine nach der anderen mit dem Sealer benetzt in den Wurzelkanal eingebracht und mit einem sogenannten Spreader verdichtet. Erst anschließend wird thermisch versiegelt.
Vertikale Kondensation: Dabei arbeitet der Behandler von unten nach oben. Erst wird die unterste Guttaperchaspitze eingebracht und thermisch versiegelt, dann die nächste weiter oben und so fort bis der komplette Kanal gefüllt ist.

Erhältlich sind auch Systeme, bei denen Guttaperchaspitzen mit einem plastischen Kunststoffkern vor dem Verfüllen erhitzt werden und dann in einer sogenannten Einweg-Kondensation in den Kanal appliziert werden. 

 

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Händesdesinfektion

Zur Händehygiene in der Zahnarztpraxis gehört neben der Handreinigung und -pflege auch der Infektionsschutz und damit die Händedesinfektion. Da über 80 Prozent der Infektionen bei Menschen über die Hände übertragen werden, spielt die Handhygiene bei der Unterbrechung der Infektionskette eine große Rolle. Dabei geht es sowohl um den Schutz der Patienten als auch den Schutz der Gesundheit von Behandler und Team. 


Welches Händedesinfektionsmittel in der Zahnarztpraxis?

Es sollten ausschließlich Mittel verwendet werden, deren Wirksamkeit durch anerkannte Prüfverfahren nachgewiesen sind. Sie sollen auf jeden Fall bakterizid und levurozid sein. Wer Patienten mit Viruserkrankungen versorgt oder mit virushaltigem Material umgeht, sollte darauf achten, dass das eingesetzte Händedesinfektionsprapärat auch viruzid ist. Damit ein Händedesinfektionsmittel richtig wirken kann, ist es wichtig, sich genau an die Anwendungshinweise des Herstellers zu halten. 


Weitere Faktoren für die richtige Händedesinfektion

Eine weitere wichtige Voraussetzungen für eine erfolgreiche Händedesinfektion ist gesunde Haut. Bei geschädigter Haut brennt das Desinfektionsmittel, was die Bereitschaft es zu nutzen mindert. Da pathogene Erreger sich zum Beispiel an Ringen oder Piercings festhalten und dann vom Desinfektionsmittel nicht entfernt werden können, sollten auch kein Schmuck oder Uhren getragen werden.


Hygienische Händesdesinfektion

Bei dieser Form der Händedesinfektion werden alle Keime entfernt, die die Haut vorübergehend besiedeln (transiente Hautflora). Sie ist vorgeschrieben bei direktem Hautkontakt zu Instrumentarien, Oberflächen und dem Patienten.


Chirurgische Händedesinfektion

Vor chirurgischen Eingriffen ist die chirurgische Händedesinfektion erforderlich. Dabei werden nicht nur die sich vorübergehend auf der Haut befindlichen Keime abgetötet, sondern auch die, die dort immer vorhanden und für die normale Hautfunktion zuständig sind (residente Hautflora). Denn gelangen solche Keime auf nicht intakte Haut oder durch invasive Eingriffe wie bei einer OP ins Körperinnere können sie dort unter Umständen Infektionen auslösen. 

Haftlack

Haftlack (auch Adhäsiv-Liquid) kommt bei der Abformung zum Einsatz und sorgt unter dem Abformmaterial dafür, dass es besser im Abformlöffel haftet. Je nach Abformmaterial kann entweder ein allgemeiner Haftlack verwendet werden oder ein für das jeweilige Abformmaterial (Silikon, Alginate oder Polyether) spezialisierter Haftlack. Haftlack ist auch in Form von Haftspray (Adhäsiv-Spray) erhältlich. 

Hartmetallbohrer

Hartmetallbohrer gehören zu den am meisten verwendeten rotierenden Instrumenten an der Behandlungseinheit. Je nachdem wofür sie zum Einsatz kommen, haben sie verschiedene Formen, Beschichtungen und Verzahnungen. Es gibt zum Beispiel Rundbohrer, auch Rosenbohrer genannt, oder Fissurenbohrer. Zur Anwendung kommen Hartmetallbohrer unter anderem um Kavitäten oder Kronen zu präparieren, um Kronen zu trennen oder um Füllungen zu bearbeiten beziehungsweise alte Füllungen aufzubohren.

Hartmetallfräser

Hartmetallfräsen kommen sowohl in der Zahnmedizin als auch in der Zahntechnik zum Einsatz. Mit diesen Schleifkörpern lassen sich Primärteile, Modellgußarbeiten oder Kronen aus Metall anpassen, einschleifen und formen

Hemisektion

Eine Hemisektion ist ein zahnchirurgischer Eingriff, bei dem ein mehrwurzeliger Zahn teilweise extrahiert wird. Hemisezierte Zähne, also der im Kiefer verbleibende Teil, können je nach Indikation mit Kronen versorgt werden oder auch als Stützpfeiler etwa für eine Brückenversorgung dienen. Darin besteht der Vorteil einer Hemisektion gegenüber einer kompletten Extraktion.


Schritte einer Hemisektion

Eine Grundvoraussetzung für diesen Eingriff ist, dass ein geschädigter Zahn mehrere Wurzeln besitzt. Dies ist der Fall bei Unterkiefer-Molaren und Oberkiefer-Vierer, diese besitzen meist zwei Wurzeln (Fachausdruck: Bifurkation), und Oberkiefermolaren, die häufig sogar drei Wurzeln (Trifurkation) aufweisen. Vor einer Hemisektion muss eine Wurzelkanalbehandlung erfolgen. Damit wird der Zahn zum einen symptomfrei. Zum anderen sorgt die Wurzelkanalfüllung für eine gewisse Stabilität des hemisezierten Zahns. In einer weiteren Behandlungssitzung trennt der Behandler unter örtlicher Betäubung den Zahn zwischen den Wurzelstämmen. Aus dem ganzen Zahn werden also zwei kleinere Teile gemacht. Anschließend wird der nicht erhaltungswürdige Teil entfernt. Oftmals erfolgt bei einer Hemisektion auch eine Wurzelamputation. 

Hirtenstab (und Hammer)

Bei einem Hirtenstab handelt es sich um ein Instrument, mit dem der Behandler bereits eingesetzte Kronen oder Brückenversorgungen von der Zahnhartsubstanz darunter lösen kann. Das Instrument wird immer zusammen mit dem sogenannten Hammer eingesetzt. Der Hirtenstab wird auch Kronenentferner nach Morell genannt.


Anwendung von Hirtenstab und Hammer

Bei der Entfernung einer Krone mit dem Hirtenstab geht der Behandler wie folgt vor: Der modellierte Hackenkopf des Instruments wird am Rand der Krone, die entfernt werden soll, positioniert. Durch Ziehen wird der integrierte mobile Hammer mittels einer Feder auf Spannung gebracht. Wenn der Behandler nun seinen Zuggriff löst, erzeugt der Hammer bei der Rückwärtsbewegung in seine ursprüngliche Position punktuell einen Stoß. Dieser wird so umgewandelt, dass er an der Instrumentenspitze ein Ziehen bewirkt. Wiederholt der Behandler nun diesen Vorgang mehrmals, wird die Krone schließlich vom darunter befindlichen Stumpf gelöst. Beim Einsatz von Hirtenstab und Hammer ist Vorsicht geboten. Denn bei falscher Anwendung besteht die Gefahr, dass dieser Stumpf beschädigt wird.

Hohlmeißelzange

In der zahnärztlichen Chirurgie werden mit der Hohlmeißelzange Knochenteile entfernt. Hohlmeißelzangen gibt es in verschiedenen Bauformen und sie sind nach ihren Konstrukteuren benannt, zum Beispiel Hohlmeißelzange nach Beyer oder nach Luer. Mit der Hohlmeißelzange lässt sich Knochen etwa bei einer Weisheitszahn-OP glatt abtrennen. Dies ist wichtig, weil sich Gewebe über glatten Knochen schneller erholt als Gewebe über scharfkantigen Knochenbereichen. 

Hydrocolloid

Hydrocolloid, auch Hydrokolloid, ist ein Abformmaterial, das mit hoher Präzision überzeugt. Aufgrund seiner Materialeigenschaften werden bei der Abformung mit diesem Material aber weitaus mehr Gerätschäften benötigt, als bei einer Abformung mit Alginat. Damit geht auch ein größerer Arbeitsaufwand einher. Hauptbestandteil von Hydrocolloiden ist, neben verschiedenen Zusätzen, die aus Algen gewonnene natürliche Substanz Agar Agar. Bei Temperaturen unter 40 °C haben Hydrocolloide eine gelartige Konsistenz. Bei Erwärmung werden sie ab einer Temperatur von rund 70 °C dünnflüssig – das wird Sol-Zustand genannt. Je nach Temperatur wechselt Hydrocolloid also vom Gel- in den Sol-Zustand und umgekehrt. 


Die Abformung mit einem Hydrocolloid 

Die temperaturabhängige Konsistenz erfordert beim Anfertigen einer Abformung mehr Aufwand und spezielles Zubehör. So muss der Abformlöffel eine Wasserkühlung samt Schläuchen für Zuund Ablauf besitzen. Außerdem wird ein Wasserbad mit einer Temperatur von 100 °C zum Aufkochen und ein Wasserbad mit einer Temperatur von rund 65°C zum Aufbewahren des Hydrocolloids benötigt. Um das Hydrocolloid im Löffel schließlich auf Gebrauchstemperatur abzukühlen, ist zudem ein Wasserbad mit einer Temperatur von rund 45°C erforderlich. Abformungen aus Hydrocolloid sind nicht sehr formstabil. Um mangelnde Präzision zu vermeiden, sollten sie direkt nach der Entnahme aus dem Mund, gesäubert und ausgegossen werden. 

Hydroxylapatit

Hydroxylapatit ist neben Phospor, Calcium, Fluor, Sauerstoff, Wasserstoff und Chlor der Hauptbestandteil von Knochen und Zähnen. Chemisch betrachtet ist Hydroxylapatit ein hydroxyliertes Calciumphosphatsalz, das sich durch sehr große Härte auszeichnet – Zahnschmelz ist das härteste Material im Körper. Löslich ist diese anorganische Substanz nur in stark saurem Milieu. 


Einsatz von Hydroxylapatit in der Zahnmedizin

Um empfindliche Zähne zu desensibilisieren kann der Behandler zur Benutzung von Hydroxylapatithaltigen Zahnpasten raten. Auch ist die Anwendung etwa von fluoridhaltigen Zahnpasten oder auch höher dosierten FluoridProdukten empfehlenswert. Denn Fluorid stabilisiert die Apatit-Struktur, wenn es aufgenommen wird.

Hypersensibilität

Von Hypersensibilität oder Überempfindlichkeit ist in der Zahnmedizin die Rede, wenn die Zähne auf alltägliche Reize, wie süße, saure, kalte oder warme Speisen oder auf Berührung, mit Schmerzen reagieren. Zudem muss eine andere Ursache wie eine Erkrankung oder ein Defekt am Zahn ausgeschlossen sein. Die Schmerzskala kann bei hypersensiblen Zähnen von leicht ziehend bis hin zu stark stechend reichen. 


 Wie und wo entsteht Hypersensibilität?

Am häufigsten lässt sich Hypersensibilität bei abgenutzen Zahnflächen oder freiliegenden Zahnhälsen beobachten. In der Regel schützt der Zahnschmelz als härtestes Material im Körper den Zahn vor Reizungen. Bei freiligenden Zahnhälsen ist zum einen das Zahnfleisch zurückgegangen – etwa aufgrund parodontaler Erkrankungen oder altersbedingt – und fehlt als Schutz. Zum anderen ist der schützende Zahnschmelz am Zahnhals normalerweise dünner. In manchen Fällen kann sogar das Dentin freiliegen. Aktuell geht man davon aus, dass Dentintubuli (winzige Hohlräume, die das Dentin durchziehen) an der Oberfläche freier Zahnhälse dafür verantwortlich sind, dass bestimmte Reize Schmerzen auslösen. Denn in den Dentintubuli befinden sich jeweils ein Odontoblastenfortsatz und der mit Flüssigkeit gefüllte periodontoblastische Raum. Diese Flüssigkeit kann externe Reize an die Pulpa  weiterleiten. Diese Irritation kann eine Schmerzsensation auslösen. Die Verwendung spezieller Zahncremes für empfindliche Zähne oder die Behandlung mit Gels beziehungsweise Lacken (Desensitizer ) kann die Sensibilität lindern, indem sie den Zahn oberflächlich versiegelt. 

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Intraligamentäre Anästhesie

Die sogenannte intraligamentäre Anästhesie, kurz ILA, kann bei vielen Eingriffen zum Einsatz kommen, bei denen eine Schmerzausschaltung im Ober- und Unterkiefer erforderlich ist. 


Wie funktioniert die intraligamentäre Anästhesie?

Bei der intraligamentären Anästhesie wird das Betäubungsmittel mit einer sehr dünnen, kurzen Injektionsnadel und mit geringem Druck direkt zwischen Knochenfach (Alveole) und Zahn eingespritzt. Die Bezeichnung „Intraligamentäre Anästhesie“ leitet sich davon ab, dass „intraligamentär“ genau diesen Bereich, also die Verbindungsstrukturen zwischen Zahn und Alveolarknochen, bezeichnet. Insofern ist der Ort, an dem die Anästhesie gesetzt wird, hier für die Namensgebung verantwortlich. Man nennt diesen Bereich auch Desmodontalspalt oder Parodontalspalt. Indem das Anästhetikum genau in den Desmondontalspalt appliziert wird, wird der Einzelzahn sofort und komplett betäubt. Für die intraligamentäre Anästhesie gibt es spezielle Spritzen für die manuelle Applikation sowie mittlerweile auch ein elektronisch gesteuertes STA-System (single tooth anesthesia). Wichtig dabei ist, dass das Lokalanästhetikum tropfenweise und langsam abgegeben wird. So wird gewährleistet, dass es sich nicht im Desmodont ansammelt, sondern im Gewebe um den Zahn herum verteilt. 


 Vorteile der intraligamentären Anästhesie

Zu den Vorteilen dieser Form der Lokalanästhesie gehört, dass ihre Wirkung sofort eintritt und dass auch nur wenig Anästhetikum je Zahn verabreicht werden muss. Je nach Technik kann der Schmerz bei der Injektion selbst geringer sein, als bei anderen örtlichen Betäubungsverfahren. Risiken wie die Verletzung von Gefäßen oder Nerven, wie sie etwa bei der Leitungsanästhesie bestehen, entfallen bei der intraligamentären Anästhesie. Außerdem hat der Patient nach der Behandlung keine Einschränkungen beim Kauen oder Sprechen. Ein etwaiger Schmerz, der an der Injektionsstelle auftritt, lässt meist nach kurzer Zeit nach. 

Incisal

Incisal (auch inzisal) ist eine der zahlreichen Lage- und Richtungsbezeichnungen in der Mundhöhle. Der Begriff bezeichnet die Richtung zur Schneidekante der Front- und Eckzähne hin. Diese Richtungsbezeichnungen erleichtern im Praxisalltag die Kommunikation zwischen Zahnarzt und Helferin/ZFA/ZMF. Denn dadurch weiß jeder sofort, von welchem Bereich im Mund des Patienten gerade die Rede ist

Individuelle Löffel

Individuelle Löffel sind Abdrucklöffel, die vom Zahntechniker individuell für einen bestimmten Patienten gefertigt werden. Für die Herstellung eines individuellen Löffels ist ein Gipsmodell des Kiefers des Patienten nötig. Um dieses anfertigen zu können, muss vorher eine Abformung mit einem konfektionierten Löffel erfolgen. Diese dient dann als Basis für das Gipsmodell.

Den individuellen Löffel fertigt der Zahntechniker aus lichthärtendem Polymerisat beziehungsweise Kunststoff an. Dieses biokompatible Material lässt sich einfach verarbeiten, passt sich während der Herstellung gut an das Gipsmodell an und ist ausgehärtet fest genug, um der Zugkraft bei der Abformung standzuhalten.

Individuelle Löffel sind erforderlich bei Präzisionsabformungen, Implantatabformungen und Sammelabformungen. Auch wenn Patienten stark geneigte Zähne haben, kommen individuelle Löffel zum Einsatz um den Unterschnitt auszugleichen. 

Infiltrationsanästhesie

Die Infiltrationsanästhesie ist neben der Leitungsanästhesie eine Form der Lokalanästhesie. Das heißt es wird in einem örtlich begrenzten Bereich das Schmerzempfinden ausgeschaltet.


Wirkweise der Infiltrationsanästhesie

Im Oberkiefer ist die Verwendung der Infiltrationsanästhesie bei Betäubungen Standard. Dabei wird das Lokalanästhetikum mit einer Injektionskanüle direkt in das Gewebe im Operationsbeziehungsweise Behandlungsbereich injiziert – in der Regel also in die Schleimhaut um die Wurzelspitzen des zu behandelnden Zahnes. Wichtig dabei ist,dass jede Zahnwurzel mittels Infiltrationsanästhesie betäubt wird. Durch die sogenannte Diffusion verteilt sich das Anästhetikum im Gewebe. Es durchdringt die Knochenhaut und Kieferknochen und erreicht schließlich die relevanten Nervenenden und -bahnen. Auf diese Weise werden die Nervenenden blockiert und somit das Schmerzempfinden beim betroffenen Zahn sowie den beiden Nachbarzähnen ausgeschaltet. Häufig enthalten Lokalanästhetika, die bei der Infiltratiosnanästhesie verwendet werden, Vasokonstriktoren wie Adrenalin. Diese Stoffe verengen die Gefässe und sorgen so dafür, dass das Lokalanästhetikum weniger schnell abgebaut wird und damit länger wirkt.
 

 Infiltrationsanästhesie vs. Leitungsanästhesie

Eine Infiltrationsanästhesie kann nur zum Einsatz kommen, wenn die Spongiosa, das schwammartige Innengewebe des Knochen, durchlässig genug ist. Denn nur so kann das Lokalanästhetikum bis zur Wurzelspitze gelangen. Im Unterkiefer ist die Spongiosa besonders im Seitenzahnbereich sehr kompakt, was das Eindringen des Anästhetikums erschwert. Daher ist hier überwiegend die Leitungsanästhesie das Mittel der Wahl. 

Initialkaries

Als Initialkaries bezeichnet man eine kariöse Läsion im Anfangsstadium. Andere Namen dafür sind „Kreidefleck“, „White Spot“ oder Caries initialis acuta. In diesem frühen Stadium ist nur der Schmelz bestroffen, nicht das Dentin. Daher wird sie auch Schmelzläsion genannt. 


Wie Initialkaries erkennen?

Im Frühstadium einer Karies erkennt man weissliche Verfärbungen, die auf Entkalkung also Demineralisation des Schmelzes zurückzuführen sind. Manchmal verfärben sich diese Flecken auch durch Farbstoffe aus der Nahrung bräunlich.
Weitere Stadien der Karies sind übrigens:
• Caries superficialis: Hier betrifft die kariöse Läsion bereits das Dentin (Zahnbein)
• Caries profunda: Hier hat die Karies durch Schmelz und Dentin hindurch den nervnahen Bereich erreicht, die Pulpa ist aber noch intakt
• Caries penetrans: Die Karies betrifft Schmelz sowie Dentin und hat sich bis zur Pulpa ausgebreitet.
• Caries radicularis: Karies der Zahnwurzel

Um Initialkaries sicher von unterminierender Karies abzugrenzen, kommen Röntgenaufnahmen und insbesondere im Seitenzahnbereich die Bissflügelaufnahmen zum Einsatz. (Unterminierende Karies ist Karies, die sich unsichtbar unter der Schmelzoberfläche im Zahnbein ausbreitet, auch Caries occulta genannt.)


Wie Initialkaries behandeln?

In diesem ganz frühen Stadium ist kein Eingreifen des Zahnarztes erforderlich, denn die Initialkaries ist noch reversibel. Das heißt, sie kann in vielen Fällen völlig ausheilen, wenn Fluorid zur Remineralisation gegeben wird. Auch eine Ernährungsumstellung mit weniger Zucker – der im Mund zu Säuren umgewandelt wird – und generell weniger Säuren (zum Beispiel Säfte, Limonaden) kann hilfreich sein. Ebenfalls sollte auf eine gründliche Mundhygiene geachtet werden. Diese unterstützt nicht nur das Ausheilen der Initialkaries, sondern verhindert im Vorfeld deren Entstehung. 

Instrumentenaufbereitung

Nach einer zahnärztlichen Behandlung müssen alle Instrumentarien, die zum Einsatz kamen, RKIkonform aufbereitet werden – diesen Prozess nennt man Instrumentenaufbereitung. Sie soll sicherstellen, dass bei der nächsten Verwendung für Anwender, Patienten und Dritte keine Gesundheitsgefahr besteht. In der Medizinprodukte-Betreibervordnung ist geregelt, dass die Instrumentenaufbereitung nur von sachkundigen Personen und mit geeigneten validierten Verfahren durchzuführen ist. Eine Zahnarztpraxis muss zudem gewährleisten, dass eine sichere Instrumentenaufbereitung jederzeit reproduzierbar ist. Im Hygieneplan sowie praxisinternen Anweisungen muss das genaue Vorgehen festgelegt sein. 
 

 Schritte und Vorausetzungen der Instrumentenaufbereitung

Die RKI-konforme Instrumentenaufbereitung beinhaltet die folgende Schritte: Reinigung und Desinfektion, Verpackung, Sterilisation, Dokumentation und Freigabe der Instrumente.
Räumliche Voraussetzung für die Umsetzung dieser Schritte ist ein strukturierter Aufbereitungsraum, umgangssprachlich „Steri“ genannt. Er verfügt über eine räumlich und farbig markierte Trennung von unreinem und reinem Bereich. Rot kennzeichnet den unreinen Bereich, Grün den reinen Bereich. Beide Bereiche können über einen Farbverlauf an der Wand oder der Möbelzeile visuell markiert werden. Die einzelnen Geräte sollten entsprechend der Reihenfolge der Schritte im Hygienekreislauf angeordnet sein, sodass keine Vermischung beim Umgang mit reinem und unreinem Instrumentarium stattfinden kann. 

Instrumentendesinfektion

Die Instrumentendesinfektion dient dem Abtöten von Keimen wie beispielsweise Bakterien, Viren und Pilzen. Entsprechend finden hierbei Produkte mit bakteriziden, viruziden und fungiziden Eigenschaften Verwendung. Unterschieden wird bei der Instrumentendesinfektion zwischen der manuellen und der maschinellen Instrumentenaufbereitung.


Manuelle Instrumentenaufbereitung

Beim Verfahren der manuellen Instrumentendesinfektion werden die Instrumente im Anschluss an die Behandlung zunächst grob von Verunreinigungen befreit. Anschließend werden sie in eine mit Instrumentendesinfektionsmittel gefüllte Wanne gelegt. Im nächsten Schritt werden die Instrumente gereinigt, chemisch desinfiziert und zuletzt mit klarem Wasser abgespült. Es ist jedoch auch möglich die Desinfektion zum Beispiel mit einem Ultraschallreinigungsgerät  durchzuführen. Sobald die Instrumente getrocknet und ihre Sauberkeit überprüft worden ist, kann die maschinelle Instrumentenaufbereitung erfolgen.


Maschinelle Instrumentenaufbereitung

Für die maschinelle Aufbereitung von Instrumenten stehen sowohl thermische als auch chemothermische Verfahren zur Verfügung. Dabei kann leichter als bei der manuellen Desinfektion überprüft und sichergestellt werden, dass wichtige Parameter wie etwa Temperatur, Wasserdruck, Dosierung oder Einwirkzeit eingehalten werden. Bei der Verwendung maschineller Desinfektionssysteme wie zum Beispiel Autoklaven oder Thermodesinfektoren (RDG), wird Wasserdampf verwendet, der gegebenenfalls mit Chemikalien angereichert wird.
Nach erfolgter Instrumentendesinfektion können die Instrumente anschließend sterilisiert werden.

Instrumentenpflege

Der Begriff Instrumentenpflege bezeichnet die korrekte Wartung und Instandhaltung, sowie den korrekten Gebrauch von zahnmedizinischen Geräten und Instrumenten wie etwa Winkelstücken, Turbinen oder Scalern. Zusammen mit einer sorgfältigen Instrumentendesinfektion beziehungsweise Instrumentenaufbereitung ist die Instrumentenpflege die Voraussetzung für das langfristige, einwandfreie Funktionieren von medizinischen Instrumenten. Zur Instrumentenpflege gehört zum einen die Einhaltung von Hygienevorschriften und zum anderen die sachgemäße Wartung (zum Beispiel ölen oder schärfen) und Überprüfung der täglich verwendeten Instrumente. In der Regel ist es äußerst empfehlenswert, sich bei der Instrumentenpflege an den Herstellerangaben und Bedienungsanleitungen der jeweiligen Geräte zu orientieren.

Instrumententrays

Bei Instrumententrays handelt es sich um Boxen aus Metall beziehungsweise Edelstahl. Sie sind meist mit speziellen Halterungen versehen. Instrumententrays können für die Lagerung von Instrumenten eingesetzt werden. Bei der Dampfsterilisation werden sie als Behältnisse für die zu sterilisierenden Instrumente verwendet und können mit diesen zusammen im Sterilisationscontainer beziehungsweise Autoklav sterilisiert und aufbewahrt werden.

Interdentalbürsten

Bei einer Interdentalbürste handelt es sich um eine Zahnzwischenraumbürste, mit der im Rahmen der Mundhygiene die Zahnzwischenräume gereinigt werden können. 


Formen von Interdentalbürsten

Interdentalbürsten haben einen Kern aus Draht, Gummi oder Kunststoff, um den herum kleine Borsten angeordnet sind, sodass sie ein bisschen wie Mini-Flaschenbürsten aussehen. Die Borsten selbst können zylindrisch oder konisch – in der Form eines Tannenbaums – angeordnet sein. Je nach Modell haben sie einen integrierten kleinen Griff oder es gibt einen Griff, auf den das eigentliche Bürstchen in verschiedenen Größen aufgesteckt werden kann. Außerdem unterscheiden sie sich im Durchmesser. Je kleiner der Durchmesser, desto dünner der Drahtkern und desto besser sind sie auch für engere Zahnzwischenräume geeignet. Erhältlich sind auch Modelle, die ohne Draht und stattdessen komplett aus Gummi oder Kunststoff gefertigt sind.


Vorteile von Interdentalbürsten

Der Vorteil von Interdentalbürsten gegenüber Zahnseide ist, dass sie die gesamte Fläche des Zahnzwischenraums also auch Unebenheiten, Konkavitäten der Wurzel/des Zahns erreichen. Dies natürlich nur, wenn die Zahnzwischenräume weit genug sind, dass solch eine Bürste hindurchpasst. Bei größeren Lücken sind sie das Mittel der Wahl. 


Wie werden Interdentalbürsten angewendet?

Für die Reinigung wird eine Interdentalbürste gegen den leichten Widerstand in den Zahnzwischenraum eingeführt und dann drei- bis viermal hin- und herbewegt. Der festere Kern gewährleistet dabei eine gewisse Stabilität. Bei der Anwendung ist darauf zu achten, den richtigen Durchmesser zu wählen, damit Zahnfleisch und Zahnsubstanz nicht beschädigt werden, aber gleichzeitig die nötige Reinigungswirkung erzielt wird. Auf keinen Fall sollte die Anwendung schmerzhaft sein. Ist das der Fall, sollte ein dünneres Bürstchen gewählt werden. Je dünner der Kern des Bürstchens ist, desto schneller verbiegt es sich und wird dadurch unbrauchbar. Wenn das Zahnfleisch anfängt zu bluten, ist das kein Grund mit der Reinigung aufzuhören. Im Gegenteil, dann liegt eine Entzündung vor, die häufig durch die nicht entfernte Plaque im Zahnzwischenraum entstanden ist und begünstigt wird.

Bevor die Interdentalbürste in den nächsten Zahnzwischenraum eingeführt wird, sollte sie mit Wasser abgespült werden. Das minimiert das Risiko, Bakterien von einem Zahnzwischenraum zum anderen zu übertragen. Besteht eine Vorerkrankung wie Parodontose, ist das Benetzen mit einem desinfizierenden Mittel wie Chlorhexidin angezeigt. Interdentalbürsten zusammen mit Zahncreme mit hoher abrasiver Wirkung, sogenannten Whitening Zahnpasten zu benutzen, ist nicht ratsam. Dies könnte bei häufiger Anwendung den Zahnhals im interdentalen Raum schädigen.

Im Frontzahnbereich sollte eine Interdentalbürste vorsichtig verwendet werden. Sonst kann auf Dauer die Zahnfleischpapille Schaden nehmen und verschwinden, was die Rot-Weiß-Ästhetik stört. 


​Wann ist die Nutzung von Interdentalbürsten angezeigt?

Im Rahmen einer gründlichen Mundhygiene sollten auch die Zahnzwischenräume täglich gereinigt werden. Sofern diese weit genug sind, sind dafür Interdentalbürsten wegen ihrer besseren Reinigungswirkung Zahnseide vorzuziehen. Besonders wenn eine Parodontitiserkrankung vorliegt, ist die tägliche Entfernung der Plaque in den Interdentalräumen unabdingbar. Mit Interdentalbürsten lassen sich außerdem Zahnspangen und Implantate reinigen. 

Interdental

Interdental ist eine der zahlreichen Lage- und Richtungsbezeichnungen in der Mundhöhle. Der Begriff bezeichnet die Zahnzwischenräume beziehungsweise den Bereich zwischen den Zähnen. Diese Richtungsbezeichnungen erleichtern im Praxisalltag die Kommunikation zwischen Zahnarzt und Helferin/ZFA/ZMF. Denn dadurch weiß jeder sofort, von welchem Bereich im Mund des Patienten gerade die Rede ist.

J

Jodoform

Jodoform, auch Iodoform (englische Schreibung), ist eine chemische Substanz, die in der Zahnmedizin als Standardmittel für die Wunddesinfektion zum Einsatz kommt. Sie setzt sich aus drei Jodatomen mit substituiertem Methan zusammen. In wässrigen Lösungen – wie es im feuchten Milieu der Mundhöhle der Fall ist – gibt es in geringen Mengen Jod ab, das antiseptisch wirkt. Ferner trägt es dazu bei, Schmerzen zu mindern. Als Wundeinlage wird es mittels in Jodoform getränkter Gazestreifen eingebracht. Es wird auch als Füllpaste bei Milchzahnwurzelfüllungen verwendet. 

K

Kältespray

Kältespray ist eines der Mittel, mit denen der Behandler die sogenannte Vitalitätsprüfung durchführen kann. Die Vitalitätsprüfung wird auch Vitalitätsprobe oder Sensibilitätsprüfung genannt. Ziel ist es, festzustellen, ob die Zahnwurzel noch intakt und lebendig, entzündet oder durch ein mögliches Zahntrauma beschädigt oder abgestorben ist.

Um die Vitalitätsprüfung mittels Kältespray durchzuführen, wird es auf ein Wattepellet appliziert und dieses dann an den zu überprüfenden Zahn gehalten. In der Zahnhartsubstanz (sowohl im Schmelz als auch im Dentin) ist Wasser eingelagert, das den Kältereiz schnell ins Innere zur Pulpa  weiterleitet. Ist der Zahn vital, spürt der Patient den Kältereiz als ziehenden Schmerz. Bei einem toten (devitalen) Zahn würde es zu keinem Schmerzempfinden kommen, das bezeichnet man als Hyposensibilität. Tritt bei dieser Art der Vitalitätsprüfung ein übermäßig starker Schmerz auf, spricht man von Hypersensibilität. Diese deutet darauf hin, dass die Zahnpulpa erkrankt oder geschädigt ist und zum Beispiel eine Pulpitis vorliegt.

Erhältlich sind Kältesprays von unterschiedlichen Anbietern in diversen Geschmacksrichtungen.

Kapselmischer

Kapselmischer kommen dann zum Einsatz, wenn man Materialgemische aus Komponenten herstellen will, die in getrennten Kapseln vorabgefüllt wurden. Kapselmischer werden also immer dann verwendet, wenn in Kapseln abgefüllte dentalmedizinische Füllungsmaterialien für eine Behandlung miteinander verbunden werden müssen. 


Mischfrequenz von Kapselmischern

Die Mischfrequenz beträgt in der Regel 5.000 Schwingungen pro Minute. Dadurch wird ein korrektes, einheitliches Mischverhältnis erreicht, wodurch sich die gemischten Materialien optimal weiterverarbeiten lassen. Die Geräte verfügen zusätzlich über einen eingebauten Timer, über den die „Kapselrüttelzeit“ reguliert werden kann. Der hierbei eingestellte Zeitraum beträgt für gewöhnlich 10 bis 30 Sekunden und kann in der Regel innerhalb einer bestimmten Zeitspanne frei gewählt werden. Manchmal können auch individuelle Mischzeiten in die Geräte einprogrammiert werden.
 

Typen von Kapselmischern

Neben produkt- und kapselspezifischen Kapselmischern, die nicht für alle Kapseltypen einsetzbar sind, gibt es auch universal einsetzbare Geräte, die für eine große Bandbreite verschiedener Kapselprodukte geeignet sind.

Kariesdiagnostik

Kariesdiagnostik ist der zahnmedizinische Fachbegriff für die Feststellung einer Karieserkrankung an einem Zahn oder an mehreren Zähnen. Ziel ist die frühzeitige Erkennung von kariösen Läsionen. Um zu erkennen, ob ein Zahn von Kariesbefall betroffen ist, stehen Zahnärzten verschiedene, miteinander kombinierbare, Diagnostikmethoden offen.


Kariesdiagnostik mit Röntgenaufnahme

Seit Langem etabliert ist die Kariesdiagnostik mittels Röntgenaufnahme. Sie ist für viele Anwendungsbereiche ein essenzielles Hilfsmittel für das Diagnostizieren von Karieserkrankungen. Insbesondere gilt dies für Zahnwurzeln, Zahnzwischenräume und Zähne, die unterhalb des Zahnfleischs liegen, wie etwa Weisheitszähne oder die nachkommenden, bleibenden Zähne im Wechselgebiss. Eine der am weitesten verbreiteten Methoden innerhalb der Kariesdiagnostik ist die Bissflügel-Röntgenaufnahme. Hierdurch werden – bei geringer Strahlungsbelastung – sowohl die Kronen als auch Teile der Zahnwurzeln der Ober- und Unterkieferzähne sichtbar gemacht. Mit einem Zahnfilm ist es hingegen möglich, noch detailliertere Aufnahmen von einzelnen Zähnen und ihren Nachbarzähnen anzufertigen. Aufgrund seiner geringen Größe kann der Zahnfilm in direkter Nähe zu dem zu röntgenden Zahn gebracht werden.


Kariesdiagnostik mit Laserfluoreszenz

Zu den moderneren Verfahren der Kariesdiagnostik gehört die sogenannte Laserfluoreszenz. Diese Methode macht es sich zunutze, dass erkrankte und gesunde Zahnhartsubstanz jeweils eine unterschiedliche Fluoreszenz besitzen. Da Karies die Mineralisationsdichte der Zahnhartsubstanz verändert und der befallene Bereich nach Bestrahlung durch Licht fluoresziert, kann diese Veränderung durch Laserfluoreszenz-Diagnostik gemessen werden. Laserlicht (mit einer Wellenlänge von 650 Nanometern) wird dabei über ein Handstück an die zu untersuchende Stelle gebracht und die Fluoreszenz-Emission gemessen und akustisch dargestellt. Diese Methode besitzt mehrere Vorteile.


Vorteile der Diagnostik mit Laserfluoreszenz

  • Der Patient wird keiner Strahlenbelastung ausgesetzt.
  • Die Zahnhartsubstanz wird nicht beschädigt, die Gefahr des Schmelzeinbruchs wird minimiert.
  • Selbst feinste Läsionen werden angezeigt.
  • Es ist möglich, die verschiedenen Stadien der Karies mit hoher Genauigkeit zu erkennen und zu dokumentieren.

Nachteile der Diagnostik mit Laserfluoreszenz

Das beschriebene Verfahren ermöglicht Messungen bis zu 1 Millimeter Zahntiefe. Tiefere kariöse Läsionen können folglich nicht auf diese Weise gemessen werden, wodurch auch die genaue Ausbreitung der Karies in der Tiefe mit dieser Methode nicht nachvollzogen werden kann.


Kariesdiagnostik mit Licht

Eine weitere Methode zur Feststellung von Kariesbefall stellt die Durchleuchtung des zu untersuchenden Zahnes mit einer starken Lichtquelle dar. Hierbei kommt ein gebündelter Lichtstrahl zum Einsatz. Sinnvoll ist dieses Verfahren vor allem für die Untersuchung der approximalen Flächen der Zähne.

Karies profunda

Bei Karies profunda oder auch Caries profunda handelt es sich um eine Form der Dentinkaries, genauer gesagt, um einen tiefgehenden Kariesbefall, wobei die kariöse Läsion bis hinein in das pulpanahe Drittel des Dentins reicht. Ihm gehen die Initialkaries, die Schmelzkaries und die Dentinkaries voraus. Der kariöse Defekt führt bei der Caries profunda zu einem erweichten Dentin und einer starken Destabilisierung der Schmelz-Dentin-Matrix. Zudem sind in diesem Stadium große Teile des Zahnes betroffen.


Verlauf der Karies profunda

Wie schnell sich die Karies profunda entwickelt beziehungsweise der Krankheitsverlauf voranschreitet, ist von verschiedenen Faktoren abhängig. Erfolgt keine Therapie der kariösen Läsion, wird der Zahn im weiteren Verlauf der Erkrankung soweit zerstört, dass es zu einer bakteriellen Schädigung und letztlich einer Entzündung der Pulpa kommt, die auch als Pulpitis bezeichnet wird.


Therapie der Karies profunda

Die Behandlung einer Karies profunda, beginnt mit der Kariesexkavation. Im Anschluss erfolgt die Abdeckung des pulpanahen Dentinanteiles mit einem Medikament (zum Beispiel Kalziumhydroxid). Zuletzt wird der Zahn mithilfe einer randdichten Zahnfüllung restauriert.
Bei einer weit fortgeschrittenen Karies profunda ist eine solche Therapie jedoch nicht mehr möglich. Wenn bereits die Pulpa vom bakteriellen Befall betroffen ist und die Karies zur Eröffnung der Pulpahöhle geführt hat, spricht man von „Caries profunda complicata“. Diese ist für den Patienten oft mit extrem starken Schmerzen verbunden. Erfolgt weiterhin keine Behandlung, kann es zum Verlust des Zahns kommen.

Kauapparat

Als Kauapparat oder auch Kauorgan wird die Gesamtheit der anatomischen Strukturen bezeichnet, die für das Kauen verantwortlich sind. Er ist eingebettet in die Funktionssysteme des Kopf-HalsSchulter-Bereichs.
Zum Kauapparat gehören:
• Zähne,
• Ober- und Unterkiefer
• Kiefergelenke
• Kaumuskulatur

und im weiteren Sinne auch die Mundhöhle inklusive:
• Wangen
• Lippen
• Gaumen
• Mundboden
• Zunge

Zudem sind auch die im Kiefergelenk gelegenen Bänder von großer Bedeutung für den Kauapparat.


Aufgabe des Kauapparates

Zu den wichtigsten Aufgaben des Kauapparates gehören das Zerkleinern von fester Nahrung und die Durchmischung der zerkleinerten Nahrung mit Speichel. Dadurch entsteht ein Speisebrei, der heruntergeschluckt werden kann und über die Speiseröhre in den Gastrointestinaltrakt, speziell den Magen, gelangt. Durch die im Speichel enthaltenen Enzyme und andere Substanzen und durch die Zerkleinerung der Nahrung findet bereits in der Mundhöhle eine Vorverdauung statt. Der Kauapparat spielt dadurch also auch für den Verdauungsprozess eine wesentliche Rolle. 


Funktionen der Zähne bei der Nahrungszerkleinerung

Die Zerkleinerung der Nahrung durch das Gebiss wird durch verschieden geformte Zähne ermöglicht. Jeder Zahn / jede Zahngruppe übernimmt dabei unterschiedliche Aufgaben im Kauprozess. Die Schneidezähne übernehmen in erster Linie das Abtrennen und Abreißen der Nahrung. Die Seitenzähne besitzen hingegen okklusale Flächen mit höckerförmigen Strukturen, durch die sie eine Mahlfunktion erfüllen können.


Rolle der Kaumuskulatur

Damit die Zähne die Nahrung abreißen und mahlen können, ist ein gewisser Kraftaufwand von Nöten. Hierzu dient die Kaumuskulatur, die durch die Kontraktion ihrer einzelnen Muskelgruppen eine Kraft von bis zu 700 Newton pro Quadratzentimeter aufbringen kann. Umgerechnet entspricht dies circa 70 Kilogramm pro Quadratzentimeter. Diese Leistung macht die Kaumuskulatur und insbesondere den am Jochbogen entspringenden Musculus masseter, welcher etwa die Hälfte der Kauleistung erbringt, zum stärksten Muskel im menschlichen Körper.
Für die präzise Steuerung der Muskulatur sind die Kiefergelenke und die Bänder verantwortlich. Sie koordinieren die Kraftweiterleitung und damit das gezielte Zubeißen.

Kavität

Die Kavität ist ein Fachbegriff für einen Hohlraum beziehungsweise eine Höhlenbildung. Dies meint im dentalmedizinischen Zusammenhang eine durch Zahn-Karies entstandene Zahnhöhle, oder einfacher ausgedrückt ein „Loch“ im Zahn. Jedoch wird nicht nur das durch Kariesbefall hervorgerufene Loch, sondern auch der Hohlraum, der beim Entfernen der Karies durch den Zahnarzt entsteht, als „Kavität“ bezeichnet.


Kavitätenpräparation

Die Behandlung eines durch Karies geschädigten Zahns wird auch als Kavitätenpräparation bezeichnet. Dabei wird zunächst die kariöse Zahnhartsubstanz mechanisch aus dem Zahn entfernt (Präparation). Der so entstandene Hohlraum, also die Kavität, muss dann im nächsten Schritt für die Aufnahme einer Zahnfüllung vorbereitet werden. Die Füllung soll dabei die Widerstandsfähigkeit des Zahns erhöhen und die Wahrscheinlichkeit verringern, dass erneut Karies an der betroffenen Stelle auftritt. Zugleich soll dadurch die ursprüngliche Form des Zahns wiederhergestellt werden.


Kavitätenindex

Beim sogenannten Kavitätenindex handelt es sich um einen statistischen Messwert, der die Beurteilung der Kariesaktivität an einem Zahn oder mehreren Zähnen ermöglicht. Der Kavitätenindex wird danach berechnet, wie viele kariöse Kavitäten bezogen auf die Gesamtzahl der zu untersuchenden Zähne innerhalb eines bestimmten Zeitraums neu hinzugekommen sind.


Kavitätenklassen

Nach der Entfernung der kariösen Läsion wird die entstandene Kavität in eine der folgenden fünf typischen Lage- und Formklassen eingeteilt, was vor allem in der Füllungstherapie von praktischer Bedeutung ist, da anhand der Kavitätenklassen die passende Füllung bestimmt werden kann.

1. Klasse 1 Fissuren- und Foramen-caecum-Kavitäten
2. Klasse 2 Approximale Kavitäten an Prämolaren und Molaren
3. Klasse 3 Approximale Frontzahnkavitäten
4. Klasse 4 Approximale Frontzahnkavitäten mit Verlust der Schneidekantenecke
5. Klasse 5 Zahnhalskavitäten


Risiken einer Kavitätenpräparation

Nach der Behandlung kann es zu minimalen Lücken beziehungsweise Spalträumen zwischen der Zahnhartsubstanz und der Zahnfüllung kommen. In diesen Zwischenräumen können sich Bakterien sehr gut vermehren, wodurch im schlimmsten Fall eine Randkaries oder auch Sekundärkaries entstehen kann.

Keramikofen

Keramiköfen kommen vor allem im Bereich der Zahntechnik zum Einsatz. Ein Zahntechniker kann mit diesem Hilfsmittel einen hochqualitativen Verbund zwischen Keramik und Gerüst herstellen, der zugleich auch hohen ästhetischen Ansprüchen genügt. Von besonderer Bedeutung sind Keramiköfen für die Herstellung von Brücken, Kronen mit keramischer Verblendung oder auch bei monolithisch produziertem – also aus einem Stück bestehenden – Zahnersatz ohne Verblendung. Zudem lassen sich auch gepresste keramische Versorgungen mit solchen Öfen anfertigen. 


Funktionsweise von Keramiköfen

In verschiedenen sogenannten „Bränden“, also Brennvorgängen, wird die Keramik auf das jeweilige Gerüst gebrannt. Das Gerüst besteht dabei zumeist aus einer Legierung von Nichtedelmetallen (NEM), zum Beispiel aus Kobalt, Chrom und Molybdän oder aus einer Edelmetalllegierung (EM).

Die beim Brennvorgang erreichte Temperatur beträgt bis zu 1.300° Celsius. Moderne Keramiköfen passen sich jedoch dank entsprechender Software automatisch an das jeweilige Material und die Schichtstärke an. Um das Brennen unter Vakuumbedingungen zu ermöglichen, besitzen viele Keramiköfen darüber hinaus einen integrierten Kompressor.

Nach Beendigung des eigentlichen Brennvorgangs öffnet sich der Ofen nicht sofort komplett, sondern nur nach und nach. Das dient dazu ein langsames Abkühlen des zahntechnischen Stücks zu garantieren, um thermische Spannungen innerhalb des Verbundes und Beschädigungen an den keramischen Restaurationen zu vermeiden.

Keramische Schleifkörper

Keramische Schleifkörper, auch „Steinchen“ genannt, gehören zu den rotierenden Instrumentarien. Mit ihnen lassen sich Zähne, Composite oder keramische Materialien, aber auch Metalllegierungen bearbeiten. Im Vergleich zu anderen Instrumenten wie etwa Hartmetallbohrern, ermöglichen sie eine substanzschonendere Arbeitsweise, sind sehr vielseitig und vergleichsweise kostengünstig. Deswegen haben sie sich in vielen zahnärztlichen Praxen etabliert.

Durch verschiedene Körnungen wird eine abrasive Gestaltung und / oder eine glättende Vorbereitung ermöglicht. Keramische Schleifkörper sind in verschiedenen Ausführungen auf dem Markt. Hierzu zählen auch keramikgebundene Schleifkörper, die an einem rotierenden, metallischen Kern befestigt sind.


Arten von keramischen Schleifkörpern

Zu den wichtigsten Arten von keramischen Schleifkörpern gehören keramische Schleifer aus Siliziumkarbid und Arkansas-Schleifer aus Aluminiumoxid.


Keramische Schleifer aus Siliziumkarbid

Diese Instrumente sind auch als „Green fine stones“ bekannt und werden für die Bearbeitung von Edelmetallen und speziell zum Einschleifen von keramischen Werkstoffen eingesetzt.

 
Arkansas-Schleifer aus Aluminiumoxid

Dieser Typ wird vor allem zum Einschleifen und Formen von Zahnfüllungen, insbesondere Composite, verwendet. Arkansas-Schleifer sind relativ preiswert und dank ihrer weißen Farbe übertragen sie bei der Bearbeitung von Füllungen keine Verschmutzungen. Zudem sind sie relativ einfach formbar und daher vielseitig anwendbar.

Knochenaufbau

Der Knochenaufbau oder auch Augmentation beziehungsweise Knochenaugmentation gehört in den Bereich der Implantologie. Dabei findet eine Transplantation von Knochenmaterial statt. Diese Methode wird immer dann eingesetzt, wenn die im Kiefer vorhandene Knochensubstanz nicht genügt, um ein Zahnimplantat fest genug zu verankern. Grund für die ungenügende Knochensubstanz ist für gewöhnlich ein Knochenabbau durch fehlende Zähne oder Zahnerkrankungen. Falls keine Behandlung erfolgt, kann dieser Knochenabbau weiter voranschreiten.

Der Aufbau der Knochensubstanz erfolgt im Rahmen einer sogenannten Pre-Operation. Dadurch schafft der Behandler bessere Voraussetzungen für das spätere Einbringen und Einheilen des Implantats. Wichtig ist es, den Patienten im Vorfeld der Behandlung genau über seine Therapiemöglichkeiten aufzuklären und darüber, welche Materialien für den Aufbau der Knochensubstanz zur Auswahl stehen.


Herkunft des Knochenmaterials

Das Knochenmaterial, mit dem der Kieferknochen des Patienten wiederaufgebaut wird, kann aus verschiedenen Quellen stammen.


Knochensubstanz des Patienten

Häufig wird körpereigene Knochensubstanz (autogenes Material) des Patienten für den Knochenaufbau verwendet. Denkbar ist hierfür etwa eine Entnahme aus dem Kieferbereich, wie zum Beispiel dem Kinn, dem Oberkiefertuber oder der Wangenleiste. Aber auch weiter entfernte Körperbereiche, wie zum Beispiel die Rippen, der Beckenkamm oder die Schädelkalotte kommen als Quelle für das Knochenmaterial infrage. Eigenes Knochenmaterial wird für gewöhnlich vom Körper gut angenommen.


Fremde Knochensubstanz

Ebenfalls möglich ist die Verwendung von aufbereiteten menschlichen Fremdknochen (allogenes Material). Hier muss zunächst für den Patienten passendes Material ausgewählt werden. Ein Vorteil dieser Methode ist, dass sie das Knochenwachstums anregt. Sie birgt allerdings auch Risiken wie zum Beispiel eine Immunreaktion oder dass Krankheiten übertragen werden. Besser verträglich, wenn auch nur selten verfügbar, ist das Material eines genetisch identischen Zwillings (isogenes Material).
 

Tierisches oder pflanzliches Material

Knochensubstanz auf Basis von tierischem oder pflanzlichem Gewebe (xenogenes Material) wird häufig eingesetzt, da dafür keine komplizierte Operation erforderlich ist. Zudem ist es sehr gut erforscht und im Einsatz verlässlich.


Künstliche Knochensubstanz

Überdies ist es auch möglich, künstliches Knochenmaterial (Alloplastisches Material) zu verwenden. Dafür sind zum Beispiel Materialien wie Hydroxylapatit, Kunstknochen oder Tricalciumphosphat geeignet. Künstliche Knochensubstanz regt den umliegenden Knochen nicht zum Wachstum an. Es dient jedoch als Gerüst, welches von Knochenzellen „unterwandert“ werden kann.

Erst wenn das verwendete Knochenaugment komplett im Kiefer eingeheilt ist, kann die eigentliche Implantat-OP erfolgen

Kofferdam

Der bereits seit 1864 in der Zahnmedizin eingesetzte Kofferdam ermöglicht es, auf einfache Weise einzelne Zähne oder Zahngruppen – durch die Unterbindung des Speichelzuflusses – vollständig trockenzulegen und aseptisch zu behandeln. Zudem dient der Kofferdam als Schutz vor Spülungen beziehungsweise säurehaltigen und anderweitig schädlichen chemischen Substanzen, da er den zu behandelnden Zahn zuverlässig vom restlichen Mundraum abschirmt. Durch die Isolation des Arbeits- beziehungsweise Behandlungsfeldes wird auch das Risiko einer Aspiration von Instrumentarien und Materialien (wie beispielsweise endodontische Instrumente, Bohrer, Wurzelkanalstifte, Wurzelkappen oder Provisorien) deutlich verringert


Einsatzgebiete

Der Kofferdam wird etwa in der Endodontie bei Wurzelkanalbehandlungen, aber auch bei der Füllungstherapie oder Keramik-Einlagefüllungen, sowie bei der Amalgam-Entfernung eingesetzt. Auch bei bestehenden Infektionsrisiken im Rahmen einer konservierenden Behandlung ist er das Mittel der Wahl. Im Falle von obstruktiven Lungenerkrankungen (wie beispielsweise Asthma) oder von Epilepsie sollte aber von einer Verwendung abgesehen werden. 


Aufbau des Kofferdams

Ein Kofferdamsystem setzt sich aus verschiedenen Komponenten, namentlich den Kofferdamklammern, dem Kofferdamgummi, Kofferdamhalter/-rahmen, sowie der Kofferdamlochzange zusammen.


Kofferdamklammern

Kofferdamklammern fixieren den Kofferdam an den betreffenden Zähnen. Es gibt sie in verschiedenen Formen, wodurch eine anatoforme Anpassung an den jeweiligen Zahn möglich ist. Die Kofferdamklammer sollte einen 4-Punkt-Kontakt am Zahn herstellen und unterhalb des Zahnäquators sitzen, ohne dabei die marginale Gingiva zu traumatisieren.


Kofferdamgummi

Den Kofferdamgummi gibt es in unterschiedlichen Größen, Stärken, Farben und Geschmacksrichtungen. Für Patienten mit Latexallergie sind latexfreie Alternativprodukte erhältlich.


Kofferdamhalter / Kofferdamrahmen

Der Kofferdamhalter oder auch Kofferdamrahmen besteht entweder aus Metall oder Kunststoff. Er dient dazu, den Kofferdamgummi aufzuspannen, um so ein freies und gut einsehbares Behandlungsfeld zu schaffen.


Kofferdamlochzange

Mit der Kofferdamlochzange wird ein Loch für den zu behandelnden Zahn und gegebenenfalls für dessen Nachbarzähne in den Kofferdamgummi gestanzt. Es ist wichtig, dass das Loch nicht zu groß ausfällt, da der Gummi sonst nicht dicht genug am Zahnhals anliegt.

Konditionierung

Konditionierung meint im zahnmedizinischen Kontext die Vorbereitung der Zahnhartsubstanz zum Beispiel für die Einlage von Füllungsmaterialien oder zahntechnisch hergestelltem Zahnersatz. Man unterscheidet verschiedene Arten der Konditionierung.


Schmelzkonditionierung

Mit der sogenannten Schmelzkonditionierung ist die Vorbereitung der Schmelzoberfläche gemeint. Vor allem bei der Fissurenversiegelung im Molarenbereich wird der Schmelz oberflächlich konditioniert, um danach den Fissurenversiegler aufzubringen. Durch die Vorbereitung des Schmelzes kann so ein Verbund zwischen Schmelz und Fissurenversiegelung erzeugt werden. Bei Bedarf kann auch das Dentin konditioniert werden. 


Antimikrobielle Konditionierung

Als antimikrobielle Konditionierung wird das Aufbringen eines Schutzlackes auf die Zähne bezeichnet. Dieser Schutzlack enthält Chlorhexidin, welches antibakteriell wirkt und somit kariesauslösende Bakterien abtötet. Hierdurch lässt sich der Zahn für einige Monate vor Kariesbefall schützen.
 

Konditionierung vor dem Bonding

Ein Bonding dient als Haftvermittler zwischen Zahn und Einlagematerial. In der Füllungstherapie wird vor dem Einbringen des Bondings die Zahnhartsubstanz erst mittels Ätzmittel und Primer konditioniert. Dann wird das Bonding eingebracht, um das Füllungsmaterial (Komposit) und die präparierte Kavität im Zahn (Schmelz und/oder Dentin) zu verbinden. Zu diesem Zweck wird es lichtgehärtet. Genau genommen besteht die Verbindung hier zwischen Primer-, Bonder- und Füllungsmaterial.


Konditionierung vor dem Zementieren

Mit dem Zementieren ist das Einsetzen von angefertigtem Zahnersatz beispielsweise Kronen oder Provisorien zur provisorischen oder definitiven Versorgung eines Zahnes/mehrerer Zähne (bei Brückenkonstruktionen) gemeint. Je nach Anwendung wird daher zwischen temporären und definitiven Zementen unterschieden. Nach entsprechender Konditionierung werden beispielsweise weiße Zirkonkronen, Keramikfüllungen aus Lithiumdisilikat-Keramik oder Feldspat-Keramik auf dem vorbehandelten natürlichen Zahn festzementiert. Bei den Zementen unterscheidet man übrigens Befestigungszemente, Füllungszemente und Unterfüllungszemente. Für das Zementieren selbst können neben zementbasierten Substanzen auch selbstadhäsive universale Composite verwendet werden. Auch dann wird der Vorgang als „Zementieren“ bezeichnet.

Kürettage

Als Standardtherapie bei der Parodontalbehandlung wird die Kürettage (von „Kürettieren“ = ausschaben) durchgeführt. Sie erfolgt mit einem speziell geformten löffelartigen Instrument oder mit Ultraschall. Die Kürettage dient dem Erhalt des Zahnhalteapparats und dadurch letztlich auch dem Zahnerhalt.


Durchführung einer Kürettage

Die Kürettage ist ein kleiner chirurgischer Eingriff, bei dem die Zahnfleischtasche mit verschiedenen Parodontalinstrumenten wie etwa der Kürette und mit Ultraschall gesäubert wird. Man unterscheidet zwischen einer geschlossenen und einer offenen Kürettage.


Geschlossene Kürettage

Ist die Parodontitis noch nicht weit fortgeschritten, kann eine geschlossene Kürettage durchgeführt werden. Die Säuberung des Zahns von Zahnstein, erkranktem Gewebe und Bakterienbelägen beziehungsweise Plaque, erfolgt sowohl oberhalb (supragingival) als auch unterhalb des Zahnfleischrandes (subgingival). Im letzteren Fall werden diese Verunreinigungen auch als „subgingivale Konkremente“ bezeichnet. Auch die in der Tasche liegende Zahnoberfläche wird im Rahmen der Behandlung geglättet und von Bakterien und Geweberesten befreit. Bei Bedarf werden Ultraschallinstrumente benutzt, die in ihrer Form dem Zahnfach angepasst sind.


Offene Kürettage

Sind die Zahnfleischtaschen bei einer Parodontitis bereits tiefer als fünf bis sechs Millimeter, ist eine geschlossene Kürettage nicht mehr ausreichend. In diesen Fällen muss die Methode der offenen Kürettage (auch Lappenoperation genannt) unter örtlicher Betäubung angewendet werden. Hierbei wird das Zahnfleisch an der zu behandelnden Stelle etwas abgelöst, um direkte Sicht auf die betroffene Zahnoberfläche zu ermöglichen. Die nun freiliegenden Bereiche werden gereinigt und von erkranktem Gewebe befreit. Nach erfolgter Reinigung wird das Zahnfleisch wieder an den Zahn angelegt, vernäht und damit geschlossen.

Kugelstopfer

Der Kugelstopfer ist ein zahnärztliches Instrument mit Rundspitzen an den beiden Enden und zählt zu den Standardinstrumentarien. An jedem der beiden Enden des Kugelstopfers befindet sich eine Kugel, wobei beide Kugeln einen unterschiedlichen Durchmesser haben. Die geriffelte Griffoberfläche des Kugelstopfers ermöglicht es, diesen leicht und sicher zu handhaben.


Verwendung des Kugelstopfers

Verwendet wird dieses Handinstrument vor allem, um Füllungsmaterialien einzudrücken und zu verdichten. Mithilfe der am Griffende befindlichen Kugeln lässt sich das jeweils eingesetzte Füllungsmaterial – zum Beispiel Amalgam, Kunststoff oder Zement – schichtweise, fest und dicht in die Kavität einarbeiten. Da er in der Regel aus hochwertigem rostfreiem Edelstahl hergestellt ist, kann der Kugelstopfer nach der Anwendung einfach desinfiziert werden. 

L

Labial

Die Bezeichnung labial gehört zu den in der Zahnmedizin gängigen Lage- und Richtungsangaben in der Mundhöhle. Diese Begriffe helfen bei der schnellen und eindeutigen Kommunikation des Behandlers mit der Assistenz sowie bei der Dokumentation. Labial (von lat. labium Lippe) bedeutet zur Lippe hin, also im Frontzahnbereich die Außenseite des jeweiligen Zahns. Im Einzelnen gilt dies für die Zähne 13, 12, 11, 21, 22 und 23 im Oberkiefer und 43, 42, 41, 31, 32 und 33 im Unterkiefer.

Langzeitprovisorium

Ein Langzeitprovisorium ist eine vorübergehende, aber für einen längeren Zeitraum vorgesehene Versorgung von Zähnen, die für eine Kronen- oder Brückenversorgung beschliffen wurden. Ein solches Provisorium dient dem Schutz der präparierten Zähne vor thermischen, mechanischen und chemischen Reizen. Zudem schützt es die Dentinwunde des beschliffenen Zahnbeins vor Bakterien und anderen Schadstoffen.


Anforderungen an ein Langzeitprovisorium

Neben der offensichtlichen Ästhetik und der beschriebenen Schutzfunktion dient ein Langzeitprovisorium vor allem dazu, die Sprechfunktion zu erhalten. Schließlich haben insbesondere die Zähne im Frontbereich einen maßgeblichen Einfluss auf die Lautbildung. Zudem sichert ein Langzeitprovisorium die Zahnposition und erhält die Kaufunktion. So können auch geplante Veränderungen der Beziehung von Ober- und Unterkiefer zueinander und des Zusammenspiels der Ober- und Unterkieferzähne beim Kauen (Okklusion) beobachtet und durchgeführt werden. Ziel ist es dabei, erst nach erfolgreicher Therapie eine endgültige Versorgung einzugliedern. Entscheidend für die Haltbarkeit des Langzeitprovisoriums ist das Material. Schließlich wird es stark mechanisch belastet. Deshalb wird Wert auf die Abrasionsfestigkeit gelegt. Außerdem sollte es im Zweifel repariert oder auch – im Fall einer veränderten Okklusion – ergänzt werden können. Schließlich sollte ein Langzeitprovisorium in gewissem Maße auch farbstabil sein und einer gründlichen Mundhygiene standhalten. Deshalb werden als Werkstoffe für Langzeitprovisorien Polymethylmethacrylate (PMMA), Bis-GMA-basierte Komposite und glasfaserverstärkte Komposite gewählt.


Langzeitprovisorium und Chirurgie

Auch nach chirurgischen Eingriffen im Zahn- und Kieferbereich oder nach endodontischen Behandlungen wird bisweilen auf Langzeitprovisorien zurückgegriffen, um die Ausheilphase zu überbrücken. 
 

Leitungsanästhesie

Unter einer Leitungsanästhesie versteht man eine gängige Form der zahnärztlichen Schmerzausschaltung vor einem invasiven Eingriff. Hierbei wird ein Anästhetikum, also ein schmerzausschaltendes Mittel, so injiziert, dass der gesamte Nervenast am proximalen Nervenstamm blockiert wird. Durchgeführt wird die Leitungsanästhesie meist intraoral, alternativ kann aber auch extraoral appliziert werden. Nerven, an denen eine Leitungsanästhesie angewendet wird, sind
• im Unterkiefer: N. alveolaris inferior, N. lingualis, N. buccalis und N. mentalis
• im Oberkiefer: N. infraorbitalis, N. incisivus und N. palatinus major


Ziel der Leitungsanästhesie

Eine solche Form der Schmerzausschaltung wird durchgeführt, um mit einer Injektion ein größeres Wirkareal zu erfassen, also direkt mehrere Zähne gleichzeitig. Auch bei der Eröffnung von Abszessen und der Wundbehandlung kann die Leitungsanästhesie durchgeführt werden, um so einen direkten Einstich in dem infizierten Gebiet zu vermeiden. Außerdem kann mit der Leitungsanästhesie der Nerv im Bereich vor einer Entzündung ausgeschaltet werden. Würde das Anästhetikum bei einer akuten Entzündung direkt am betroffenen Ort eingebracht, könnte es nicht wirken. Zudem ist die Leitungsanästhesie als Form der Lokalanästhesie im Unterkiefer das Mittel der Wahl, da hier die Spongiosa sehr dicht ist und das Anästhetikum nicht so gut durch den Knochen diffundieren kann.


Nachteile der Leitungsanästhesie

Ein Nachteil der Leitungsanästhesie ist die lange Wirkdauer. Sie birgt für den Patienten die Gefahr einer unbeabsichtigten Verletzung. Zudem können die entsprechenden Nerven beeinträchtigt werden. Daraus folgt eine Sensibilitätsstörung, die aber in der Regel reversibel ist. Entscheidend ist, dass die Kanüle beim Applizieren nicht in den knöchernen Kanal vorgeschoben werden darf. Hierdurch könnte es ansonsten zu einer Nervenschädigung durch ein mechanisches Trauma, zu einer Ischämie infolge des hohen Drucks oder zu einer Gefäßverengung kommen. Auch die Blutgefäße, welche die Nervenstränge umgeben können leicht verletzt werden (Hämatome, intravasale Injektion).

Lentulos

Lentulos sind vor allem in der Endodontie ein häufig verwendetes Instrumentarium und werden bei der Füllung von Wurzelkanälen eingesetzt. Lentulos sind spiralförmig aufgebaut und können rotierend eingesetzt werden. Der spiralförmige Aufbau bietet den Vorteil einer vergrößerten Oberfläche. Dies ist sehr hilfreich für die beiden Anwendungsbereiche des Lentulo: das Einbringen eines Sealers bei der Wurzelkanalfüllung und der Einlage von Medikamenten in den aufbereiteten Wurzelkanal. Denn durch die große Oberfläche eines Lentulo kann der visköse Sealer oder auch das flüssige Medikament einfach aufgetragen werden. Allerdings führt der spiralförmige Aufbau auch zu einer erhöhten Frakturgefahr des Instruments. Um dieses Risiko zu minimieren, sollte ein Lentulo immer vorsichtig und korrekt, das heißt nur mit rechtsdrehender Rotation, eingesetzt werden. Lentulos gibt es wie die meisten anderen Feilen in verschiedenen Größen und Durchmessern. 

Levurozid

Levurozidität ist eine Eigenschaft von spezialisierten fungiziden, also pilztötenden Desinfektionsmitteln. Wie andere fungizide Desinfektionsmittel sind sie wirksam gegen Pilze, töten aber zusätzlich auch Hefepilze, wie etwa Candida Albicans ab. Ein Levurozid ist jedoch weder bakterizid noch viruzid, wirkt also nicht gegen Bakterien und Viren. Pilztötende Mittel werden in der medikamentösen Behandlung auch als Antimykotika bezeichnet, abgeleitet von Mykose, dem Fachbegriff für Pilzbefall. Solche Mittel wirken aber nicht gegen die von Pilzen erzeugten Sporen. Um diese abzutöten, benötigt man ein sogenanntes Sporizid, welches nicht nur gegen die biologisch aktiven Myzelzellen, sondern auch gegen die gebildeten Sporen wirkt. Ein schnell wirkendes Sporizid ist zum Beispiel Chlordioxid. Es wird eingesetzt, um Trinkwasser, Instrumente und Oberflächen zu desinfizieren. Weil es verträglicher ist, wird für Haut und Schleimhäute auf Wasserstoffperoxid als Sporizid zurückgegriffen.

Lingual

Lingual ist eine der zahlreichen Lage- und Richtungsbezeichnungen in der Mundhöhle. Der Begriff lässt sich auch als „zungenseitig“ übersetzen und bezeichnet die Lage zur Zunge und zur Innenseite der Zähne des Unterkiefers hin. Diese Richtungsbezeichnungen erleichtern im Praxisalltag die Kommunikation zwischen Zahnarzt und Helferin/ZFA/ZMF. Denn dadurch weiß jeder sofort, von welchem Bereich im Mund des Patienten gerade die Rede ist. 

Löffelmaterial

Löffelmaterial wird benötigt, um einen individuellen Löffel anzufertigen. Bei der Versorgung mit Kronen oder Brücken ist dieser ein wichtiges Hilfsmittel, um die vorliegende Situation mittels Abformung präzise zu erfassen. Auch bei der Totalprothetik werden individuelle Löffel benötigt. Die Verwendung von lichthärtenden Polymerisaten beziehungsweise Kunststoffen ist hierbei State of the Art.

Löffelplatten

Dieser Begriff wird oft als Synonym für Löffelmaterial eingesetzt, da es sich bei Löffelplatten um konfektionierte, also vorgefertigte Platten aus Löffelmaterial handelt. Die in der Regel trapezförmigen Löffelplatten gibt es in verschiedenen Farben, die jedoch in keinem Zusammenhang mit einer bestimmten Anwendungsweise stehen. Die Vorteile von Löffelplatten bestehen darin, dass sie eine einheitliche Schichtdicke haben und sich direkt verarbeiten lassen, ohne dass erst das Material angemischt werden muss. Löffelplatten bestehen aus lichthärtendem Kunststoff und werden für die Herstellung von „individuellen Löffeln“ verwendet.

Lokalanästhetika

Lokalanästhetika, gehören zur Gruppe der Analgetika und sind Mittel für die Lokalanästhesie (örtliche Betäubung). Lokalanästhesie ist hierbei der Überbegriff für unterschiedliche Einsatztechniken wie die intraligamentäre Anästhesie, Leitungs- oder Infiltrationsanästhesie. Lokalanästhetika werden entweder lokal injiziert, also mit einer Spritze ins Gewebe eingebracht, oder in externer Form auf die (Schleim-)Haut aufgetragen, etwa um den Einstichschmerz zu mindern (Oberflächenanästhesie). Ziel der Lokalanästhesie ist es, in einem lokal begrenzten Areal, in dem die Behandlung durchgeführt wird, bestimmte Nervenäste oder Nervenendigungen zu anästhetisieren. Somit wird die Weiterleitung des Reizes über die Nervenbahnen zum Gehirn, wo der Reiz als Schmerz wahrgenommen wird, unterbrochen. Der Patient bleibt dabei – im Unterschied zur Vollnarkose – bei Bewusstsein. In der Zahnmedizin ist eine Lokalanästhesie bei zahlreichen Eingriffen erforderlich, etwa beim Einbringen von Füllungen ab einer gewissen Tiefe oder chirurgischen Eingriffen (zum Beispiel Zahnextraktion, Implantation, Wurzelresektion). Damit ist die Zahnmedizin der medizinische Teilbereich, in dem die Lokalanästhesie am häufigsten ambulant genutzt wird. Selbst bei Operationen, die ohnehin unter Intubationsnarkose durchgeführt werden, ist bei oralen Eingriffen eine zusätzliche Lokalanästhesie erforderlich. 

Es wird zwischen mehreren Techniken unterschieden, um den lokalen Schmerz auszuschalten:
  • Oberflächenanästhesie
  • Infiltrationsanästhesie
  • Leitungsanästhesie und
  • intraligamentäre Anästhesie.

In den meisten klinischen Situation sind diese Applikationsarten ausreichend, um ihren Zweck zu erfüllen. Die Zahl der Komplikationen in der zahnärztlichen Lokalanästhesie beträgt vier bis fünf Prozent, damit gehört sie zu den sichersten Anästhesieverfahren.


Zusammensetzung und Nebenwirkungen von Lokalanästhetika

Neben dem eigentlichen Lokalanästhetikum enthalten lokalanästhetische Lösungen normalerweise Adrenalin als Vasokonstriktor und Natriumdisulfit als Antioxidans. Alle diese Bestandteile können unerwünschte Nebenwirkungen haben. In diesem Fall spricht man von systemischen Komplikationen Diese werden noch einmal unterteilt: Unspezifische Komplikationen werden durch die Injektion als solche hervorgerufen und sind nicht auf einen Bestandteil der Lokalanästhesielösung zurückzuführen. Darunter fallen zum Beispiel Schwindel, Hyperventilation, Blutdruckanstieg oder eine erhöhte Pulsfrequenz. Spezifische Komplikationen werden durch das Lokalanästhetikum an sich verursacht. Dazu gehören zum Beispiel eine allergische Reaktion oder Intoxikation.

Die ersten entwickelten Lokalanästhetika gehören zum sogenannten Ester-Typ. Es handelt sich dabei um Stoffe wie Cocain, Procain, Tetracain, Propoxycain. Bis heute setzt das unter dem Markennamen „Novocain“ bekannte Procain mit seiner Wirkung den Maßstab, an dem moderne Lokalanästhetika gemessen werden.

Luftscaler

Ein Luftscaler, auch Airscaler genannt, wird insbesondere bei der professionellen Zahnreinigung dazu verwendet, grobe, hartnäckige Beläge zu entfernen. Der Antrieb des Luftscalers erfolgt mit Druckluft, sodass das Instrument auf den Turbinenaufsatz der Behandlungseinheit aufgesteckt wird. Die Druckluft bewirkt, dass der Luftscaler in Schwingung gerät. Die Frequenz der Schwingungen liegt bei 3.500 pro Sekunde.


Arbeiten mit dem Luftscaler

Beim Einsatz eines Luftscalers ist immer auf eine ausreichende Wasserzufuhr zu achten, weil durch die Schwingungen Wärme entsteht. Ohne Wasserkühlung würde die Pulpa dadurch gereizt, was je nach Dauer der Wärmeeinwirkung im schlimmsten Fall eine Pulpanekrose zur Folge haben könnte. Außerdem sollte ein Luftscaler nur im supragingivalen Bereich angewendet werden. Um Schädigungen an der Zahnsubstanz wie Schmelzfrakturen vorzubeugen, ist auf korrekte Anwendung des Luftscalers zu achten. Die Instrumentenspitze wird tangential und ohne Druck in Richtung der Längsachse am Zahn entlanggeführt. Das entspricht der Hauptschwingungsrichtung. Besondere Vorsicht ist auch beim Gebrauch des Luftscalers in der Nähe von Füllungsrändern geboten, weil diese durch die Schwingungen beschädigt werden können. Aus dem gleichen Grund ist bei festsitzendem Zahnersatz wie Brücken oder Kronen von der Behandlung mit einem Luftscaler abzusehen, da es hier zur unerwünschten Lockerung kommen kann.

Luniatschek

Ein sogenannter Luniatschek wird bei zahnchirurgischen Eingriffen insbesondere dazu verwendet, um Tamponaden in der Mundhöhle einzulegen. Solche Tamponaden oder Einlegeverbände sind meist mit Jodoform getränkt. Aus diesem Grund bezeichnet man den Luniatschek auch als Tamponadenstopfer nach Luniatschek. Das Instrument hat an beiden Enden eine sogenannte „Zweizackenspitze“, die jeweils unterschiedlich groß ist. Damit kann der Behandler einen Verband einfach aufnehmen und es dann durch eine Rotationsbewegung aufrollen. Anschließend lässt sich das Tamponadenmaterial aufnehmen und der Zahnarzt kann es in die Wunde applizieren. 

Luxation

Als Luxation bezeichnet man einen vollständigen Kontaktverlust von zwei Knochen im jeweiligen Gelenk. Umgangssprachlich würde man „verrenken“, „ausrenken“ oder bei Kugelgelenken entsprechend „auskugeln“ sagen. Eine Kiefergelenkluxation ist demnach ein ausgerenktes Kiefergelenk.

Eine Zahnluxation liegt vor, wenn ein Zahn eine abnorme Beweglichkeit aufweist, weil die Sharpeyschen Fasern , die den Zahn im Zahnfach halten, gerissen sind. Passieren kann dies zum Beispiel bei einem Unfall, wenn der Zahn ausgeschlagen oder noch tiefer in sein Knochenfach gepresst wird. Bei der Zahnextraktion werden die Fasern des Zahnhalteapparats gewollt getrennt.
 

Was ist Replantation nach Zahnverlust?

Sind sowohl Zahn als auch Zahnfach nach einem Unfall mit Zahnverlust noch intakt, kann eine Replantation versucht werden. Das heißt, der Zahn wird wieder in sein Knochenfach eingesetzt und für eine gewisse Zeit mit einer Schiene ruhiggestellt, damit er wieder einwachsen kann.


Formen der Luxation: lateral, zentral, total

In der Zahnmedizin wird zwischen verschiedenen Formen der Luxation unterschieden:
• Laterale Luxation: Der Zahn wird zur Seite verlagert und auch der umgebende Alveolarknochen beschädigt.
• Luxation nach zentral (Intrusion): Der Zahn wird in das Alveolarfach hineingedrückt, damit einher geht eine Fraktur der knöchernen Alveolarstruktur und auch die Pulpa wird geschädigt, die Sharpeyschen Fasern werden ganz oder teilweise getrennt.
• Totale Luxation: Durch Gewalteinwirkung wird der Zahn vollständig aus seinem knöchernen Alveolarfach gerissen, dabei wird sowohl parodontales Gewebe als auch der apikale Teil der Pulpa zerrissen; die Alveole kann ebenfalls beschädigt sein.

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Marylandbrücke

Der Begriff Marylandbrücke ist eine andere Bezeichnung für eine Klebe- oder Adhäsivbrücke. Diese Form von Zahnersatz kommt vorwiegend dann zum Einsatz, wenn eine kleine Lücke im Gebiss vorübergehend geschlossen werden soll. Meist besteht eine solche Brücke aus einem Metallgerüst mit elastischen Nichtedelmetalllegierungen und Kronen mit Keramikverblendung. Alternativ kann sie auch aus einer speziellen Vollkeramik gefertigt werden.


Einsatzbereiche für Marylandbrücken

Die Marylandbrücke wird vor allem im Frontzahnbereich und dort meist nur als Provisorium eingesetzt. Wenn etwa ein Zahn extrahiert wurde, kann eine solche Lösung für den Zeitraum bis zu einer Implantation zum Einsatz kommen. Diese schonende Art des Zahnersatzes überbrückt ein bis zwei Zähne im Oberkiefer und maximal vier Zähne im Unterkiefer. Dabei wird eine ausreichend große Klebefläche auf den Nachbarzähnen, den Brückenpfeilern, benötigt. Diese Brückenpfeiler dürfen zudem weder Karies noch größere Füllungen aufweisen. Manchmal kann die Brückenkonstruktion mit nur einer konventionellen Krone auf einem Nachbarzahn und einer Klebeverbindung auf dem anderen Nachbarzahn befestigt werden. In der Regel ist eine Marylandbrücke weniger haltbar als eine andere Brückenlösung, weil sie minimalinvasiv eingesetzt wird. Zwar lässt sie sich nach dem Ablösen meist wieder erneut befestigen, allerdings verringert sich die Tragedauer anschließend weiter.


Marylandbrücke für Kinder und Jugendliche

Insbesondere bei Kindern und Jugendlichen kommt die Marylandbrücke zum Einsatz, da im jungen Gebiss die Zahnpulpa noch ausgedehnter ist als beim erwachsenen Gebiss. Zudem ist bei jungen Patienten das Knochenwachstum noch nicht abgeschlossen, weshalb nicht direkt implantiert werden kann. Auch das Beschleifen der Nachbarzähne ist bei Kindern und Jugendlichen nicht ratsam. Bei der Befestigung einer Marylandbrücke kann der Zahnschmelz erhalten werden. Dies ist möglich, weil die Metalloberfläche mit Sandstrahl bearbeitet und angeätzt oder silanisiert wird. Mithilfe eines besonderen Metallprimers wird zudem eine gute Klebeverbindung zum Metall geschaffen.

Maschinelle Aufbereitung

Neben der manuellen Aufbereitung ist die maschinelle Aufbereitung eine weitere Aufbereitungsform in der endodontischen Behandlung (siehe Endodontie). Beim maschinellen Vorgehen werden die Wurzelkanäle so ausgeformt (aufbereitet), dass sie zur Spitze hin konisch zulaufen, also enger werden. Zugleich werden die anfallenden „Bohrspähne" durch die rotierende Bewegung der Feilen aus den Kanälen entfernt. Diese Methode eignet sich selbst für kompliziertere Wurzelkanalformen. Dabei werden Nickel-Titan-Instrumente verwendet, die mit einem drehmomentbegrenzten Bohrantrieb bedient werden. Unterschieden wird zudem zwischen folgenden Systemen zur maschinellen Aufbereitung:
  • Systeme mit starrem Bewegungsablauf, die eine Hub- oder Rotationsbewegung vollziehen
  • Systeme mit modifiziertem Bewegungsablauf, der flexibel und schwingend ist
  • Schallvibrations- und Ultraschallsysteme
  • vollrotierende Systeme mit NiTi-Instrumenten
  • neuere nicht-instrumentelle Techniken wie etwa Laser oder Vakuum-Pumpen

Vorteil der maschinellen Aufbereitung

Die maschinelle Aufbereitung ist besonders präzise und die flexiblen Feilen ermöglichen eine sorgfältigere Reinigung und Ausformung der infizierten Wurzelkanäle als bei anderen Methoden. Zudem ist die maschinelle Aufbereitung sicherer, denn die verwendete Feile bewegt sich kontrolliert durch die haarfeinen, gekrümmten und verästelten Kanäle. Das kann den Erfolg der Behandlung erhöhen. Darüber hinaus ist die maschinelle Aufbereitung schneller durchzuführen als die manuelle und meist auch komfortabler für den Patienten.

Matrizen

Mit Matrize bezeichnet der Zahnarzt zum einen ein Hilfsmittel zum Legen einer Zahnfüllung mit plastischem Füllmaterial. Zum anderen ist die Matrize das Gegenstück einer Patrize. Beide Teile – Matrize und Patrize – bilden zusammen ein prothetisches Halteelement, ein sogenanntes Geschiebe.


Matrizen bei der Füllungstherapie

In der Füllungstherapie wird die Matrize als eine Formhilfe eingesetzt. Sie besteht aus einem Metall- oder Kunststoffband, welches um den Zahn gelegt und angepasst wird. Eine solche Form ist notwendig, wenn ein weiches Füllungsmaterial in die Kavität eines Zahnes eingebracht werden soll – beispielsweise Amalgam oder Composit – und der Defekt so rekonstruiert wird. Bei einer offenen Kavität nach mesial, distal, vestibulär und/oder oral, die nicht vollständig von Zahnschmelz umgeben ist, würde ohne eine Matrize das Füllungsmaterial ausfließen und die Füllung wäre insuffizient. Die am häufigsten für Amalgamfüllungen verwendete Matrize ist die Ringbandmatrize (zum Beispiel Tofflemire Matrize). Ihre dünnen, speziell geformten, eingespannten Stahlbleche passen sich beim Anlegen gut der Zahnaußenform an. Kunststoffmatrizen hingegen sorgen bei Kunststofffüllungen im Frontzahnbereich für Randdichtigkeit. Sie werden zwischen dem zu behandelnden Zahn und seinem Nachbarzahn eingebracht und verhindern so die Verklebung der Füllung mit dem Nachbarzahn.


Matrizen als Teil des Geschiebes

Die Bezeichnung einer Matrize als Teil eines Geschiebes meint das Gegenstück zu einer korrespondierenden Patrize. Beide gemeinsam werden vor allem als Verbindungsteile zwischen festsitzenden Zahnersatz und dem dazu passenden herausnehmbaren Zahnersatz verwendet. Solche Matrizen können entweder konfektioniert oder individuell angefertigt sein. Die Matrize ist der Teil des Geschiebes, dass sich aktivieren und deaktivieren lässt: Sie kann zu Friktionsregulierung entweder geringfügig zusammengepresst oder ausgeweitet werden

Mesial

Mesial ist eine der zahlreichen Lage- und Richtungsbezeichnungen in der Mundhöhle. Der Begriff bezeichnet die Lage zur Mitte des Zahnbogens hin, immer in Richtung der Frontzähne. Diese Richtungsbezeichnungen erleichtern im Praxisalltag die Kommunikation zwischen Zahnarzt und Helferin/ZFA/ZMF. Denn dadurch weiß jeder sofort, von welchem Bereich im Mund des Patienten gerade die Rede ist. 

Metallkeramik

Metallkeramik oder auch Verblend-Metall-Keramik ist eine Bezeichnung für ein mit Keramik verblendetes Metallgerüst, aus dem Zahnkronen oder Brücken gefertigt werden. Bei der Herstellung von Zahnersatz wie Zahnkronen oder Zahnbrücken gehört die Verwendung von Metallkeramik zum Standard. Eigentlich bezeichnet die Metallkeramik ein Metall-Keramik-Verbundsystem, da es keine Keramik aus Metall gibt. Das Material Keramik verleiht dem als „Metallkeramik“ bezeichneten Zahnersatz seine äußere Form und sein zahnfarbenes Aussehen. In jedem Fall wird der sichtbare Anteil des Zahns durch Keramik verblendet (Teilverblendung). Es ist auch möglich, zusätzlich die Zahnkronen und Kauflächen zahnfarben zu verblenden, so dass kein oder fast kein Metall am Zahn sichtbar ist (Vollverblendung). Die häufigste Alternative zur Metallkeramik ist der komplett aus Keramik hergestellte Zahnersatz, also vollkeramische Restaurationen.

Herstellung von Metallkeramiken

Im Dentallabor wird zunächst ein Metallgerüst hergestellt. Dieses besteht aus einer sogenannten Aufbrennlegierung mit hoher Wärmefestigkeit und mit Bestandteilen, die Oxide bilden. Hierfür werden in der Regel entweder Goldlegierungen oder NEM (Nicht-edelmetallhaltige-Legierungen) verwendet. In einem nächsten Schritt wird eine hierauf abgestimmte keramische Masse aufgebrannt. Dabei entsteht eine chemische Korrosion, beziehungsweise eine chemisch homogene Verbindung. Möglich ist das durch die sogenannte Silanisierung, also die chemische Anbindung einer Silanschicht an eine Oberfläche. Verblendet werden kann nun entweder das gesamte Metallgerüst oder nur Teile davon, wobei man im letzteren Fall von einer „vestibulär verblendeten Krone“ spricht.

Vorteile der Metallkeramik

Metallkeramiken sind sehr stabil und belastbar, was vor allem bei der Herstellung von Brücken von zentraler Bedeutung ist. Zudem werden sie gut vom Körper vertragen, besitzen eine sehr hohe Lebenserwartung (circa 15 Jahre) und überzeugen mit einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis. Auch unter ästhetischen Gesichtspunkten lassen sich mit ihnen gute Ergebnisse erzielen.


Nachteile der Metallkeramik

Auch wenn die Technik inzwischen sehr ausgereift ist, erreicht die ästhetische Qualität von Metallkeramiken nicht ganz die einer Vollkeramik. Dies liegt vor allem an den mit der Zeit sichtbar werdenden Metallrändern, aber auch an mechanischen Defekten wie Abplatzungen, die sich nur schwer gänzlich vermeiden lassen. Zudem handelt es sich um eine relativ aufwändige Technik.

Mikroorganismen

Die Bezeichnung Mikroorganismen umfasst alle Organismen, die nicht mit bloßem Auge, sondern nur unter einem Mikroskop erkennbar sind. Dazu gehören Bakterien, Pilze, Viren, Mikro-Algen und Protozoen. Die meisten dieser Lebewesen bestehen nur aus einer Zelle und sind damit Einzeller. Viren bilden hierbei eine Ausnahme, weil sie weder Lebewesen sind noch aus einer oder mehreren Zellen bestehen. Mit der Erforschung von Mikroorganismen beschäftigt sich der Fachbereich der Mikrobiologie.


Pathogene und apathogene Mikroorganismen

Einige Mikroorganismen sind pathogen, also krankheitserregend, und werden deshalb als mikrobielle Erreger klassifiziert. Hierzu gehören vor allem Viren und viele Bakterien. Nicht krankheitserregende Arten werden hingegen als apathogen bezeichnet. Einige davon besitzen auch nützliche Eigenschaften.


Vorkommen von Mikroorganismen

Mikroorganismen sind weit verbreitet und kommen sowohl im Boden, in der Luft, im Wasser als auch auf lebenden Organismen vor. Große Populationen von Mikroorganismen finden sich im menschlichen Körper unter anderem im Bereich der Atemwege, der Schleimhäute, im Magen-Darm-Trakt, sowie im Biofilm der Mundhöhle, welcher zu einem großen Teil aus Mikroorganismen und deren Stoffwechselprodukten besteht.

Mischkanülen

Mischkanülen kommen immer dann zum Einsatz, wenn Werkstoffe verwendet werden, die aus zwei oder mehr Komponenten bestehen. Vor allem beim Anmischen von Abformmaterialien wie Alginat oder Materialien für Provisorien, aber auch bei Adhäsivsystemen werden sie benötigt. Dadurch dass die beteiligten Komponenten erst außerhalb ihrer Tuben miteinander reagieren, sind sie länger haltbar. 


Funktionsweise und Gebrauch von Mischkanülen

Eine Spirale im Inneren der Mischkanüle führt die jeweiligen Komponenten zusammen und sorgt dafür, dass sie sich zum Ende der Kanüle miteinander vermischen. Aus der Spitze der Kanüle kommt dann das fertige Endprodukt. Auf jeden Fall sollte bei der Benutzung von Mischkanülen darauf geachtet werden, dass die verwendeten Anmischkanülen auf die jeweilige „Pistole“ passen. Zudem ist es wichtig, auf das Verhältnis der Anmischung zu achten. So muss der Durchmesser der Kanülenröhrchen für ein Anmischverhältnis von 1:1 identisch sein. Um jedoch bei einer Anmischung im Verhältnis von 1:3 ein gutes Ergebnis zu erzielen, sollten die Komponenten über unterschiedliche Durchmesser verfügen. Weil in den Mischkanülen zwei Produkte zu einem neuen vermischt werden, handelt es sich hierbei um Einwegprodukte, die nach Gebrauch entsorgt werden müssen.

Modellguss

Unter Modellguss wird die laborseitige Anfertigung einer Teilprothese verstanden. Sie wird in einem Stück gegossen und besteht aus einer Metalllegierung, bei der es sich zumeist um eine Kobalt-Chrom-Molybdän-Legierung handelt.


Aufbau einer Modellgussarbeit

Auf einer solchen herausnehmbaren Teilprothese befinden sich Kunststoffzähne, die dazu dienen die fehlenden Zähne beim Patienten zu ersetzen. Die Abschnitte, auf denen die Kunststoffzähne sitzen, werden als Sättel bezeichnet. Die Kunststoffzähne sind mit Kunststoff an der Modellgussbasis befestigt. Die Gesamtheit der Sättel nennt man Modellgussbasis. Zusätzlich gib es noch Friktionsbereiche, welche die Modellgussarbeit im Mund des Patienten fixieren und insbesondere bei der Anfertigung einer Prothese für den Oberkiefer für den nötigen Halt sorgen. Dies funktioniert über gegossene Klammern, die an bestimmten Pfeilerzähnen in den Unterschnitt eines vorhandenen Zahns greifen. Diese Klammern gibt es in vielen verschiedenen Klammerformen, die je nach Funktion, Fläche oder Zahn unterschiedlich aussehen. Eine vor der Herstellung der Modellgussarbeit angefertigte „Konstruktionszeichnung“ gibt an, an welchen Zähnen Halteelemente modelliert werden müssen. Planung und Modellierung des Modellgusses erfolgen dabei im Dialog zwischen Zahnarzt und Zahntechniker.


Fertigung einer Modellgussarbeit

Zunächst wird aus der Abformung (Abdrucknahme) der intraoralen Situation des Patienten ein Meistermodell (zumeist aus Gips) erstellt und mit einem ebenfalls aus Gips gefertigten Modell des Gegenbiss in einen Artikulator einartikuliert. Das bedeutet, dass die Bewegung des Ober- und Unterkiefers zueinander simuliert und auf reibungslose Funktion hin überprüft wird. Im nächsten Schritt wird das Arbeitsmodell mit einem Parallelometer vermessen, Klammern und Bügel werden eingezeichnet und schließlich auf dem Modell eingekratzt. Anschließend wird das so präparierte Meistermodell doubliert. Dafür wird aus Gel oder Silikon eine Hohlform erstellt, die dann mit Einbettmasse ausgegossen wird. Das hierdurch entstandene Modell wird entsprechend auch „Einbettmassemodell“ genannt. Auf diesem wird nachfolgend das Metallgerüst aus Wachsfertigteilen modelliert. Das Duplikat ist notwendig, da dieses nach dem Gießvorgang nicht mehr verwendet werden kann. Deshalb ist anstelle des Gipsmodells ein hitzebeständigeres Material erforderlich. Jetzt wird das Duplikat aus hitzebeständigem Material eingebettet in den Vorwärmofen gestellt und aufgeheizt bis der Gießvorgang durchgeführt werden kann. Dabei wird die aus Wachs modellierte Modellgussbasis ausgebrannt, sodass hier der Hohlraum für die einzugießende Legierung entsteht. Nachdem die Legierung in den Hohlraum gegossen wurde, muss das Modell langsam abkühlen. Nach dem Abkühlen erfolgen als nächste Schritte das Ausbetten, Ausarbeiten und die Metallpolitur. Danach geht die Arbeit zur Gerüsteinprobe an den Zahnarzt. Anschließend kann der Zahntechniker auf dem Gerüst die Prothese mit künstlichen Zähnen und Kunststoffsätteln aus Kaltpolymerisat fertigstellen.

Modellierwachs

Modellierwachs gehört zu den vielen Wachsarten, die der Zahntechniker bei der Herstellung von Zahnersatz einsetzt. Die verwendeten Wachse haben abhängig von ihrer Zusammensetzung unterschiedliche Eigenschaften, wodurch sie wiederum für bestimmte Verarbeitungsbereiche besonders geeignet sind. Wie der Name bei Modellierwachs schon sagt, verwendet der Zahntechniker es insbesondere für die Modellation, also um Modelle von Kronen oder Brücken anzufertigen. Diese Modelle wiederum legen die Basis dafür, dass dieser Zahnersatz im nächsten Schritt gegossen und eine Legierung hergestellt werden kann. Ferner werden mit Modellierwachs auch Primärteile und Modellgussarbeiten gefertigt. Erhältlich sind Modellierwachse in unterschiedlichen Farben, vorwiegend um eine visuelle Unterscheidung bei der Verwendung verschiedener Modellationswachse zu gewährleisten. 

Mucosa

Mucosa (deutsch: Mukosa) ist der medizinische Fachbegriff für Schleimhaut und in der Zahnmedizin folglich für Mundschleimhaut. 

Wie ihr Name schon sagt, produziert sie Schleim und zwar mithilfe von entsprechenden Zellen und Drüsen. Strukturell und funktionell wird die Mundschleimhaut in drei Bereiche unterteilt:
  • Auskleidende Mundschleimhaut: Diese macht den größten Teil der Schleimhaut im Mund aus. Sie bedeckt vor allem den weichen Gaumen, die Zungenunterseite sowie den Mundboden, die Alveolarfortsätze und den Mundvorhof/Umschlagfalte und ist circa 0,1- 0,5 Millimeter dick.
  • Mastikatorische Mundschleimhaut: Sie bedeckt den harten Gaumen sowie die Gingiva und ist circa 0,25 Millimeter dick.
  • Spezialisierte Mundschleimhaut: Sie findet sich auf dem Zungenrücken, spezielle Strukturen darin – die Papillen – ermöglichen es, Geschmack wahrzunehmen.

Eine gesunde Mundschleimhaut übernimmt nicht nur eine wichtige Schutzfunktion im Kauorgan. Ihren Speicheldrüsen kommt eine wichtige Funktion beim Kauen und Schlucken zu. Außerdem befeuchten diese Drüsen die Mucosa und sie helfen durch die antibakterielle Zusammensetzung des Speichels bei der allgemeinen Immunabwehr. 

Mundtrockenheit

Von Mundtrockenheit spricht man, wenn die orale Schleimhaut (Mucosa) nur mangelhaft mit Speichel benetzt ist. Meist resultiert dies daraus, dass die Speicheldrüsen zu wenig Speichel produzieren. Dies tritt häufig bei älteren Menschen auf.


Ursachen für Mundtrockenheit

Neben der verminderten Speichelproduktion im Alter kann die Mundtrockenheit noch weitere Ursachen haben. So tritt sie etwa als Nebenwirkung von Medikamenten wie Psychopharmaka, Anticholinergika sowie Herz- und Bluthochdruckmedikamenten auf. Auch während einer Strahlentherapie kann es zu Mundtrockenheit kommen, ebenso infolge von Flüssigkeitsverlust oder -mangel (Dehydration). Insbesondere Senioren, die mehrere Medikamente einnehmen müssen, sind von Mundtrockenheit betroffen. Dies schränkt zum einen im Alltag ein, zum anderen kann es zu Schäden der Zahnsubstanz kommen. 

 

Subjektive und objektive Mundtrockenheit

Man unterscheidet zwischen einer subjektiv empfundenen Mundtrockenheit (Xerostomie) und einer objektiv messbaren Trockenheit (Hyposalivation). Bei der Hyposalivation kann die verminderte Speichelfließrate in stimuliertem oder nicht stimuliertem Zustand gemessen werden. Diese Unterscheidung ist wichtig für die Wahl der Therapie bei Mundtrockenheit. Während man bei der rein subjektiven Mundtrockenheit hauptsächlich die Symptome lindert, bedarf es bei objektivem Speichelmangel einer regelmäßigen Untersuchung, um die Entwicklung im Auge zu behalten. 


Mögliche Therapien bei Mundtrockenheit 

Bestehen die Symptome nur für kurze Zeit, ist auf ausreichende Flüssigkeitszufuhr zu achten. Auch kann helfen, den Mund regelmäßig mit Wasser oder Kräutertee zu spülen oder – insbesondere an heißen Tagen – einen Eiswürfel im Mund zergehen zu lassen. Bei länger anhaltender Mundtrockenheit, kann eine medikamentöse Behandlung mit Sprays, die Speichelersatzmittel enthalten, angezeigt sein. Unter anderem helfen solche Mittel, einen Gleitund Schutzfilm auf der Schleimhaut zu schaffen und erleichtern das Kauen, Schlucken und Sprechen.

Mundschutz

In der Medizin wie auch in der Zahnmedizin verwenden die Behandler einen Mund-Nasen-Schutz (MNS), um zu verhindern oder das Risiko zumindest zu verringern, dass Krankheitserreger via Tröpfcheninfektion übertragen werden. Sie gehören zur persönlichen Schutzkleidung von Zahnmedizinern und ZFA. Ein Mundschutz besteht aus einer Halbmaske aus Papier oder Vlies, die das Gesicht vom Kinn bis einschließlich Nase bedeckt. Mit Gummi- oder Bindebändern wird sie am Kopf befestigt. In den oberen Rand eines Mund-Nasen-Schutzes ist ein dünner Metallstreifen eingearbeitet. Damit lässt sich die Maske an die Nase andrücken. So wird zum einen ein etwas luftdichterer Abschluss erreicht, zum anderen kann der Behandler so sein Sichtfeld frei halten. Ein medizinischer Mund-Nasenschutz muss bestimmten Mindestanforderungen entsprechen, damit er die gewünschte Schutzfunktion erfüllt. Daher sind sie genormt und unterliegen einer CEZertifikation sowie dem Medizinproduktegesetz. Den Patienten soll ein Mund-Nasen-Schutz, den der Behandler oder die ZFA trägt, vor Mikroorganismen schützen, die diese beim Sprechen abgeben. Schließlich sind Mund- und Rachenschleimhäute mögliche Eintrittspforten für Krankheitserreger. Die Behandelnden selbst schützt ihr Mund-Nasen-Schutz vor Spritzern von Körpersekreten oder kontaminierten Flüssigkeiten. Außerdem unterbindet ein Mund-Nasen-Schutz, dass man sich mit verunreinigten Händen im Gesicht berührt. 


Partikelfilternde Atemschutzmasken

Sogenannte partikelfilternde Atemschutzmasken sind klar von einem Mund-Nasen-Schutz abzugrenzen. Denn wie der Name schon nahelegt, verfügen sie über eine Filterfunktion. Spezielle Einlagen halten beim Einatmen Partikel wie zum Beispiel Schmutzpartikel, Feinstaub oder Pollen aus der Luft zurück. Zu welcher Filterklasse ein Filter gehört, ist vom genauen Aufbau abhängig. 


Mundschutz beim Sport

Eine ganz andere Art des Mundschutzes ist bei bestimmten Sportarten erforderlich wie zum Beispiel beim Boxen, Eishockey oder Football. Dafür werden im zahntechnischen Labor spezielle Plastikschienen für die Zähne im Ober- und Unterkiefer angefertigt. Die Schutzwirkung wird durch die Dicke der Schienen erzielt. Damit wirkt sie ähnlich wie ein Airbag, indem sie die von außen auf die Zähne einwirkenden Kräfte abmildert. Zudem schützt eine solche Schiene auch die Höcker der Okklusalflächen vor Frakturen, indem sie ein stoßartiges und damit ungewollt heftiges Zusammentreffen der Zähne von Ober- und Unterkiefer abmildert. Die dämpfende Wirkung einer solchen Schiene zwischen den Zahnreihen von Ober- und Unterkiefer hilft auch das Risiko einer Gehirnerschütterung zu minimieren.

Erforderlich ist diese Art von Mundschutz deshalb, weil Zähne horizontal einwirkende Kräfte wie Schläge beim Boxen nicht kompensieren können. Vertikale Kräfte, wie sie ja auch beim Kauen entstehen, fangen die Sharpeyschen Fasern sehr gut auf. 

Mundhygiene

Mundhygiene bezeichnet alle Tätigkeiten, die dazu dienen, Zähne, Zahnfleisch und Zunge sauber zu halten und somit eine gesunde Mundflora zu erhalten. Eine gute Mundhygiene unterstützt zahnärztliche Behandlungen und beugt Krankheiten vor. So bestimmt die Mundhygiene auch das individuelle Kariesrisiko – von Ausnahmen abgesehen, bei denen erbliche Veranlagung die Entstehung von Karies begünstigt. Mit Mundflora bezeichnet man die zahlreichen Mikroorganismen (hunderte Bakterienarten und Hefen), die in der Mundhöhle angesiedelt sind. Normalerweise bilden sie bei guter Mundhygiene ein Gleichgewicht aus schädlichen und nützlichen Mikroorganismen. Gerät dieses über einen längeren Zeitraum aus der Balance, nehmen pathogene Bakterien zu. Erkrankungen der Zähne wie Karies und des Zahnhalteapparats (Parodontitis) aber auch Mundgeruch können die Folge sein. Studien zufolge wirkt sich eine gute Mundhygiene auch auf das Risiko für andere Erkrankungen wie Herzinfarkt, Schlaganfall und Diabetes aus. 


Wie geht gute Mundhygiene zu Hause?

Im Rahmen einer guten Mundhygiene werden Zähne, Zahnzwischenräume, Zunge und Gingiva regelmäßig gereinigt. Für die Zähne wird empfohlen, diese zweimal täglich für zwei Minuten mit einer Handzahnbürste oder einer elektrischen Zahnbürste und Zahnpasta zu putzen. Die leichte Massage der zahnnahen Gingiva beim Zähneputzen regt übrigens die Durchblutung an und verhindert, dass Bakterien in Richtung der Zahnwurzel wandern. Falls nichts dagegen spricht, sollte eine fluoridhaltige Zahnpasta benutzt werden. Für die Reinigung der Zahnzwischenräume sind Interdentalbürsten oder Zahnseide geeignet – dies ist besonders wichtig, weil sich an den Approximalflächen die meisten Zahnbeläge ansammeln. Da sich auch auf dem Zungenrücken bakterielle Beläge ansammeln, die Mundgeruch und Verfärbungen verursachen können, sollte auch die Zunge regelmäßig mit einem Zungenschaber oder einer Zungenreinigungsbürste gesäubert werden. Nach Absprache mit dem Behandler können Patienten einmal wöchentlich ein hochdosiertes Fluoridgel benutzen, um den Schmelz zu remineralisieren.


Professionelle Zahnreinigung

Eine Ergänzung zur häuslichen Mundhygiene des Patienten stellt die professionelle Zahnreinigung (PZR) beim Zahnarzt dar. Dabei handelt es sich um eine gründliche mechanische Reinigung der Zähne im Rahmen der (Individual-)Prophylaxe. Es werden weiche und harte Beläge entfernt, die Zähne poliert und fluoridiert. Mit einer PZR können mögliche Mängel bei der häuslichen Zahnpflege des Patienten gemindert werden. 

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Nahtmaterial

Was bei der Wundversorgung allgemein auch „Fäden“ genannt wird, bezeichnet der Fachmann als Nahtmaterial. Hiermit kann er Wunden verschließen oder vielmehr die Wundränder so fixieren, dass die Eingriffsstelle gut verheilen kann


Resorbierbares und nicht resorbierbares Nahtmaterial

Bei Nahtmaterial wird unterschieden zwischen eigenschaftsbedingt resorbierbarem Nahtmaterial und nicht resorbierbarem Nahtmaterial. Resorbierbares Nahtmaterial verwendet man primär in tieferen Hautschichten sowie intraoral. Diese aus synthetischer Polyglykolsäure, Polydioxan oder Glykolyt-Laktid bestehenden Fäden lösen sich innerhalb von 42 bis 70 Tagen auf. Da die Haut in der Mundhöhle im Vergleich zu anderen Körperarealen gut und schnell ausheilt, eignet sich dieses Material hierfür besonders gut. Bei äußeren Hautarealen wird dagegen bevorzugt nicht resorbierbares Nahtmaterial eingesetzt. In diesen Fällen werden Materialien wie Seide oder Zwirn, aber mittlerweile auch Kunststoffe aus Polyamiden, Polyesthern oder Polypropylenen verwendet. Diese Fäden sind nicht resorbierbar und müssen deshalb – nach entsprechender Ausheilzeit – entfernt werden. Doch nicht nur die Resorbierbarkeit ist ein entscheidender Faktor bei der Fadenauswahl. Auch der Fadenaufbau spielt eine Rolle.
Man unterscheidet zwischen
  • starren und glatten monofilen Fäden,
  • geflochtenen und biegsamen polyfilen Fäden sowie
  • einem Hybrid aus mono- und polyfil, den pseudomonofilen Fäden, die mit impermeablem Material ummantelt sind.
Die Stärke eines Nahtfadens wird entweder in United States Pharmacopeia (kurz USP) oder metrisch angegeben. Die Stärke der Fäden reicht dabei von USP 0-0, das entspricht 0,35 Millimetern, bis zu USP 5-0, was 0,1 Millimetern entspricht. Welche Fadenstärke für welche Wundnaht zum Einsatz kommt, hängt von den Gegebenheiten des zu versorgenden Gebietes ab. Zudem wählt der Behandler nach Erfahrung aus.

Nadelhalter

Bei einem Nadelhalter handelt es sich um ein medizinisches Instrument, das verwendet wird, wenn Wunden verschlossen werden müssen. In der Zahnmedizin ist dies vor allem dann der Fall, wenn im Rahmen einer Behandlung ein größerer Schnitt gesetzt werden musste. Dabei dient der Nadelhalter dazu, die Nahtnadel mithilfe eines Arretierungsmechanismus festzuhalten. Hierdurch wird verhindert, dass sich die Nadel unkontrolliert bewegt. Der Zahnarzt kann also durch die gemeinsame Anwendung von Nahtnadel und Nadelhalter Wunden präzise vernähen.

Nekrose

Unter einer Nekrose versteht man eine morphologische Veränderung von Gewebe, deren Ursache der Tod der Gewebezellen ist. Die durch den Zelltod ausgelöste Gewebsschädigung ist meist irreparabel (akzidenteller Zelltod). Sind viele Zellen eines Zellverbandes vom Zelltod betroffen, spricht man von einer Nekrose.


Auslöser einer Nekrose

Eine Nekrose kann durch eine mechanische oder chemische Einwirkung ausgelöst werden, wiederum ausgelöst durch Ischämie (pathologisch verminderte oder aufgehobene Durchblutung des Gewebes) oder weitere biochemische Prozesse – wie ATP-Mangel und Einfluss von Sauerstoffradikalen. Hierdurch kann es zu Schädigungen an den Zellmembranen, den Organellen, der DNA oder den Zellverbänden kommen. Diese Schäden sind zunächst reversibel. Potenzieren sich die beschriebenen Prozesse jedoch, so können die Schäden nicht durch die Zellen repariert werden. Im ungünstigen Krankheitsverlauf kippt das Ganze am sogenannten „Point of no return“ in einen irreversiblen Prozess. Denn zugrunde gegangene Zellen setzen Enzyme frei, die wiederum Schädigungen im sie umgebenden Raum beziehungsweise an Nachbarzellen zur Folge haben. Makroskopisch ist eine Nekrose zunächst an einer blassen Schwellung zu erkennen. Im weiteren Prozessverlauf kommt es zu einer lehmgelben Koagulationsnekrose – vor allem in proteinreichen Organen und auch im Bereich der Muskulatur. Sauerstoffmangel führt zu einer Gewebeansäuerung, die eine Denaturierung der Proteine zur Folge hat. Das strukturelle Gefüge bricht zusammen. Nach einigen Tagen zeigt sich ein roter Rand.


Nekrose in der Zahnmedizin

Nekrotische Prozesse im dentalen Bereich können sich vor allem im Bereich der Pulpa zeigen. Einer sogenannten Pulpanekrose geht meist eine unbehandelte Entzündung der Pulpa voraus. Im Ernstfall ist diese Pulpanekrose irreversibel. Als ursprünglicher Auslöser kommen kariöse Läsion aber auch thermische Einflüsse infrage. Letztere können etwa bei einer Präparation mit einem rotierenden Instrument ohne Wasserzufuhr geschehen. Auch eine zu lange Lichtpolymerisation, bei der die Temperatur der Pulpa in einen schädlichen Bereich steigt, können eine Nekrose auslösen. Darüber hinaus kann durch ein akutes Trauma, verursacht durch einen Schlag/Stoß oder einen Sturz, eine Pulpanekrose entstehen. Hierbei ist vor allem die Unterbrechung der Blutzufuhr durch das einwirkende Trauma der auslösende Prozess, welcher zum Gewebetod am betroffenen Zahn führt. 

Nichtinvasiv

Nichtinvasiv, auch non-invasiv genannt, bezeichnet nicht eindringend (non = nicht, invasiv = eindringend). Das meint alle Eingriffe und Untersuchungen, bei denen keine Verletzung am Körper beziehungsweise im Mund stattfindet, beziehungsweise nicht mit Instrumenten chirurgisch in den Körper „eingedrungen“ wird. Wird von minimal-invasiv gesprochen, heißt das, dass der jeweilige Eingriff möglichst schonend für den Körper vorgenommen wird. Diese Bezeichnungen definieren also Art und Umfang des Eingriffs. Ein Beispiel für einen nichtinvasiven Eingriff ist das Anfertigen einer Röntgenaufnahme. 

Notfallkoffer

Zahnärzte sind gesetzlich dazu verpflichtet, sich für Notfälle vorzubereiten, die bei ihrer Arbeit auftreten können. Dazu gehört auch, dass jede Praxis einen Notfallkoffer griffbereit haben sollte, der medizinische Ausrüstung und Medikamente enthält, um einen möglichen Notfallpatienten zu stabilisieren. Die genaue Zusammenstellung eines solchen Notfallkoffers ist variabel.
 

Mögliche Notfälle in der Zahnarztpraxis

Zu den potenziellen Notfällen, die in einer zahnärztlichen Praxis auftreten können, zählen: eine starke allergische Reaktion (anaphylaktischer Schock), zirkulatorische Synkope (Kreislaufkollaps), Hyperventilationssyndrom (funktionelle Atemstörung mit extremer Erhöhung der Atemfrequenz und Atemtiefe), Hypoglykämie (niedriger Blutzuckerspiegel), Angina Pectoris (Herzenge), Myokardinfarkt (Herzinfarkt), Hypertensive Krise (massiver, spontaner Blutdruckanstieg), ein Schlaganfall oder ein Krampfanfall etwa bei Epilepsie.


Möglicher Inhalt des Notfallkoffers

Der Inhalt des Notfallkoffers dient dazu, die Erste-Hilfe-Maßnahmen am Patienten zu unterstützen.
Er kann unter anderem enthalten:
  • Diagnostische Geräte, um die Schwere des Notfalls einzuordnen (zum Beispiel Blutdruckmessgerät, Stethoskop, Blutzuckertestgerät, Pupillenleuchte, Defibrillator, EKGSichtgerät, Sauerstoffsättigungsgerät)
  • Verbandmaterial und Zubehör (Wundkompressen, Mullbinden, Pflaster, Schere, Rettungsdecke)
  • Beatmungsequipment (Beatmungsbeutel/-masken, Verlängerungsschlauch für das Sauerstoffgerät)
  • Infusionen (NaCl-Infusionslösung, Ringer-Infusionslösung, Infusionsbesteck)
  • Injektionsmaterialien (Spritzen, Kanülen, Tupfer) 
Damit der Notfallkoffer immer einsatzbereit ist, sollte er nach jedem Gebrauch wieder aufgefüllt werden. Außerdem muss regelmäßig kontrolliert werden, ob Materialien das Ablaufdatum überschritten haben. Der Notfallkoffer gibt Behandler und Team medizinisches Material an die Hand, Patienten im Notfall bis zum Eintreffen des Notarztes zu stabilisieren und eine Erstversorgung zu gewährleisten. Für eine erfolgreiche Erstversorgung ist es zudem unabdingbar, dass das Praxisteam für solche Notfälle geschult ist und die Abläufe für den Ernstfall regelmäßig trainiert werden. 

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Oberflächenanästhesie

Eine Oberflächenanästhesie kann oberflächliche Schmerzen mildern. Diese können durch Verletzungen der Schleimhaut des Patienten entstehen. Beispielsweise durch das Anbringen einer Kofferdamklammer, Kanüleneinstiche oder durch eine Messung der Sondierungstiefe. In einigen Fällen ist die Oberflächenanästhesie auch die einzig notwendige Form der Anästhesie. Die hierbei verwendeten Substanzen – zum Beispiel Lidocain oder Tetracain – werden auf die Schleimhäute aufgetragen. Daraufhin dringen sie in diese ein und betäuben die an der Oberfläche liegenden Nervenendigungen. 


Oberflächenanästhesie nicht überdosieren

Die Wirkung von Oberflächenanästhetika und anderen Anästhesien ist kumulativ. Sie kann sich also im Behandlungsverlauf addieren. Gerade bei einer großflächigen Oberflächenanästhesie besteht so die Gefahr einer Überdosierung, die sich schnell auch im toxischen Bereich bewegen kann. Deshalb ist bei der Anwendung größte Vorsicht geboten.

Okklusal

Okklusal ist eine der zahlreichen Lage- und Richtungsbezeichnungen in der Mundhöhle und bezeichnet den Bereich der Kaufläche beziehungsweise die Richtung zur Kaufläche hin. Diese Richtungsbezeichnungen erleichtern im Praxisalltag die Kommunikation zwischen Zahnarzt und Helferin/ZFA/ZMF. Denn dadurch weiß jeder sofort, von welchem Bereich im Mund des Patienten gerade die Rede ist.

Okkluspray

Bei einem Okkluspray handelt es sich um ein Gemisch von organischen Lösungsmitteln. Es wird auch als „Okklusionsspray" bezeichnet und ist im Grunde eine Variante des Okklusionspapieres.

Einsatz von Okkluspray

Okkluspray wird zumeist in zahntechnischen Laboren angewendet. Es dient dort der Sichtbarmachung von Kontaktpunkten und Kontaktflächen, beziehungsweise von Störkontakten bei prothetischen Arbeiten (Verlinkung Prothetik), was durch einen – in der Regeln neongrünen – Farbmittelzusatz ermöglicht wird. Auf diese Weise können Primärteile, Kronen, Klammerpassungen, sowie Sekundär- und Tertiärstrukturen besser angepasst werden. Das Spray ist sowohl abwaschbar als auch abstrahlbar und nur zur temporären Verwendung bestimmt. Im kleineren Rahmen wird das Spray auch in der zahnmedizinischen Praxis angewendet, insbesondere bei Anpassungen von prothetischen Arbeiten oder auch bei Aufpasskorrekturen von Sekundärteilen.

OPG

Das Orthopantomogramm, kurz OPG oder auch „Panoramaschichtaufnahme“ ist eine Methode der bildgebenden Befundmöglichkeit. Bei einem OPG wird eine zweidimensionale Röntgenaufnahme des Ober- und Unterkiefers und aller umliegenden Strukturen (Kiefergelenke, Sinus Maxillaris, Orbita, äußerer Gehörgang, des Zungenbeins sowie Teilen der Halswirbelsäule) erstellt. Neben den intraoralen Zahnfilmaufnahmen gehören Orthopantomogramme (OPG) zu den wichtigsten bildgebenden Verfahren in der Zahnmedizin. In über 95 Prozent der Fälle kann ein OPG einen bestimmten, röntgenologisch nachweisbaren Befund darstellen und so Anhaltspunkte für die weitere Behandlung liefern. Für Übersichtsaufnahmen und hier insbesondere für chirurgische Fragestellungen ist das OPG das Mittel der Wahl. Besonders gut eignet es sich für Erstuntersuchungen von Patienten (primäre Diagnostik), da es eine vergleichsweise geringe Strahlenbelastung mit einem hohen Anteil an Nebenbefunden verbindet.


Anwendungsfälle

OPG Neben dem bereits beschriebenen Anwendungsbereich ist die Anfertigung eines OPG auch in den folgenden Fällen empfehlenswert:
  • im Rahmen der Kinderzahnheilkunde/Kieferorthopädie zur Frühdiagnostik von Fehlentwicklungen der Zahnleiste (beispielsweise eine Dentitionskontrolle, Bestimmung des Zahnalters, des Mineralisationsstands oder der Zahnanlagen beziehungsweise NichtAnlagen)
  • in der Chirurgie bei „Sanierungsfällen“ (multiple, zerstörte Zähne)
  • vor und nach operativen Eingriffen (hierfür auch Teil-OPG möglich)
  • bei Zahnretentionen (verlagerte Zähne)
  • bei Traumata
  • bei unklaren zystischen oder ausgedehnten pathologischen Befunden
  • bei Asymmetrien des Gesichts beziehungsweise der Kiefer (Ober- und Unterkiefer)
  • bei Verdacht auf odontogene (auf die Zähne beziehend) Kieferhöhlenerkrankungen

Oralchirurgie

Die Oralchirurgie ist ein Fachgebiet innerhalb der Zahnmedizin. Sie beschäftigt sich vor allem mit chirurgischen Eingriffen im Mundraum, die sich nicht allein auf die Zähne beziehen, sondern ein breites Spektrum umfassen. Hierzu gehören etwa Wurzelspitzenresektionen, Weisheitszahnentfernungen, Extraktionen, Augmentationen und Sinuslifte. Aber auch Implantationen und Explantationen, die Behandlung von Traumata sowie die Erkennung und Behandlung von Schleimhaut- und Kieferveränderungen fallen in das Gebiet der Oralchirurgie. Bestimmte zahnärztliche Maßnahmen wie zum Beispiel die Füllungstherapie gehören nicht zum Schwerpunktgebiet eines Oralchirurgen. Er kann sie auch durchführen, ist aber– in enger Zusammenarbeit mit dem überweisenden Zahnarzt – auf chirurgische Eingriffe wie die oben beschriebenen spezialisiert. Dieses Fachgebiet erfordert ein hohes Maß an Spezialisierung seitens des Behandlers. Deshalb muss ein Zahnmediziner eine vierjährige Fachausbildung durchlaufen, bevor er sich „Oralchirurg" nennen darf.

Orangenöl

Orangenöl, also das reine Öl aus der Bitterorange, kann als Reinigungsmittel dienen – vergleichbar dem Terpentinöl. In der Zahnmedizin wird Orangenöl vor allem im Bereich der Instrumentenreinigung eingesetzt. Grundsätzlich eignet es sich ideal zur Reinigung von Edelstahl. Die Oberflächen können damit gesäubert werden. Zudem kann man mit Orangenöl Zinkoxid-Zement aus Kronen und Abformlöffeln entfernen. Auch Dispersionskleber beziehungsweise Etikettenaufkleber lässt sich damit von Instrumenten und von den Händen entfernen.

Ormocer

Der Begriff Ormocer ist ein Kunstwort, das sich aus den Anfangssilben der englischen Bezeichnung für organisch modifizierte Keramik (organically modified ceramics) zusammensetzt. Dabei handelt es sich um eine neuartige Materialgruppe, die als Füllmaterial bei zahnmedizinischen Rekonstruktionen beziehungsweise Füllungsrestaurationen eingesetzt wird. Sie wurde entwickelt, um die Polymerisationsschrumpfung zu senken und die Fluoridabgabe über die Füllung – im Vergleich zu herkömmlichen Kompositen – zu erhöhen. Ormocere unterschieden sich in ihrem chemischen Aufbau von dem der Komposite. Dennoch werden sie bei den gleichen Indikationen eingesetzt wie die Komposite und werden auch vergleichbar verarbeitet.

Füllungsaufbau mit Ormocer

Eine Ormocerfüllung wird ebenso verarbeitet wie eine Kompositfüllung: Zunächst wird ein Kofferdam gelegt, da die zu behandelnde Stelle absolut trocken sein sollte. Anschließend wird die Säure-Ätz-Technik angewendet und ein Dentinhaftvermittler verwendet, der für dieses System geeignet ist. Der Nachteil von Ormocer im Vergleich zum Komposit ist die größere Schrumpfungskraft. Diese kann dazu führen, das verstärkt Spannungen des Materials an der Zahnhartsubstanz auftreten. Hierdurch entstehen mitunter Frakturen innerhalb der Füllung.

Osteotomie

Der Begriff Osteotomie bezeichnet eine operative Durchtrennung von Knochen oder Knochenfragmenten. Durchgeführt wird ein solcher Eingriff vor allem bei einer Fehlstellung des Knochens als eine sogenannte Umstellungsosteotomie oder auch Korrekturosteotomie. Dabei werden die Knochen wieder in der gewünschten Position zusammengesetzt und fixiert (Osteosynthese). Neben dem Einsatz im Bereich der Orthopädie wird die Osteotomie auch in der Zahnmedizin angewendet.


Osteotomie in der Zahnmedizin

Eine untypische Lage von Zähnen oder Zahnfragmenten im Kiefer, stark verkeilte Weißheitszähne, frakturierte Zähne nach Traumata oder zurückgebliebene Wurzelreste im Kiefer – dies alles können Gründe für eine Osteotomie in der Zahnmedizin sein. Auch bei einer Bissfehlstellung, an der der Kiefer beteiligt ist, reicht unter Umständen eine kieferorthopädische Therapie zur Korrektur nicht aus. Manchmal müssen einzelne Zähne entfernt werden. Sind die betroffenen Zähne so retiniert im Kiefer gelagert, dass Knochensubstanz abgetragen werden muss (die Zähne also „ausgegraben“ werden müssen), ist dies ein Fall für eine Osteotomie. Der Eingriff kann ambulant mit lokaler Betäubung oder unter Vollnarkose (Intubationsnarkose, kurz ITN) durchgeführt werden.


Vorgehen bei einer Osteotomie

Zunächst wird die Mundhöhle des Patienten mit einer antibakteriellen Mundspüllösung ausgespült. Damit kann man einer potenziellen Infektion während des Eingriffes entgegenwirken. Anschließend wird das Zahnfleisch am Eingriffbereich mit einem Skalpell geöffnet und so das Operationsfeld freigelegt. Mit einem speziellen Instrument, dem sogenannten Raspatorium, kann man die Gingiva möglichst gewebeschonend vom Kieferknochen trennen. Danach werden mit einem Bohrer unter ständiger Wasserkühlung Teile der knöchernen Zahnfächer entfernt, um den Zahn aus seiner Verankerung zu lösen. Wenn der Zahn freigelegt und gelockert ist, wird er mithilfe einer Zange oder eines Hebels aus der Zahntasche extrahiert. Vor dem Vernähen rundet man zunächst den Knochen an den Kanten ab, um so eine Schädigung des Gewebes zu verhindern. 

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Parodontitis

Der Begriff Parodontitis steht für eine entzündliche Erkrankung des Zahnhalteapparats. Diese Erkrankung ist weit verbreitet: Bei circa 50 Prozent der jüngeren Erwachsenen zwischen 35 und 44 Jahren findet sich eine behandlungsbedürftige Parodontitis. Ausgehend von einer Zahnfleischentzündung (Gingivitis) können die zunächst beschränkten entzündlichen Prozesse auf tiefere Anteile des Zahnhalteapparates übergehen und eine Parodontitis hervorrufen. Hauptursache für eine Parodontitis ist die angelagerte Plaque (Zahnbelag) oberhalb und unterhalb des Zahnfleischs. Die darin enthaltenen Bakterien lösen eine Entzündungsreaktion aus und führen zu einer fortschreitenden Zerstörung des Kieferknochens. Ein so erkrankter Zahn ist quasi die Eintrittspforte für schädliche Bakterien. Da diese anschließend in die Blutbahn gelangen können, kann daraus dann eine systemische Beeinträchtigung entstehen.


Folgen der Parodontitis

Durch eine Parodontitis können sich Zähne lockern und Zahnfleischtaschen bilden. Unbehandelt führt diese Erkrankung des Zahnhalteapparats zu Zahnausfall und zu Knochen- und Zahnfleischrückgang. Anders als die reversible Gingivitis stellt die Parodontitis eine irreversible Erkrankung dar. Sie kann gestoppt werden, indem die Zahnfleischtaschen regelmäßig gereinigt werden. Jedoch ist der Zerstörungsgrad in der Regel nicht rückgängig zu machen. Da eine Parodontitiserkrankung über Jahre voranschreitet – insbesondere, wenn sie nicht entsprechend behandelt wird – ist sie besonders im Alter stark ausprägt. Dabei ist zu beachten, dass sich durch Parodontitis das Risiko für weitere Krankheiten wie Schlaganfall, Diabetes und Osteoporose erhöht. 


Parodontitis vorbeugen

Eine gute Zahnpflege ist die erste wichtige Maßnahme, um Parodontitis vorzubeugen. Darüber hinaus sollte regelmäßig eine professionelle Zahnreinigung (PZR) beim Zahnarzt durchgeführt werden. Grundsätzlich gilt für die Parodontitisprophylaxe das Gleiche wie für die Kariesprophylaxe: Ziel bei der Behandlungen ist, die Ansammlung von Plaque auf den Glattflächen der Zähne, in den Zahnzwischenräumen und in der Zahnhalsregion zu verhindern.

Parodontologie

Die Parodontologie ist die Lehre vom Zahnhalteapparat, dem sogenannten Parodontium oder Parodont. Entsprechend befasst sich diese Lehre mit der Histogenese – also der Entstehung – des Zahnhalteapparats, mit dessen Struktur und Funktion, mit pathologischen Veränderungen sowie mit Themen wie der Prophylaxe, Diagnostik und Therapie von Erkrankungen des Parodonts. Folgende Strukturen gehören zum Parodontium: die Wurzelhaut, der Wurzelzement, der Alevolarfortsatz und das Zahnfleisch. Sie alle sorgen dafür, dass die Zähne fest im Kieferknochen verankert sind. Grundsätzlich ist es möglich, diese feste Verankerung der Zähne im Kieferknochen ein Leben lang zu erhalten. Hierzu muss allerdings auf veränderte äußere und innere Umstände – Rücksicht genommen werden.
Über die reine Befestigung hinaus hat der Zahnhalteapparat zudem folgende Aufgaben:
  • Dämpfung der Kaukräfte
  • Abwehr äußerer Noxen
  • Trennung zwischen Mundhöhlenmilieu und Zahnwurzel 

Krankheitsbilder in der Parodontologie

Eine weit verbreitete Erkrankung des Parodonts ist eine Entzündung, die durch mikrobielle Anlagerungen auf den Glattflächen der Zähne und in den Approximalräumen der Zähne hervorgerufen wird, die sogenannte Parodontitis oder umgangssprachlich Parodontose. Diese Entzündung gefährdet den Erhalt der Zähne und muss deshalb in mehreren therapeutischen Schritten behandelt werden. Primär geht es darum, die Beläge auf den Zähnen und Plaque, die sich im Bereich des Sulcus abgesetzt hat beziehungsweise subgingival liegt, weitestgehend zu minimieren. Im Falle solcher Erkrankungen sind regelmäßige Prophylaxetermine besonders wichtig.

Parodontometer

Ein Parodontometer ist ein Untersuchungsinstrument in der zahnmedizinischen Praxis, genauer eine Sonde. Mit diesem auch als Parodontalsonde (PA-Sonde) bezeichneten Instrument werden die Zahnfleischtaschen vermessen. PA-Sonden verfügen über eine stumpfe Spitze, um eine provozierte Blutung zu vermeiden und eine schmerzfreie Behandlung durchführen zu können.


Messungen mit dem Parodontometer

Liegt eine Entzündung vor, kann dies durch eine spontane Blutung beim Eindringen der Sonde über den histologischen Sulkusgrund/Taschenboden festgestellt werden. Bei der Messung der Zahnfleischtasche sollte die PA-Sonde stets unter Zahnkontakt in die Tasche eingeführt und weiter nach apikal  geschoben werden. Dies geschieht dann so tief, bis man einen sanften Widerstand spürt. Die Kraft, die der Behandler bei der Sondierung ausübt, sollte bei circa 0,2 Newton liegen. PA-Sonden sind mit Längenkalibrierungen versehen. Am häufigsten kommt die Marquis/ CP 12 Sonde mit schwarzen Markierungen jeweils nach 3,6,9 und 12 Millimeter zum Einsatz oder die PCP 15 UNC-Sonde mit Markierungen nach jeweils einem Millimeter von 1-15 Millimetern. Anhand dieser Markierungen kann der Behandler die genaue Tiefe der Zahnfleischtasche innerhalb der Parodontaldiagnostik ermitteln und diese entsprechend beurteilen.


Weitere Sondenformen in der Parodontologie

Die WHO-Sonde ist eine weitere wichtige Sonde, die in der Parodontologie zum Einsatz kommt. Sie verfügt über ein kugelförmiges Ende und Markierungen im Bereich von 3,5-5,5 Millimetern und dient der Erhebung des Parodontalen-Screening-Index (PSI). Zudem können mit ihrer Hilfe Konkremente ertastet werden. Der PSI ist Bestandteil der Basisdiagnostik und hilft bei der Beurteilung der Behandlungsbedürftigkeit eines jeden Patienten. Hierzu teilt der Behandler das Gebiss in Sextanten ein und sondiert Innerhalb eines Quadranten alle Zähne an insgesamt sechs Flächen. Der entsprechende Wert auf einer Skala von 0 - 4 wird notiert. 0 steht dabei für „keine Symptome“ und damit auch keinen Behandlungsbedarf. 4 bedeutet eine Sondierungstiefe von mehr als 6 Millimetern. Dann ist eine „Systematische Parodontalbehandlung“ erforderlich bei der eventuell sogar chirurgische Maßnahmen erforderlich sind. 

Parodontose

Umgangssprachlich wird die Parodontitis, also die entzündliche Erkrankung des Zahnhalteapparats, auch als Parodontose – oder veraltet Paradentose – bezeichnet. Noch immer wird dieser Begriff gelegentlich als Synonym für eine chronische Parodontitis verwendet.

Pathogen

Der Begriff „Pathogen“ setzt sich aus den griechischen Wörtern „Pathos“ („Leiden“) und „Genesis“ („Entstehung“) zusammen. Folglich bedeutet „pathogen“, „eine Krankheit verursachend“. Als Substantiv beschreibt das Wort alle Faktoren, die eine Krankheit hervorrufen können. Sowohl Mikroorganismen  als auch Viren, Gifte oder ionisierende Strahlung können beispielsweise ein „Pathogen“ sein. Der Begriff wird jedoch auch als Adjektiv verwendet, um hervorzuheben, dass etwas eine krankheitsauslösende Eigenschaft besitzt. So spricht man etwa von „pathogenen Bakterien“, wenn Bakterien in der Lage sind, eine Infektionskrankheit zu verursachen.


Typen von pathogenen Erregern

Es gibt im Wesentlichen zwei Arten von pathogenen Erregern:


Fakultativ pathogene Erreger

Fakultativ pathogene Erreger können nur bei Wirten mit Immunschwäche eine Krankheit auslösen. Sie sind häufig die Ursache für Atemwegsinfektionen. Unter bestimmten Voraussetzungen können sie aber auch in die Liquorräume (Hohlraumsysteme in Gehirn und Rückenmark) vordringen und eine bakterielle Meningitis (Hirnhautentzündung) hervorrufen. Wenn fakultativ pathogene Bakterien in die Blutbahn eindringen, spricht man von einer „Bakteriämie“. Wenn dabei zusätzlich schwere Allgemeinsymptomatik auftritt, ist von einer „Sepsis“ die Rede.


Obligat pathogene Erreger

Obligat pathogene Erreger rufen hingegen auch bei intaktem Immunsystem Erkrankungen hervor. Sie sind – anders als die fakultativ pathogenen Erreger, die zum Teil zur Normalflora gehören – kein Teil der physiologischen Darmflora und gelangen etwa bei der Nahrungsaufnahme in den Körper und letztlich in den Darm. Ein Beispiel für obligat pathogene Erreger sind bestimmte Enterobakterien. Diese können eine Darmentzündung auslösen (Enteritis), aber auch zu einer Allgemeininfektion wie beispielsweise Typhus führen.

PentamixTM

Der PentamixTM ist ein automatisches Mischgerät für Abformmaterialien. Es wird von der zahnmedizinischen Firma 3M Espe hergestellt und bietet eine Alternative zum Anmischen per Hand oder mittels eines Dispensers. Es ist geeignet für Polyether-Abformmaterial (Impregum), VPS-Abformmaterial (Express) und VPS-Alginatersatz. Gegenüber anderen Methoden bietet das automatische Anmischen mit einem PentamixTM eine Reihe von Vorteilen.


Vorteile des PentamixTM

  • Die Automatisierung des Vorgangs wird Zeit gespart.
  • Das Abformmaterial kann blasenfrei angemischt werden.
  • Die angemischte Menge kann den Erfordernissen der Behandlung angepasst werden.
  • Der Abformlöffel oder die Spritze kann direkt befüllt werden, was unter hygienischen Gesichtspunkten vorteilhaft ist.
  • Standardisierung und effizientere Organisation von Arbeitsabläufen

Periapikal

Periapikal – von griechisch „Peri“ („herum“) und „apikal“ („an der Spitze“) – ist eine der zahlreichen Lage- und Richtungsbezeichnungen in der Mundhöhle und bezeichnet die Wurzelspitze eines Zahns beziehungsweise alles, was die Wurzelspitze betrifft. Diese Richtungsbezeichnungen erleichtern im Praxisalltag die Kommunikation zwischen Zahnarzt und Helferin/ZFA/ZMF. Denn dadurch weiß jeder sofort, von welchem Bereich im Mund des Patienten gerade die Rede ist.

Periimplantitis

Periimplantitis meint eine entzündlich bedingte, ossäre (also den Knochen betreffende) Komplikation um einen Implantatkörper herum. Neben dem Zahnfleisch ist auch der Kieferknochen von der Entzündung betroffen. Man spricht hierbei auch von einer „periimplantären Entzündung“ oder von einer Entzündung des Implantatbetts. Die Vorstufe der Periimplantatitis ist die Mukositis (die Entzündung der das Implant umgebenden Schleimhaut) . Wenn eine Periimplantitis nicht behandelt wird, kann sich das Implantat lockern, oder sogar verloren gehen. Auch besteht die Gefahr des Knochenabbaus. 


Ursachen einer Periimplantitis

Eine Periimplantitis kann zum Beispiel durch mangelnde Mundhygiene entstehen, weswegen eine gute Mundhygiene – wie regelmäßiges Zähneputzen oder auch eine professionelle Zahnreinigung – bei Implantatträgern von besonderer Bedeutung ist. Aber auch andere Faktoren wie Allgemeinerkrankungen, Osteoporose, Diabetes oder Tabakkonsum können zur Entstehung einer Periimplantitis beitragen.


Formen der Periimplantitis

Es gibt zwei Formen der Periimplantitis: Die Periimplantitis superficialis und die Periimplantitis profunda. In beiden Fällen entsteht nach der Sondierung des entzündeten Bereiches eine Blutung (BOP – „Bleeding on probing“). Bei einer Periimplantitis superficialis tritt diese jedoch bei einer Taschentiefe von weniger als 6 Millimetern auf, bei der Periimplantitis profunda bei einer Taschentiefe von mehr als 6 Millimetern.


Diagnose

Gerötetes und druckempfindliches Zahnfleisch im Bereich des Zahnimplantats kann auf eine Periimplantitis hindeuten. Im fortgeschrittenen Stadium kann auch zurückweichendes Zahnfleisch rund um das Implantat beobachtet werden. Auch ein erhöhter Lockerungsgrad kann ein Indiz sein. Für die genaue Diagnose ist jedoch eine radiologische Untersuchung erforderlich.


Therapiemöglichkeiten

Für die Behandlung einer Periimplantitis kommen chirurgische und nicht-chirurgische Methoden infrage. Zu den nicht-chirurgischen Verfahren gehören unter anderem chemische, mechanische oder physikalische Methoden wie beispielsweise Laserbehandlung oder Medikamententherapie. Bleiben letztere Methoden ohne Erfolg, muss jedoch eine chirurgische Therapie erfolgen. Bei dieser werden unter anderem Knochenersatzmaterialien in den zuvor gereinigten Defekt eingebracht.

Periodontitis

Periodontitis ist der englische Begriff für Parodontitis

Plugger

Ein Plugger ist ein Instrument, welches bei der Wurzelkanalbehandlung (Verlinkung) zum Einsatz kommt. Er besteht aus einem Griff aus Edelstahl, der manchmal mit Silikon ummantelt ist und einem stumpfen „Sondenteil“ mit gleichbleibendem Durchmesser. Das Instrumentarium ist dabei in Durchmessern zwischen 0,6 und 1,2 Millimetern erhältlich.


Anwendungsgebiete des Pluggers

Laterale Kondensation

Bei endodontischen Behandlungen wird der Plugger zum Beispiel bei der sogenannten lateralen Kondensation eingesetzt, um am Ende die in den Wurzelkanal eingelegten Guttaperchastifte thermisch im Wurzelkanal abzutrennen. Der Plugger wird dabei zunächst mittels Bunsenbrenner oder durch ein anderes Verfahren erhitzt, bis seine Spitze glüht. Dann wird mittels des erhitzten Instrumentariums der Guttaperchastift im Kanal durchtrennt, was dank der Hitze klebefrei möglich ist. Der eine Teil der Stifte verbleibt dadurch wie gewünscht im Wurzelkanal, während der überschüssige Rest problemlos entfernt werden kann. Der Plugger kann nicht nur zur Durchtrennung von Guttaperchastiften, sondern auch als „Stopfer“ für Wurzelkanalfüllungen verwendet werden. Dabei wird versucht, mit dem dünnen, planen Endbereich des Pluggers die Füllung zu verdichten und zu stopfen.


Vertikale Kondensation

Neben der lateralen Kondensation kann ein Plugger auch bei der vertikalen Kondensation zum Einsatz kommen. Dabei wird der Mastercone beziehungsweise der gewählte Guttaperchastift mit Sealer benetzt und bis zur ermittelten Arbeitslänge in den Wurzelkanal geschoben. Um die Guttapercha im apikalen Bereich zu durchtrennen, wird dann ein glühendes spitzes Instrumentarium als Hitzeträger eingeschoben. Nach dem Entfernen des Hitzeträgers verwendet der Behandler den Plugger, um die verbliebene Guttapercha zu kondensieren. Im nächsten Schritt wird ein weiterer Guttaperchastift auf den bereits im Wurzelkanal befindlichen kondensierten Guttaperchastift geschoben. Dann wiederholt sich der Prozess des Erhitzens mittels Hitzeträger und Kondensierens mittels Plugger. Diese Schritte wiederholen sich, bis der Wurzelkanal von unten nach oben – daher der Name vertikale Kondensation – gefüllt ist.

PMMA

PMMA ist die Abkürzung für Polymethylmethacrylat. Dies ist ein Werkstoff, der vor allem in der Zahnmedizin und der Zahntechnik benutzt wird. Speziell bei prothetischen Arbeiten wie Totalprothesen, Interimsprothesen oder dem Sattel einer Ein-Stück-Gerüstprothese. Als ZweiKomponenten-Kunststoff wird PMMA aus einem flüssigen und einem pulverförmigen Anteil zusammengemischt.


Verwendung von PMMA

Sobald die beiden Komponenten von PMMA miteinander vermischt werden, nimmt das Gemisch an Volumen zu. Bei diesem Vorgang leiten die in der Flüssigkeit enthaltenen Initiatoren eine chemische Reaktion ein, die die im Pulver enthaltenen Monomere (Kunststoffteilchen) zur Verbindung anregt und sie eine Matrix und schließlich ein Polymer (also eine Verkettung von sehr vielen Monomeren) ausbilden lässt. Der Werkstoff durchläuft dabei drei unterschiedliche Phasen.


Gießphase

In der anfänglichen Gießphase haben sich noch kaum Verbindungen zwischen den Monomeren gebildet, wodurch das Gemisch noch sehr flüssig ist. Deshalb lässt es sich in dieser Phase sehr gut gießen.


Zäh-visköse Phase

In dieser Phase hat sich die Matrix weiter ausgebildet und das Gemisch nimmt bereits eine zähere Konsistenz an. Dies ist der ideale Zeitpunkt, um den Werkstoff zu modellieren. Da während der Bildung des Polymers Wärmeenergie frei wird, erwärmt sich das Material.

Teigartige / feste Phase

In dieser letzten Phase kann der Werkstoff gegebenenfalls gepresst werden, etwa in eine Form aus der Prothesenherstellungstechnik.


Vorteile von PMMA

Polymethylmethacrylat verfügt über verschiedene positive Eigenschaften. Hierzu gehören:
  • Reparierbarkeit
  • Einfache Verarbeitung und Bearbeitung
  • Guter Verbund mit Kunststoffzähnen
  • Gute Transluzens (Lichtdurchlässigkeit)
  • Ansprechende Ästhetik, da die Prothese einen Farbton besitzt, der nahezu identisch zur Farbe des Zahnfleisches (Gingiva) ist
  • Gute Farbstabilität
  • Hohe Biokompatibilität, auch wenn eine Allergie vor allem gegenüber den Monomeren nicht ausgeschlossen werden kann
  • Gute physikalische und chemische Eigenschaften

Polyether

Polyether (auch Polyäther) gehört zur Familie der Elastomere (formfeste, aber elastische Kunststoffe) und wird insbesondere in der Präzisionsabformung benutzt. Beispielsweise wird er für die Abformung von festsitzenden und partiellem Zahnersatz und für die Funktionsabformung in der Totalprothetik eingesetzt. Der Werkstoff besteht aus Polyetherpolymer, Weichmachern, Füll-und Farbstoffen sowie Reaktoren. Polyether ist ein Zwei-KomponentenWerkstoff. Die beiden Komponenten werden hierbei durch eine chemische Reaktion namens „Polyaddition“ verbunden.


Vorteile von Polyether

Polyether hat als Werkstoff verschiedene Vorteile.
  • Er ist nicht hydrophil und damit nicht feuchtigkeitsempfindlich, wodurch er sich für den Einsatz in der Mundhöhle gut eignet. 
  • Er ist thixotrop (unter Druck fließend) und erreicht dadurch eine sehr gute Detailwiedergabe. Gerade bei der Abformung von präparierten Kronen und bei unter sich gehenden Stellen ist dies von Vorteil.
  • Er besitzt ein sehr gutes „Rückstellungsvermögen“, geht also nach dem Aushärten immer wieder in seine „Abformstellung“ zurück.
  • Er verfügt über eine solide Dimensionsstabilität, da seine Abschrumpfung bei lediglich 0,2 Prozent liegt.

Sein größter Nachteil ist die sehr lange Abbindezeit: Mindestens sechs Minuten muss der Werkstoff im Patientenmund bleiben, bevor er herausgenommen werden kann.

Polymerisationslampe

Polymerisationslampen werden für die Härtung von Werkstoffen verwendet, die sogenannte „Photoinitiatoren“ enthalten. Diese Substanzen lösen beim Absorbieren von Licht eine als „Photoreaktion“ bezeichnete chemische Reaktion aus, die letztlich zur gewünschten Polymerisation des Werkstoffs führt. In den meisten Kompositen fungiert Campherchinon als Photoinitiator. Es gibt aber auch andere Initiatoren, wie etwa Acylphosphinoxid (in bleachfarbenen Kompositen und Adhäsiven) oder Dibenzoyldiethylgermane.


Voraussetzungen für eine optimale Polymerisation

Für eine effektive Lichthärtung sind folgende Faktoren zu beachten:
  • Wellenlänge: Damit die Polymerisation in Gang gesetzt werden kann, wird eine bestimmte Wellenlänge benötigt, die meist im Bereich von 390 - 510 Nanometern liegt.
  • Lichtintensität: Die Lichtintensität der verwendeten Polymerisationslampe sollte bei circa 1.000 Milliwatt pro Quadratzentimeter liegen.
  • Einwirkdauer: Für eine optimale Durchhärtung der Materialien sollte jede „Lichthärterunde“ mindestens 10 - 20 Sekunden dauern, wobei dies von der aufgetragenen Schichtstärke des Materials abhängt. Je dicker die Schichtstärke, desto länger dauert auch die Lichthärtung. Die Hersteller geben jedoch ein Maximum für die pro Durchgang mögliche Schichtdicke an. Doch auch die maximale Verweildauer der Lampe auf einem Zahn ist begrenzt, da es sonst zu hitzebedingten Schäden am Zahn kommen kann. Die Temperaturdifferenz im Bereich der Pulpa darf sich deshalb nie um mehr als 5,5 Grad Celsius erhöhen.
  • Abstand: Zentral für eine gute Lichthärtung ist auch der richtige Abstand der Polymerisationslampe zum Material, der immer kleiner als 5 Millimeter sein sollte.
  • Sauberkeit: Es ist wichtig, dass sich die Polymerisationslampe in einem ordentlichen und sauberen Zustand befindet. Das gilt insbesondere für den „Kopf“ der Lampe, da Verunreinigungen hier die Lichtintensität vermindern würden.

Werden die aufgeführten Punkte nicht beachtet, besteht das Risiko einer inadäquaten Lichtpolymerisation. Diese führt beispielsweise zu einer verminderten Haftung an der Zahnhartsubstanz, zur Gefahr von Sekundärkaries oder Füllungsfrakturen, zum Auswaschen der Füllung sowie zu verminderter Härte und Abrasionsstabilität des Werkstoffes.


Sicherheitsmaßnahmen

Bei der Durchführung der Behandlung wird die Verwendung einer Schutzbrille mit UV-Filter für den Patienten und eines Blendschutzes für den Behandler und die Assistenz empfohlen.

Präparatespender

Bei einem Präparatespender handelt es sich um ein Behältnis für Desinfektionsmittel, Seife, Handlotion oder ähnliche Flüssigkeiten. Zumeist werden diese Geräte an eine Wand montiert und erlauben dabei eine dosierte Abgabe des enthaltenen Präparats über die eingebaute Düse. Aktiviert wird der Mechanismus für gewöhnlich durch das Herunterdrücken eines Hebels. Es gibt aber auch kontaktlose, sensorgesteuerte Geräte, die bereits dadurch ausgelöst werden, dass man die Hand unter die Düse bewegt. Da durch sie ein kontaminierungsfreies Desinfizieren der Hände möglich ist, sind Präparatespender vor allem bei der chirurgischen Händedesinfektion von großer Bedeutung. Doch auch in fast jedem modernen Behandlungszimmer sind diese Geräte zu finden und gehören damit zum festen Bestandteil eines Hygienekonzepts für Praxen.

Prionen

Prionen sind Glykoproteine. Diese können im menschlichen Körper sowohl in physiologischer als auch in pathologischer Form vorliegen. In ihrer pathogenen Variante lösen solche Glykoproteine sogenannte spongiforme Enzephalopathien aus. Spongiforme Enzephalopathie bezeichnet dabei eine Erkrankung des Gehirns, bei der es sich krankhaft verändert und schwammartig (spongiform) auflöst.


Prionen als Auslöser der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit

Zu den spongiformen Enzephalopathien wird unter anderem die Creutzfeldt-Jakob-Krankheit (CJK) gezählt. Dabei handelt es sich um eine Erkrankung des Nervensystems, die meistens Menschen über 60 Jahre betrifft und innerhalb kurzer Zeit zum Tode führt. Ursache ist, dass die Prionen einen sogenannten Neuronenuntergang hervorrufen, der durch die Bildung von Ablagerungen im Gehirn ausgelöst wird. Die Übertragung von CJK findet zum einen durch Vererbung statt. Zum anderen kann sie auch von einem infizierten Menschen übertragen werden, etwa bei der Transplantation von Organen. Im Frühstadium äußert die Krankheit sich durch Seh- und Schlafstörungen bei den Betroffenen sowie schnell voranschreitende Demenz und psychopathologische Auffälligkeiten. Im späten Stadium der Erkrankung können die Betroffenen Lähmungserscheinungen aufweisen. Ebenfalls kann es sein, dass sie nicht mehr sprechen und sich bewegen und auch keine Emotionen erkennen lassen (akinetischer Mutismus). An der CJK erkranken in Deutschland jedes Jahr ungefähr 100 Menschen, es handelt sich damit um eine recht seltene Erkrankung, man spricht daher auch von sporadischer CJK.


Prionen als Krankheitserreger

Prionen sind eine ganz andere Gruppe von Pathogenen als die bekannten Viren, Bakterien oder Pilze. Sie rufen keine Immunreaktion bei Menschen oder Tieren hervor und besitzen keine proteinkodierende Nukleinsäure. Sowohl die Forschung als auch die Medizin stellen Prionen daher vor neue Herausforderungen. Der genaue Ablauf des Krankheitsverlaufs ist ebenso unerforscht wie die Funktion der Prionen. Sicher ist hingegen, dass Prionen auf iatrogene Weise (also durch ärztliche Maßnahmen), zum Beispiel über kontaminierte Oberflächen übertragen werden können. Umso wichtiger ist daher die Reinigung und hygienische Aufbereitung von Medizinprodukten auch im zahnmedizinischen Bereich, um eine mögliche Prionenbelastung zu minimieren. 
 

Professionelle Zahnreinigung

Eine professionelle Zahnreinigung, abgekürzt PZR, gehört zu den wichtigsten Prophylaxemaßnahmen, die in der zahnärztlichen Praxis durchgeführt werden. Sie trägt dazu bei, Zähne und Zahnfleisch gesund zu halten und vor Erkrankungen wie Karies oder auch Parodontitis zu schützen. Wie oft eine PZR durchgeführt wird, entscheidet der Zahnarzt. Entscheidende Faktoren dabei sind die Mundhygiene des Patienten, wie kariesanfällig seine Zähne sind oder wie sehr er zur Zahnsteinbildung neigt. Häufig erfolgt eine PZR halbjährlich. Die Dauer und die Kosten für eine PZR sind je nach Patientenfall unterschiedlich. In der Regel dauert sie zwischen 45 und 60 Minuten und kostet zwischen 60 und 120 Euro. Die Durchführung der PZR obliegt dem Zahnarzt selbst oder einer Prophylaxeassistentin beziehungsweise Dentalhygienikerin.


Ablauf einer PZR

Voruntersuchung

Vor der Reinigung untersucht der Behandler das Gebiss des Patienten und erhebt für jeden Zahn einen aktuellen Befund. Dieser wird von der ZFA in der Patientenakte vermerkt. 


Reinigen

Im nächsten Schritt werden die harten und weichen Belägen auf den Zahnoberflächen, in den Zahnzwischenräumen und den Zahnfleischtaschen entfernt. Dafür kommen spezielle Instrumente zum Einsatz, zum Beispiel Scaler. Der Zahnstein, der bei vielen Patienten häufig an den Frontzähnen im Unterkiefer vorkommt, wird etwa mit einem Scaler oder einem Ultraschallreinigungsgerät beseitigt. Als Nächstes werden die weichen Beläge entfernt. In den Zahnzwischenräumen geschieht dies mit Zahnzwischenraumbürstchen oder Zahnseide, für die Flächen wird zumeist ein Bürstenaufsatz für das Winkelstück verwendet. Der Genuss bestimmter Nahrungsmittel wie Kaffee oder Tee kann zu hartnäckigen Belägen und Verfärbungen führen. Um diese zu entfernen, kann zusätzlich ein sogenanntes PulverWasserstrahlgerät genutzt werden.


Polieren

Nach dem Entfernen aller Beläge werden die Zahnkronen mit einem Polierkelch und Polierpaste poliert. Dieser Schritt dient dazu, die Zahnflächen und auch Unebenheiten, wie sie bei Übergängen zu Füllungen und Zahnersatz vorkommen können, zu glätten. 


Fluoridieren

Als Letztes werden die Zähne fluoridiert. Das soll die Remineralisation des Zahnschmelzes unterstützen, da dieser fortlaufend Mineralien verliert. Dafür wird ein Gel oder Lack auf die Zähne aufgetragen, in dem Fluorid in hoher Konzentration enthalten ist. Damit das Fluorid ausreichend Zeit hat einzuwirken, darf der Patient im Anschluss für mindestens 30 Minuten nichts essen oder trinken. 


Beraten

Neben der eigentlichen Reinigung gehört zur PZR auch, dass Fragen zur Mundhygiene beantwortet werden. Zudem erhält der Patient Tipps zur richtigen Durchführung der Zahnpflege zu Hause und dazu, worauf es individuell bei ihm besonders ankommt. Ganz gleich, ob das die Putzsystematik, die geeigneten Hilfsmittel oder Produkte betrifft. 

 

Prothesenkunststoff

Kunststoffe, die in der Zahnmedizin zum Einsatz kommen, bezeichnet man auch als dentale Kunststoffe. Dabei handelt es sich um hochmolekulare Verbindungen, welche durch die chemische Umwandlung von Naturstoffen hergestellt werden oder durch die Synthetisierung niedermolekularer Substanzen. Aufgrund des Einsatzgebietes im Mund müssen dentale Kunststoffe über bestimmte Eigenschaften verfügen, dazu zählen etwa: Abrasionsstabilität, chemische Beständigkeit, Festigkeit, Transparenz oder Polierbarkeit. Die genauen Materialeigenschaften dentaler Kunststoffe werden durch die enthaltenen Füllstoffe bestimmt. Dazu gehört auch die Farbe. Prothesenkunststoff einer Teil- oder Vollprothese soll die Mundschleimhaut beziehungsweise das Zahnfleisch imitieren. Er kann deshalb in verschiedenen passenden Farben hergestellt werden – von rosa transparent über rosa opak geadert bis hin zu rosa transparent geadert.


PMMA-Kunststoffe 

Am häufigsten werden PMMA-Kunststoffe verwendet. Daraus werden zum Beispiel Totalprothesen oder Teilprothesen hergestellt. PMMA steht für Polymethylmethacrylat. Dabei handelt es sich um ein sogenanntes Polymer. Als solches bezeichnet man lange unverzweigte Ketten vieler Monomere, die sich nach bestimmten Prinzipien miteinander verknüpfen. Dieser Vorgang wird als Polymerisation bezeichnet. Übrigens kommt PMMA nicht nur in der prothetischen Zahnmedizin, also der Herstellung von Zahnersatz zum Einsatz. Es dient in der konservierenden Zahnheilkunde auch als Verbundwerkstoff bei Zahnfüllungen. Wenn es um vereinzelte Verblendungen innerhalb einer prothetischen Arbeit geht, können auch Komposite zum Einsatz kommen. 


Heiß- und Kaltpolymerisate

Bei der Verwendung von PMMA-Kunststoffen wird zwischen Heiß- und Kaltpolymerisaten unterschieden. Um eine Totalprothese herzustellen, wird ein Heißpolymerisat verwendet. Für die Reparatur von Zahnprothesen nutzt man hingegen ein Kaltpolymerisat. Der Unterschied besteht darin, dass bei Kaltpolymerisaten die Reaktion chemisch gestartet wird. Bei Heißpolymerisaten erfolgt der Start der Polymerisationsreaktion durch Wärmezufuhr. 

Prothetik

Die zahnärztliche Prothetik ist ein Teilgebiet der Zahnmedizin, das sich mit der Behandlung und dem Ersatz von fehlenden Zähnen oder großen Schäden an der Zahnhartsubstanz befasst. Dazu gehören die Diagnostik, die Therapie, die Nachsorge und auch die Prävention. In Fachkreisen bezeichnet man die Prothetik auch als Zahnersatzkunde. Das Fachgebiet der zahnärztlichen Prothetik umfasst nicht allein die Versorgung mit Teilprothesen und Totalprothesen. Dazu gehört auch die Versorgung von Patienten mit Implantaten, Einzelzahnkronen und Brückenkonstruktionen. Ebenso fallen die Therapie von Craniomandibulären Dysfunktionen, ästhetische Arbeiten und die zahnärztliche Werkstoffkunde unter diesen Oberbegriff.


Geschichte der Prothetik

Erste prothetische Versorgungen findet man bereits bei menschlichen Überresten aus dem 2. Jahrhundert vor Christus. Um fehlende Zähne zu ersetzen und damit die Ästhetik, die Kaufunktion und die Phonetik wieder zu verbessern, wurden Zähne zum Beispiel aus Elfenbein, Holz oder Knochen eingesetzt. Mit Hilfe von Kautschuk konnte man im 19. Jahrhundert bereits Zahnersatz fertigen, der gut passte und auch die Kaufunktion verbesserte. Heute wird Zahnersatz vor allem aus Kunststoff und Keramik gefertigt.


Arten der Prothetik 

Man unterscheidet grundsätzlich zwischen zwei Formen der Prothetik: die fest sitzende und herausnehmbare. 


Festsitzender Zahnersatz

Wie der Name schon sagt, kann festsitzender Zahnersatz nicht herausgenommen werden. Brücken oder Kronen werden mithilfe eines Adhäsivsystems oder Zements befestigt. Oder ein Implantat wird quasi als künstliche Zahnwurzel fest im Kieferknochen verankert und darauf die jeweilige Versorgung befestigt.


Herausnehmbarer Zahnersatz

Teilprothesen oder Totalprothesen fallen hingegen unter den Begriff herausnehmbarer Zahnersatz. Totalprothesen erhalten ihren festen Sitz durch anatomische Faktoren (zum Beispiel die Muskulatur), physikalische Faktoren (Adhäsion und Koadhäsion) und prothetische Faktoren (Saugglockeneffekt, Ventilränder). Teilprothesen hingegen halten vor allem durch eine Friktion an den vorhandenen Zähnen. Diese Friktion wird häufig durch Klammern an den restlichen Zähnen im Kiefer erzeugt.


Festsitzend-herausnehmbarer Zahnersatz

Überdies gibt es noch eine Mischform: festsitzend-herausnehmbarer Zahnersatz in Form von Teleskopprothesen. Diese bestehen aus einer Primärkrone (Innenteleskop) aus Metall und einer abnehmbaren Sekundärkrone (Außenteleskop), die in die Teilprothese integriert ist. Die Primärkrone kann entweder auf verbliebenen Zähnen im Patientengebiss (sogenannte Pfeilerzähne) oder Implantaten befestigt sein.


Anfertigung von Zahnersatz

Essenzielle Voraussetzung bei der Anfertigung von Zahnersatz ist die detaillierte Planung. Schließlich gibt es unterschiedliche Formen prothetischer Versorgung: Einzelzahnkrone, Brückenversorgung, Teilkrone, Inlay, Onlay, Overlay (und andere). Ausgewählt werden muss auch aus unterschiedlichen Materialien, die in Frage kommen. Schon bei einer Einzelzahnkrone sind das etwa Gold, Nichtedelmetalllegierungen, Vollkeramik oder ein Metallgerüst mit einer keramischen Verblendung.

Davon abhängig sind dann auch die Kosten, die der Patient zu tragen hat. Sowohl bei der Planung als auch der Herstellung der prothetischen Versorgung arbeitet der Behandler eng mit einem zahntechnischen Labor zusammen, in dem der Zahnersatz gefertigt wird. Es sei denn, es handelt sich um Versorgungen, die der Zahnarzt selbst mittels der Chairside-Technologie in seiner Praxis anfertigt. Für die Anfertigung von Zahnersatz ist nicht nur die prothetische Planung erforderlich. Bei eventuellen Vorerkrankungen braucht es möglicherweise Vorbehandlungen wie eine parodontale Therapie.

Pulpa

Die Pulpa oder Zahnpulpa (auch Zahnnerv) ist neben den Hartsubstanzen Zahnschmelz, Zahndentin und Zahnzement einer der Hauptbestandteile eines Zahns, genauer das Zahninnere. Es handelt sich dabei um ein Weichgewebe, welches die Pulpahöhle (Cavitas dentis oder Cavum dentis) einschließlich der Wurzelkanäle ausfüllt. Dieses Weichgewebe, ein gallertiges Bindegewebe ist durchzogen von einem Geflecht aus Nervenfasern und Blutgefäßen, dem sogenannten subodontalen Gefäß- und Nervenplexus, auch Raschkow Nervenplexus. Diese Nerven und Gefäße treten an der zum Kiefer hin offenen Seite der Pulpahöhle an der Zahnwurzelspitze (Foramen apicale) in den Zahn ein.


Aufbau und Aufgabe der Pulpa

Die Pulpa ist umkleidet von Zellen, die lebenslang Dentin bilden (Odontoblasten). Eine Schicht darunter befindet sich die relativ zellarme Weil-Zone. Noch weiter innen folgt die Zone der Fibroblasten-Zellkörper. Diese Fibroblasten produzieren die Grundsubstanz und Kollagenfasern. Außerdem finden sich noch weitere Zelltypen in der Zahnpulpa wie Ersatzzellen (Mesenchymzellen) und Abwehrzellen wie Lymphozyten und Makrophagen.
Entsprechend kommen der Zahnpulpa folgende wichtige Aufgaben zu:
  • Dentinbildung
  • Ernährungsfunktion
  • sensorische Funktion
  • Abwehrfunktion

Erkrankung der Pulpa

Bei einer Erkrankung der Pulpa handelt es sich meist um eine Entzündung, die sogenannte Pulpitis. Diese wird ausgelöst durch Karies oder durch ein Trauma der Zähne. Bei der Pulpitis kann es zu einem periapikalen Abszess an der Zahnwurzel kommen. Eine solche Entzündung führt zu einer auffallenden Temperatur- und Druckempfindlichkeit der Pulpa. Entsprechend kann zur Abklärung ein Sensibilitätstest oder auch ein Perkussionstest durchgeführt werden. Zudem dient eine Röntgenaufnahme zur Kontrolle der Breite des Periodontalspalts.

Pulpitis

Eine Pulpitis ist eine Entzündung der Pulpa. Die Ursache für diese Entzündung ist meist eine unbehandelte kariöse Läsion. Durch diesen Defekt können die Bakterien ungehindert bis in das Innere des Zahnes vordringen und sich auch im Bereich der Zahnwurzel ausbreiten. Ihre Stoffwechselprodukte rufen dann die Entzündung der Pulpa hervor. Aber auch mechanische, thermische oder chemische Reize können eine Pulpitis auslösen.


Diagnose der Pulpitis

Bei der Diagnose unterscheidet man zwischen einer reversiblen und einer irreversiblen Pulpitis. Bei der reversiblen Pulpitis ist die Schädigung der Pulpa reversibel, also umkehrbar. In diesem Fall empfindet der Patient den Schmerz vor allem dann, wenn er kalten Getränke und Speisen zu sich nimmt. Danach klingt der Schmerz jedoch bald wieder ab. Dagegen ist bei einer irreversiblen Pulpitis die Pulpa zwar noch vital jedoch ist die Entzündung so weit fortgeschritten, dass sie unumkehrbar (irreversibel) ist. Heiße, kalte, süße oder saure Speisen und Getränke können Schmerzauslöser sein. Zudem dauert der Schmerz auch nach dem Konsum an. Zusätzlich können Spontanschmerzen auftreten etwa in der Nacht. In manchen Fällen hilft ein Röntgenbild bei der Diagnose. Dort ist zumindest bei manchen Patienten eine Veränderung am Periapex zu erkennen. Meistens ist der Zahn zudem perkussionsempfindlich. Dies lässt sich durch einen sogenannten Perkussionstest prüfen. Dabei klopft der Zahnarzt vorsichtig mit dem Griff der zahnärztlichen Sonde auf den betroffenen Zahn. Liegt eine irreversible Pulpitis vor, führt dieser Test zu einem unangenehmen Scherz. Im weiteren Entzündungsverlauf einer irreversiblen Pulpitis kann es zu einer Pulpanekrose kommen, also zu einem Absterben der Pulpa. Bildet sich im Rahmen der Nekrose ein Abszess, so können starke pulsierende Schmerzen auftreten sowie eine starke Wärmeempfindlichkeit. 


Behandlung der Pulpitis 

Bei einer Pulpanekrose oder einer irreversibel geschädigten Pulpa wird mit einer endodontischen Behandlung therapiert. Ziel ist die langfristige Erhaltung des Zahnes, wobei die gesamte Pulpa entfernt und der Wurzelkanal mit einem geeigneten Füllungsmaterial verschlossen wird. Dagegen wird bei einer reversibel geschädigten Pulpa lediglich die Karies entfernt und der pulpanahe Bereich mit einem Medikament überkappt. Um einer Pulpitis vorzubeugen, sollte eine regelmäßige Mundhygiene erfolgen. Dies bedeutet, dass mindestens zweimal täglich, morgens und abends, die Zähne geputzt und die Zahnzwischenräume mit Zahnseide gereinigt werden sollten. 

Pulverstrahler

Pulverstrahler beziehungsweise Pulverstrahlgeräte oder auch Air-Flow-Geräte werden in der Zahnmedizin im Rahmen einer professionellen Zahnreinigung verwendet. Bei der sogenannten Pulverstrahltechnik wird in einem speziellen Gerät das Reinigungspulver – üblicherweise auf Natriumbicarbonat-Basis – mit Wasser und Luft gemischt und dieses Gemisch auf die Zähne gegeben. Hiermit können hartnäckige Verfärbungen wie Kaffee- oder Teeverfärbungen und bakterielle Beläge wirkungsvoll entfernt werden. Mit dem Pulverstahler erreicht man auch schwer zugängliche Bereiche wie die Zahnzwischenräume und die hinteren Backenzähne. Üblicherweise wird die Air-Flow-Methode oberhalb des Zahnfleisches, also supragingival, angewendet. Zudem kann man die Technik auch subgingival zum Einsatz bringen und so die Zahnfleischtaschen reinigen. 


Wirkung der Pulverstrahl-Technik

Die Pulverstrahler-Anwendung ist eine sanfte Methode. Mittels kinetischer Energie werden hiermit Verfärbungen und Beläge auf den Zähnen sanft entfernt. Der Zahnschmelz wird dabei nicht geschädigt. Auch die Kratzgeräusche, die viele Patienten von der professionellen Zahnreinigung kennen, bleiben aus. Mit einem Abstand von 3 bis 5 Millimetern zum Zahn bringt die Pulverstrahldrüse das Pulver-Wasser-Luftgemisch auf die Zahnoberfläche auf. Durch einen Behandlungswinkel von 30 bis 60 Grad zur Zahnachse werden Reizungen der Gingiva weitestgehend vermieden. Das Pulver wird in verschiedenen Geschmacksrichtungen angeboten, was es angenehmer für den Patienten macht. Im Anschluss an die Air-Flow-Anwendung spült der Patient das Pulver aus und dann wird die Zahnoberfläche mit einer Polierpaste poliert. Danach werden sämtliche Zahnflächen fluoridiert.

Q

Quecksilber

Quecksilber ist ein silberweißes Schwermetall, das bei Raumtemperatur flüssig ist. Im Allgemeinen gilt es als giftig – insbesondere dann, wenn es eingeatmet wird. Bei der Aufnahme über den Verdauungstrakt gilt Quecksilber in kleineren Dosen jedoch als ungefährlich. Zwar kann es grundsätzlich Vergiftungen verursachen, jedoch wird es zum großen Teil wieder ausgeschieden. 


Quecksilber in der Zahnmedizin

In der Zahnmedizin wird Quecksilber als Bestandteil von Amalgam-Füllungen eingesetzt. Das Füllungsmaterial (siehe auch Amalgamabscheider) beinhaltet außer Quecksilber noch ein Feilungspulver, das sogenannte Alloy. Dies wiederum ist eine Legierung aus Silber, Zinn und Kupfer. Bei der Hinzugabe von Quecksilber werden aus den Alloypartikeln Silber und Zinn herausgelöst. Dadurch entstehen zwei Hauptphasen: Die Gamma-1- und Gamma-2-Phase. Aufgrund der Gamma-2-Phase ist Amalgam korrosionsanfällig, denn bei der Korrosion lösen sich Zinn und Quecksilber aus der instabilen Gamma-2-Phase. Zinn oxidiert durch den Luftsauerstoff. Quecksilber diffundiert in die Füllung und reagiert mit noch nicht umgesetzten Feilungspartikeln der Gamma-2-Phase. Eine Expansion der Füllung ist die Folge und führt zu einem undichten Randschluss der Füllung. Seit dem Jahr 1992 werden nur noch ausschließlich Gamma-2-freie Amalgame verwendet, welche wesentlich korrosionsstabiler sind. Amalgamfüllungen gelten als günstige Versorgung und haben eine gute Haltbarkeit. 


Belastung durch Quecksilber

Zu einer Quecksilberbelastung kommt es beispielsweise beim Ausbohren von Amalgamfüllungen. Dabei verdampft das Schwermetall und wird als Aerosol freigesetzt. Seit einigen Jahren gibt es auch deshalb eine anhaltende Diskussion über die Verwendung von Amalgam in der zahnärztlichen Füllungstherapie. Jedoch gehört Amalgam auch zu den am besten erforschten Füllungswerkstoffen. Und zu denen, die am längsten im Einsatz sind: Bereits vor 150 Jahren verwendete man Amalgame in der konservierenden Zahnheilkunde. Vonseiten der Wissenschaft gibt es keinen begründeten Verdacht, dass Amalgamfüllungen negative Auswirkungen auf den gesundheitlichen Zustand des Patienten haben. Schließlich konnte bislang keine von einer Amalgamfüllung ausgelöste Quecksilbervergiftung wissenschaftlich belegt werden.

Qualitätsmanagement

Unter Qualitätsmanagement (QM) versteht man in der Zahnarztpraxis Maßnahmen, mit denen die Qualität der Organisation, der Arbeitsabläufe und der Ergebnisse fortlaufend und systematisch gefördert und verbessert werden soll. Im Rahmen eines sogenannten Qualitätskreislaufs werden alle diese Bereiche daher regelmäßig überprüft, dokumentiert und – falls erforderlich – angepasst. Ziele eines Qualitätsmanagements in der Praxis sind es, die Versorgung und Zufriedenheit der Patienten sowie die interne Organisation ständig zu sichern und auch zu verbessern. 


Qualitätsmanagementsysteme in der Zahnarztpraxis

Um diese Ziele zu erreichen, sind sogenannte Qualitätsmanagementsysteme (QM-Systeme) in der Praxis erforderlich. Richtlinien, die einen Mindeststandard regeln, sorgen dafür, dass Praxen dabei einen gewissen Handlungsspielraum haben. Wichtig ist, dass ein QM-System individuell auf die Praxis zugeschnitten ist. Schließlich sind in jeder Praxis die Bedürfnisse von Inhabern, Mitarbeitern und Patienten unterschiedlich. Dahinter steht die Auffassung, dass das praxisinterne Qualitätsmanagement ein Mittel sein muss, um sowohl die gesetzlichen Vorgaben als auch die sehr individuellen Anforderungen der modernen Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde systematisch zu steuern. Damit ein QM-System in einer Praxis auch erfolgreich funktioniert, gilt es allen Mitarbeitern diesen Sachverhalt bewusst zu machen. Die Landeszahnärztekammern helfen ihren Mitgliedern dabei dies zu erreichen, um so das passende QM-System für die eigene Praxis zu finden und zu implementieren. 

R

Raspatorium

Das Raspatorium gehört zu den Instrumenten, die in der zahnärztlichen Chirurgie zum Einsatz kommen, zum Beispiel beim Setzen von Implantaten oder bei der Wurzelspitzenresektion. Der Zahnarzt verwendet es, um Gewebe, zum Beispiel Teile der Gingiva, schonend vom Knochen zu lösen. Dies wird auch Lappenmobilisation genannt. Ein Raspatorium kann aber auch genutzt werden, um bei einer OP Gewebe oder mobilisierte Gingivabereiche abzuhalten und so freie Sicht auf den Bereich zu haben, der operiert wird. Eines der in der zahnärztlichen Chirurgie am häufigsten verwendeten Raspatorien ist das Raspatorium nach Willinger. Es hat eine abgerundete (konkave) und eine scharfe (konvexe) Seite. Die abgerundete Seite dient hauptsächlich dazu, das Mukoperiost (die mit der Knochenhaut verwachsene Mundschleimhaut in der Mundhöhle) abzupräparieren. Für Exkochleationen, also zum Ausschaben einer knöchernen Höhle, nutzt man hingegen oft die konvexe scharfe Seite des Raspatoriums. Dies ist zum Beispiel bei der Zystostomie, also der Entfernung von Zysten in der Mundhöhle, der Fall. Das sogenannte Elevatorium nach Freer wird vor allem bei feineren Präparationen verwendet

Recall

Der sogenannte Recall hat sich in der Zahnmedizin als Mittel für routinemäßige Kontrollen bewährt. Hauptsächlich spricht man von Recall im Anschluss an eine Parodontitisbehandlung. Der Terminus kann aber auch in Bezug auf eine Erinnerung, zum Beispiel an den turnusmäßigen Kontrolltermin beim Zahnarzt, genutzt werden.

Als erhaltungstherapeutische Maßnahme muss der Behandler dem Patienten nach jeder Parodontitisbehandlung einen regelmäßigen Recall anbieten. Dies ist für den Erfolg der Behandlung auch zwingend notwendig. Denn bei dieser Erkrankung ist es dringend erforderlich, den Zustand von Zähnen und Zahnfleisch nach durchgeführter Therapie weiter zu beobachten. Ziel ist es, dass die subgingivale Mundflora, beziehungsweise der darin enthaltene Anteil an pathogener Mikroflora, einen bestimmten Schwellenwert nicht übersteigt.
Um dies zu gewährleisten, umfasst der Recall:
  • Reevaluation: Dazu gehört, dass Plaque- und Gingiva-Indizes aufgenommen, der Attachementverlust ermittelt und falls nötig alle zwei bis vier Jahre neue intraorale Röntgenbilder angefertigt werden.
  • Reinstruktion beziehungsweise Remotivation: Die Mundhygiene des Patienten wird kontrolliert und er erhält unter Umständen Instruktionen zur weiteren Optimierung.
  • Scaling und Wurzelglättung: Dies umfasst supragingivales Scalen und subgingivale Wurzelglättung an Zähnen mit Attachementverlusten und parodontalen Taschen.

Organisation eines Recall-Systems

Um ein erfolgreiches Recall-System in der Praxis zu implementieren, sollte der Patient gefragt werden, ob er überhaupt eine regelmäßige Benachrichtigung (Reminder) wünscht und sein Einverständnis schriftlich mitteilen. Um die Recall-Termine leichter zu organisieren und die Patienten rechtzeitig zu informieren, haben bereits viele Praxis-EDV-Systeme eine entsprechende Recall-Funktion.

Retraktionsfaden

Ein Retraktionsfaden ist ein Hilfsmittel, um das Zahnfleisch vom Zahnhals zu verdrängen und es für einen gewissen Zeitraum zurückzuhalten. Dafür wird er in den Sulcus zwischen Zahn und Zahnfleisch gelegt. Erforderlich ist solch ein saugfähiger Retraktionsfaden immer dann, wenn der Behandler in einem Bereich unterhalb des Zahnfleischrandes arbeitet oder die Darstellung dieses Bereichs erforderlich ist. Vorwiegend kommt ein Retraktionsfaden daher beim Anfertigen von Präzisionsabformungen für die Herstellung von Kronen oder Brücken zum Einsatz. Um die erforderliche Randdichtigkeit zu erreichen, muss die Abformung die Präparationsgrenze genau abbilden. Ein Retraktionsfaden kann aber auch bei tieferen Füllungen oder Zahnhalsfüllungen genutzt werden, um das Zahnfleisch zu schützen. 


Arbeiten mit Retraktionsfäden

Die Länge des Fadens muss dabei für die Zirkumferenz/den Umfang des betreffenden Zahnes passend sein. Damit er seine Wirkung entfalten kann, lässt man den Retraktionsfaden für die vom Hersteller empfohlene Zeit im Sulcus gingivalis verweilen. Meistens sind Retraktionsfäden noch mit gefäßverengenden und blutstillenden Mitteln getränkt. Retraktionsfäden gibt es in unterschiedlichen Durchmessern von 0,5 - 1 Millimeter.

Retrograde Wurzelfüllung

Die retrograde Wurzelfüllung ist eine chirurgisch-endodontische-Maßnahme bei einer Wurzelspitzenresektion. Sie ist eine der letzten Maßnahmen, um einen Zahn zu erhalten, wenn herkömmliche Methoden der Wurzelkanalbehandlung nicht (mehr) angewendet werden können. Dies ist dann der Fall, wenn der Zahn bereits wurzelkanalbehandelt wurde oder wenn eine adäquate Wurzelfüllung von coronal/orthograd nicht durchführbar ist, etwa weil der Verlauf des Wurzelkanals dies nicht zulässt.


Durchführung

Die retrograde Wurzelfüllung findet im Rahmen einer Wurzelspitzenresektion (WSR) statt. Bei diesem Eingriff wird nicht allein die Wurzelspitze entfernt, sondern auch ein Teil der alten Wurzelkanalfüllung, sowie das angrenzende Dentin. Dadurch entsteht im Bereich des resezierten Wurzelendes ein Loch, welches mit einem Füllwerkstoff wie zum Beispiel Glasionomerzement verschlossen wird. Dieses apikal, also von unten ausgeführte Verschließen des Zahns wird retrograde Wurzelfüllung genannt.


Ziel der Behandlung

Ähnlich wie bei einer normalen Wurzelfüllung geht es darum, einer Entzündung im Bereich der Zahnwurzelspitze entgegenzuwirken beziehungsweise zu verhindern, dass diese erneut auftritt. Außerdem wird im Zuge der Wurzelspitzenresektion potenziell infektiöse Zahnhartsubstanz entfernt.


Verwendete Materialien

Als Wurzelfüllungsmaterial können neben Glasionomerzement (GIZ) auch verstärkte ZinkoxydEugenol-Zemente, Mineral Trioxid Aggregate (MTA), Komposite und Dentinbondings, Guttapercha, sowie Cermet-Zement zum Einsatz kommen. Alle Materialien, die für retrograde Wurzelfüllungen eingesetzt werden, zeichnen sich unter anderem durch eine einfache, feuchtigkeitsunabhängige Applikation, ein hohes Abdichtungsvermögen, Biokompatibilität, Röntgendichtigkeit, schnelles Abbindevermögen, Randdichtigkeit und eine gute Kondensierfähigkeit aus. 

Reziproke Aufbereitung

Die reziproke Aufbereitung ist ein maschinelles System, welches in der Endodontologie zum Einsatz kommt. Hierbei wird speziell designte Nickel-Titan-Feile verwendet. Diese Feile ist pseudoelastisch und besitzt dadurch einen Memory-Effekt, der sie ideal für den Einsatz bei Wurzelkanalaufbereitungen macht. 


Funktionsweise

Die Feile dreht sich in einer alternierenden Rotationsbewegung und kann so bis zu 3 Wurzelkanäle bis zur Wurzelspitze (Apex) aufbereiten. Durch das spezielle Feilendesign geschieht das mit einem raschen Vortrieb bei kräftiger Kanalerweiterung, wodurch die Aufbereitung relativ schnell und dennoch sauber erfolgen kann. Der anfallende Substanzabtrag wird durch regelmäßiges Spülen des Kanals mittels EDTA entfernt. 


Mehr Sicherheit durch elektronische Längenmessung

Darüber hinaus kann die Kanalaufbereitung mit einer elektronischen Längenmessung kombiniert werden, um eine Aufbereitung über die Wurzelspitze hinaus zu verhindern. Neben einem optischen Signal ertönt dabei in Apexnähe zusätzlich eine akustische Warnung und beim Erreichen des Apex ein Dauerton. An diesem Punkt wird der Vortrieb automatisch gestoppt und die Feile rotiert durch eine Umschaltung auf Linkslauf aus dem Kanal heraus.

Reversibel

Der Begriff „reversibel“ bedeutet, dass ein Zustand umkehrbar ist. In der Medizin bezeichnet er Schäden oder Beeinträchtigungen, die ohne bleibende Zeichen, Schäden oder Beschwerden abheilen. Wenn ein Krankheitsprozess reversibel ist, ist also ein Abheilen hin zum ursprünglichen Zustand möglich. Innerhalb der Zahnmedizin wird der Begriff zum Beispiel im Bereich der Endodontologie (etwa für die „reversible Pulpitis“), der Parodontologie und in der Behandlung von Schmelzkaries verwendet. Das Gegenteil beschreibt der Begriff „irreversibel“. 

Risikobewertung von Medizinprodukten

Medizinprodukte und Instrumentarien, die etwa mit Blut, Speichel, Eiter oder Gewebe verunreinigt sind, stellen eine Infektionsgefahr für Patienten dar. Deshalb spielt die Aufbereitung von Instrumenten, aber auch die Risikobewertung und Einstufung von Medizinprodukten eine wichtige Rolle bei der Praxishygiene. Letztere sollte dabei stets von fachlich qualifizierten Praxismitarbeitern durchgeführt werden. 


Einstufung von Medizinprodukten

Jedes Medizinprodukt kann in eine von drei Kategorien einsortiert werden: „unkritisch“, „semikritisch“ und „kritisch“. Zu den unkritischen Medizinprodukten gehören beispielsweise Hammer, Handspiegel oder extraorale KFO-Zangen. Als semikritisch kategorisiert werden etwa Polymerisationslampen, Mundspiegel oder Abdrucklöffel, während Extraktionszangen, Nahtscheren oder Sonden zu den kritischen Medizinprodukten gehören. Die Kategorien „semikritisch“ und „kritisch“ werden dabei zusätzlich mit der Kennzeichnung A/B versehen, wobei B für Instrumente mit besonderen Anforderungen an die Aufbereitung – zum Beispiel bei Hohlräumen oder rauen Oberflächen – und A für Instrumente ohne solche besonderen Anforderungen steht.


Hinweise von Bundeszahnärztekammer und RKI

Die Bundeszahnärztekammer und die Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention des Robert Koch-Institut haben gemeinsam eine genaue Risikobewertung der Medizinprodukte in der Zahnmedizin vorgenommen. Im Rahmen dessen haben sie zusammen eine Liste von detaillierten Hinweisen für die Aufbereitung erarbeitet, in der auch einige typische Medizinprodukte aufgeführt sind. Diese Hinweise sind vor allem für die infektionshygienische Überwachung durch die Gesundheitsämter und auch für die Begehungen der zuständigen Behörde nach § 4 der Medizinprodukte-Betreiberverordnung sehr hilfreich. Für die praktische Überwachungstätigkeit der Gesundheitsämter reichen sie jedoch oft nicht aus. Das liegt daran, dass die Tätigkeiten in den Zahnarztpraxen und auch die dabei eingesetzten Instrumente oft sehr spezifisch sind und dem Gesundheitsamt die entsprechenden fachlichen Kenntnisse fehlen. Erschwerend kommt hinzu, dass Begrifflichkeiten nicht immer einheitlich verwendet werden. So steht etwa der Begriff „Übertragungsinstrumente“ nicht in jeder Praxis für Winkelstücke oder Turbinen, sondern stattdessen zum Beispiel für Instrumente zum Einbringen verschiedener Füllmaterialien. Zur Lösung dieses Problems haben die Gesundheitsämter eine PowerPoint-Datei erstellt, welche zu den allgemein genannten Tätigkeiten praktische Beispiele aus dem Behandlungsalltag nennt. Diese Einzelbeispiele werden begleitet von typischen Medizinprodukten, samt kurzen Erklärungen und Abbildungen.


Bedeutung von Medizinprodukten

Sowohl für die Therapie als auch für die Prävention und Diagnose von Erkrankungen sind Medizinprodukte äußerst wichtig. Sie verfügen über eine enorme Bandbreite und Interdisziplinarität und sind auch von großer wirtschaftlicher Bedeutung. Das europäische wie auch das deutsche Medizinprodukterecht verfolgen das Ziel einer schnellen Verfügbarkeit neuer Medizinprodukte für Patienten und Anwender bei gleichzeitiger Gewährleistung von Sicherheit und Leistungsfähigkeit. Die zentrale Verantwortung hierfür liegt beim Hersteller. Darüber hinaus müssen mögliche Risiken frühzeitig identifiziert werden, um diese bewerten und minimieren zu können.
 

S

Speichelsauger

Ein Speichelsauger ist ein Begleitinstrument. Es dient unter anderem dazu, den entstehenden Speichel oder Flüssigkeiten während des Eingriffs aus der Mundhöhle des Patienten abzusaugen. 


Einsatzbereiche

Bei vielen Behandlungen zum Beispiel mit Winkelstücken, dem Airscaler oder bei Spülungen ist eine Wasserkühlung erforderlich. Auch dann ist der Einsatz eines Speichelsaugers notwendig. In der Füllungstherapie ist die Benutzung des Speichelsaugers obligatorisch, sofern nicht mit einem Kofferdam gearbeitet wird. Denn die Füllung sollte erst erfolgen, wenn der zu füllende Bereich möglichst trocken liegt.


Typen von Speichelsaugern

In der Regel sind Speichelsauger fest an der Behandlungseinheit beziehungsweise am Behandlungsstuhl vorinstalliert. Es gibt sie in zwei Ausführungen: einen großen und einen kleinen Sauger. Große Speichelsauger haben eine höhere Saugleistung als kleine. Daher werden sie vor allem bei Eingriffen genutzt, die eine Wasserkühlung erfordern. Zudem können sie auch als Abhalter etwa für die Wange, Ober- und Unterlippe oder die Zunge fungieren, um dem Behandler ein freies Eingriffsfeld zu verschaffen. Kleine Speichelsauger saugen bei solchen Therapien in der Regel das Wasser ab, welches in Richtung Rachen läuft. Auch bei zahnmedizinischen Spülungen werden sie häufig verwendet, um beispielsweise Wundspülungen oder die bei einem endodontologischen Eingriff verwendeten Spülungen zur Wurzelkanalreinigung abzusaugen. Sie lassen sich zudem mit oder ohne Kappe verwenden. Wird die Kappe verwendet, dient sie als Filter, der das komplette Einsaugen von kleinen Körpern oder Werkstoffteilchen verhindert. Die Kappe sorgt auch dafür, dass nicht Wange, Lippe oder Zunge des Patienten unnötig angesaugt werden. Lässt man sie weg, eignet sich der kleine Speichelsauger besser zum Absaugen von Blut oder Eiter (englisch: Pus). Speichelsauger sind mit einer Filteranlage verbunden. Diese ist in den Behandlungsstühlen (meist unterhalb des Spuckbeckens) in der Einheit verbaut und dient als zusätzliche Schutzmaßnahme. Wird zum Beispiel versehentlich eine Krone eingesaugt, wird sie von der Filteranlage zurückgehalten.

Spreader

Ein Spreader, oder auch Fingerspreader, wird im Bereich der Endodontologie bei Wurzelkanalfüllungen verwendet. Der Aufbau des Instruments weist große Ähnlichkeit mit dem von Feileninstrumenten auf. Im Unterschied dazu ist das Arbeitsende des Spreaders aber glatt gestaltet und hat keine Windungen.


Funktionsweise bei Wurzelkanalfüllungen

Spreader dienen als Einführungshilfe für mit Sealer benetzte Guttaperchastifte. Mithilfe ihrer spitzzulaufenden, konischen Form kann der Behandler einen eingesetzten Guttaperchastift weiter in den abzufüllenden Wurzelkanal hineinpressen. Spreader werden daher vorrangig bei der lateralen Kondensation verwendet. Im ersten Schritt wird der Hauptstift damit an der Kanalwand platziert. Danach nimmt der Behandler mit dem Instrument wiederholt weitere Guttaperchastifte auf, um sie im Wurzelkanal zu positionieren und festzupressen. Damit die Guttaperchastifte beim Herausziehen des Spreaders im Wurzelkanal bleiben, führt der Behandler dabei eine leichte Drehbewegung aus. Dieser Kondensation genannte Vorgang wird so lange wiederholt, bis der Wurzelkanal vollständig abgefüllt ist.

 

Strahlmittel

Strahlmittel werden in der Zahnmedizin in Pulverstrahlgeräten vor allem zur Prophylaxe eingesetzt. Sie dienen dazu hartnäckige Verfärbungen (zum Beispiel durch den Konsum von Kaffee, Tee, Rotwein oder Nikotin) und weiche Ablagerungen auf den Zähnen schonend zu entfernen. Auch im zahntechnischen Labor kommen Strahlmittel zum Einsatz, um bestimmte Bereiche eines angefertigten Zahnersatzes zu bearbeiten. 


Die Behandlung mit Strahlmitteln in der Prophylaxe

In den Pulverstrahlern wird ein verwirbeltes Pulver-Wasser-Luftgemisch erzeugt, das die Zahnoberflächen reinigt. Die Anwendung ist auf den supragingivalen Bereich beschränkt. Kratzende Geräusche, wie man sie von der Verwendung metallischer Reinigungsinstrumente wie etwa Scalern oder Küretten kennt, werden vermieden. Bei korrekter Anwendung von Pulverstrahlgeräten werden das angrenzende Weichgewebe um die Zähne herum, also Gingiva sowie Zunge oder Schleimhaut außerdem mehr geschont. Zudem sollte der Behandler darauf achten, die Pulverstrahldüse in einem Abstand von 3 bis 5 Millimetern zu der zu bestrahlenden Zahnfläche zu halten. Auch sollte sie in einem Winkel von 30 beziehungsweise 60 Grad vom Zahnfleischrand weg in kleinen Kreisen bewegt werden. All dies ist wichtig, damit die Gingiva möglichst nicht irritiert wird. Während der Arbeit mit dem Pulverstrahlgerät ist die Absaugung am besten dauerhaft im Einsatz, um die Staubentwicklung und die Aerosolbildung zu minimieren. Im Anschluss an die Anwendung sollten die Zahnflächen mit einer Polierpaste noch einmal geglättet und fluoridiert werden. 


Der Einsatz von Strahlmitteln im zahntechnischen Labor

Der Zahntechniker nutzt bei der Arbeit (Sand-)Strahlgeräte, in die er die benötigten Strahlmittel einfüllt. Strahlmittel für dieses Einsatzgebiet gibt es in unterschiedlich großen Körnungen, je nachdem zu welchem Zweck sie genutzt werden. Als Strahlsand kommt zumeist Edelkorund oder gehärtetes Silikat in einer Körnung zwischen 50 und 500 Mikrometer zum Einsatz. Hierbei gilt: Je niedriger der Grad der Körnung desto glatter die Oberfläche des mit dem Strahlmittel bearbeiteten Werkstücks. Die eigentliche Arbeit findet in einer Abstrahlbox mit Absauganlage und gläsernem Sichtschutz statt, in die das Werkstück eingebracht und dann bestrahlt wird. Hierfür sind eine oder mehrere Düsen vorhanden. Die nötige Druckluft, um das Strahlmittel aus der Düse beziehungsweise den Düsen zu schießen, erzeugt ein eingebauter Kompressor. Auf diese Weise werden zum Beispiel Gerüstoberflächen (Brücken, Modellguß- oder Kronengerüste) gesäubert oder Oberflächen für Verblendungen angeraut.

Stripkronen

Bei einer Stripkrone handelt es sich um eine vorgefertigte Kunststoffhülle, die als Formgeber dient und vielfältig einsetzbar ist. 


Aufbau und Aussehen

Stripkronen sind dünnwandig, was Platz spart, und elastisch, damit sie gut passen. Außerdem sind sie leicht zu beschneiden. Ihre Hülle ist durchsichtig, damit sie bei der Verwendung in Kombination mit Polymerisationslampen ausreichend Licht durchdringen lassen. Dies ist insbesondere wichtig beim Einsatz in der Füllungstherapie, damit etwa Composite genügend aushärten. Stripkronen sind in verschiedenen Formen und Größen erhältlich.


Verwendung

Stripkronen können als konfektionierte Vorlagen genutzt werden, um schnell, adäquate Provisorien herzustellen. Hilfreich ist dies insbesondere, wenn keine Abformung des Zahns vor einer Präparation möglich ist. Auch muss der Behandler dann die temporäre Versorgung des beschliffenen Zahns nicht frei modellieren. Dank ihrer Materialeigenschaften lässt sich eine Stripkrone individuell anpassen, so kann ihre Höhe beispielsweise mit einer Schere reduziert werden. Als Provisorium verwendete Stripkronen werden nur temporär einzementiert. Weiterhin werden Stripkronen auch bei der Füllungstherapie im Frontzahnbereich genutzt. Hier dienen sie als Vorlage für den Umfang der aus Composite modellierten Bereiche des betreffenden Zahns. Ferner kann der Behandler Stripkronen einsetzen, um Zähne im Anschluss an eine Kariesexkavation wieder aufzubauen oder sie als Matrize für Ecken- und Kantenaufbauten von Zähnen einsetzen. 

Stumpfaufbau

Der Stumpfaufbau ist auch als „Aufbaufüllung“ bekannt. Die Bezeichnung „Stumpfaufbau“ leitet sich dabei vom Begriff „Stumpf“ ab, der in der Zahnmedizin für präparierte Zähne verwendet wird, die noch mit Zahnersatz versorgt werden sollen.


Ziel eines Stumpfaufbaus

Der Stumpfaufbau dient dazu, den betreffenden Zahn auf die Versorgung mit einer Krone, Teilkrone, einem Inlay oder einer Stiftversorgung vorzubereiten. Er ersetzt die etwa durch Karies oder ein Trauma verloren gegangene Zahnhartsubstanz und verschafft der geplanten Versorgung dadurch ausreichend Halt beziehungsweise Retentionsfläche. Dies erhöht gleichzeitig die mechanische Widerstandskraft des Aufbau-Kronenkomplexes. Man spricht hier auch vom sogenannten „Ferrule-Effekt“. Darüber hinaus wird die Zahnhartsubstanz durch den Stumpfaufbau stabilisiert und potenziell entstandene Dentinwunden werden versiegelt. Als Werkstoff kommen zumeist dualhärtende Komposite oder autopolymerisierende Komposite zum Einsatz. Sie werden adhäsiv an Schmelz und Dentin befestigt. Wichtig ist, dass die Materialien gut zu präparieren beziehungsweise zu beschleifen sind. Insgesamt stellt ein Stumpfaufbau eine gute Alternative zur chirurgischen Kronenverlängerung dar, wenn es darum geht einen „geschwächten“ Zahn in das Versorgungskonzept miteinzubinden.

Stumpflack

Stumpflack wird in der Zahntechnik verwendet. Er nimmt bei der Modellation von Kronen und Primärteilen eine Platzhalterfunktion für das später verwendete Befestigungsmaterial ein. Stumpflack ist in unterschiedlichen Farben erhältlich, unterscheidet sich dabei aber nicht in seinen Eigenschaften.


Anwendung

Der Zahntechniker trägt den Stumpflack zunächst auf den Gipsstumpf des Meistermodells auf. Nachdem der Lack getrocknet ist, beginnt der Zahntechniker mit der Modellation. Der Stumpflack nimmt nur so viel Platz ein wie das bei der späteren Versorgung des Zahnes genutzte Befestigungsmaterial (Zement oder Adhäsiv). Er sorgt dafür, dass der Zahntechniker bei der Modellation diese Schicht berücksichtigt und der gefertigte Zahnersatz nicht zu hoch ausfällt und die Okklusion beeinträchtigt. 

Subgingival

Subgingival ist einer der zahlreichen Lage- und Richtungsbezeichnungen in der Mundhöhle. Sie bezeichnet den Bereich, der unterhalb der Gingiva liegt, beziehungsweise unterhalb der Gingiva lokalisiert ist. Beispielsweise liegt die Zahnwurzel im subgingivalen Bereich. Das Gegenteil hiervon ist „supragingival“. Diese Richtungsbezeichnungen erleichtern im Praxisalltag die Kommunikation zwischen Zahnarzt und Helferin/ZFA/ZMF. Denn dadurch weiß jeder sofort, von welchem Bereich im Mund des Patienten gerade die Rede ist. 

Supragingival

Supragingival ist einer der zahlreichen Lage- und Richtungsbezeichnungen in der Mundhöhle. Sie bezeichnet den Bereich, der oberhalb der Gingiva liegt, beziehungsweise oberhalb der Gingiva lokalisiert ist. Beispielsweise liegt die Zahnkrone im supragingivalen Bereich. Das Gegenteil hiervon ist „subgingival“. Diese Richtungsbezeichnungen erleichtern im Praxisalltag die Kommunikation zwischen Zahnarzt und Helferin/ZFA/ZMF. Denn dadurch weiß jeder sofort, von welchem Bereich im Mund des Patienten gerade die Rede ist.

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Teilkrone

Als Teilkrone bezeichnet man eine besondere Form von Zahnersatz. Sie ist eine Alternative zur gängigen Einzelzahnkrone und ersetzt – wie der Name schon sagt – nur einen Teil der ursprünglichen Krone des zu versorgenden Zahns. Vorteil der Teilkrone im Vergleich zur Vollkrone ist der erheblich geringere Verlust von Zahnhartsubstanz: Bei einer definierten Präparation mit Schonung nicht betroffener Bereiche gehen lediglich 30 - 40 Prozent der Zahnhartsubstanz verloren, dagegen sind es bei einer Präparation für eine Vollkrone circa 65 - 75 Prozent. 


Materialien für Teilkronen

Teilkronen werden entweder aus Gold oder aus Keramik angefertigt. Gold ermöglicht eine sehr gute Passung, während Keramik vor allem hinsichtlich der Ästhetik überzeugt. Zum Eingliedern werden Teilkronen einzementiert oder mittels Adhäsivtechnik befestigt. Keramikteilkronen können sowohl im zahntechnischen Labor (laborside) als auch in der Praxis (chairside) mit Hilfe von CAD/CAM-Systemen angefertigt werden. Die Fertigung einer Goldkrone obliegt weiterhin dem Zahntechniker: Er modelliert die Teilkrone zunächst in Wachs, gießt diese dann in Gold, passt die Krone an und poliert sie abschließend – insgesamt also die aufwändigere Herstellung im Vergleich zur Keramik-Teilkrone. 


Indikationen für Teilkronen

Es gibt verschiedene Indikationen, bei denen eine Versorgung mit einer Teilkrone infrage kommen: Weist ein Zahn im Bereich der Kauflächen und im approximalen Bereich einen ausgedehnten Defekt auf – beispielsweise durch eine Kariesläsion – kann eine Teilkrone die Lösung sein. Wichtig ist, dass der Zahn zervikal noch intakt ist und der Defekt nicht die gesamte Zahnhartsubstanz betrifft. Daneben bieten sich Teilkronen für Zähne mit frakturgefährdeten Höckern an, für Zähne mit Infrakturen (Schmelzrisse innerhalb des Zahnes) sowie für endodontisch behandelte Zähne mit größeren Defekten.


Kontraindikationen für eine Teilkrone

Eine Kontraindikation für die Versorgung mit einer Teilkrone können eine zirkuläre Läsionen im Zahnhalsbereich sein, aber auch kleinere Defekte oder eine unzureichende Mundhygiene. Auch bei kurzen klinischen Kronen (also der sichtbare Teil des natürlichen Zahns in der Mundhöhle) kommt eine Versorgung mit Teilkronen nicht infrage, weil mitunter keine ausreichende Verankerungsmöglichkeit gegeben ist.

Traypapier

Ein Traypapier ist eine saugfähige Unterlage aus Krepp, welche auf dem Schwebetisch der Behandlungseinheit platziert wird. Dieses Einmalprodukt zählt zu den Hygiene- beziehungsweise Verbrauchsartikeln in der Zahnarztpraxis. Auf dem Traypapier wird das Behandlungsbesteck – zum Beispiel Sonden oder Pinzetten – abgelegt. So kommen diese Gegenstände nicht direkt in Berührung mit der Schwebetischauflage. Darüber hinaus wird Traypapier auch als Einlage für die Trays genutzt – daher der Name. Diese Tabletts aus Edelstahl oder Kunststoff dienen in der Zahnmedizin dazu, bestimmte Instrumente für den Zahnarzt griffbereit zu halten. Die meisten Traypapiere sind holzfrei sowie chlor- und dioxinfrei gebleicht. Es gibt sie in verschiedenen Farben im Handel. 

Tuberkulozid

Tuberkulozid bezeichnet eine bestimmte Eigenschaft einer Substanz: Sie wirkt abtötend gegenüber Tuberkoloseerregern. Viele Desinfektionsmittel sind als tuberkulozid gekennzeichnet. Der am häufigsten vorkommende Tuberkoloseerreger ist das Mycobacterium tuberculosis. Die Tuberkulose ist eine schwere, von Bakterien ausgelöste Infektionskrankheit. Ihre Übertragung erfolgt durch eingeatmete Erreger aus der Luft sowie durch Tröpfcheninfektion. Die Erkrankung befällt primär die Lunge, aber auch Knochen und der Magen-Darm-Trakt können betroffen sein. Nicht immer kommt es nach einer Infektion direkt zum Ausbruch der Krankheit. Nur bei 5 - 10 Prozent der Infizierten bricht eine Tuberkulose aus, vor allem bei Patienten mit geschwächtem Immunsystem. Die Erkrankung bringt Symptome wie Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Fieber und Appetitlosigkeit mit sich. Bei einer Lungentuberkulose kommen Husten und Beschwerden beim Atmen hinzu.


Tuberkulozide Desinfektionsmittel in der Zahnmedizin

Die gängigen Desinfektionsmittel für den Einsatz in der Praxis wirken in der Regel bakterizid, tuberkulozid, levurozid, sowie zusätzlich gegen einige Viren. Vor allem bei Mitteln zur Händedesinfektion aber auch bei Flächendesinfektionsmitteln spielt die tuberkulozide Eigenschaft eine nicht zu unterschätzende Rolle. Denn spätestens bei dem Verdacht einer Erkrankung an offener Tuberkulose müssen diese tuberkulozide Desinfektionsmittel unbedingt zum Einsatz kommen. Mit der Verwendung von Produkten, die ohnehin tuberkulozid wirken, sind Praxismitarbeiter in jedem Fall auf der sicheren Seite.

U

Übersetzung

Übersetzung beschreibt den Prozess der Kraftumwandlung innerhalb einer physikalischen Größe. In der Zahnmedizin meint der Begriff die Drehungsübersetzung beim Winkelstück oder der Turbine. Die verschiedenen Ausführungen, in denen Winkelstücke erhältlich sind, unterscheiden sich vor allem in ihrer Drehungsgeschwindigkeit. Der im Winkelstück installierte Motor reguliert die Übersetzung der Kraft des im Behandlungsstuhl verbauten Mikromotors. Das für das Instrument angegebene Übersetzungsverhältnis, also das Verhältnis von eingehender und ausgehender Drehzahl, stellt den Quotienten zwischen den Werten der beiden Motoren dar.


Übersetzungsverhältnisse von Winkelstücken

Die Übersetzungen variieren je nach Anwendungszweck der jeweiligen Winkelstückgruppe. Die Übersetzung hat dabei Einfluss auf die Laufleistung, sowie Kraftübersetzung und Drehzahl pro Minute. Die Farbmarkierung eines Winkelstücks gibt Aufschluss über das Übersetzungsverhältnis. Winkelstücke mit einer roten Farbmarkierung besitzen ein Übersetzungsverhältnis von 1 : 5. Mit einer maximalen Drehzahl von 200.000 Umdrehungen pro Minute, gehören sie zu den schnelldrehenden Winkelstücken. Blau beringte Winkelstücke bezeichnet man als normaldrehend, denn sie weisen ein Übersetzungsverhältnis von 1 : 1 auf. Dadurch laufen sie mit derselben Leistung wie der Mikromotor in der Behandlungseinheit. Das ist gleichzusetzen mit einer maximalen Drehzahl von 40.000 Umdrehungen pro Minute. Grüne Winkelstücke laufen mit einem Übersetzungsverhältnis von 5,4 : 1 bei einer maximalen Drehzahl von 7.400 Umdrehungen pro Minute. Damit sind sie langsam drehend. Die letzte Gruppe ist doppelt grün beringt. Sie stellt die sehr langsam drehende Winkelstückgruppe dar und verfügt über eine maximale Drehzahl von 2.700 Umdrehungen pro Minute, bei einem Übersetzungsverhältnis von 14,8 : 1. Handstücke, die in der Zahntechnik zum Einsatz kommen, haben ein Übersetzungsverhältnis von 1:1.

Übertragungsinstrumente

In der Zahnmedizin bezeichnen Übertragungsinstrumente in erster Linie Winkelstücke, Handstücke und Turbinen. Diese übertragen die Energie (Drehzahl) des Mikromotors beziehungsweise der Antriebseinheit auf das jeweilige rotierende Instrument, welches am Patienten eingesetzt wird. Zu diesen rotierenden Instrumenten zählen zum Beispiel Schleifer, Fräsen, Bohrer oder Polierer.


Typen von Übertragungsinstrumenten

Übertragungsinstrumente unterscheiden sich nach ihrer Medienversorgung (Luft und/oder Wasser). So können eine oder mehrere Medienversorgungen an das jeweilige Übertragungsinstrument angeschlossen sein. Zudem können diese Versorgungen intern, also integriert, oder extern angelegt sein. Alle Übertragungsinstrumente lassen sich desinfizieren und sterilisieren. Gemäß Medizinproduktegesetz muss nach jeder Behandlung eine adäquate Reinigung und Sterilisation erfolgen, weil die Übertragungsinstrumente in allen Bereichen der Mundhöhle eingesetzt werden. Insbesondere in den Düsen für Luft und Wasser könnten sich bei unzureichender Reinigung Bakterien und andere Keime ansiedeln, die bei der nächsten Behandlung in den Mund des Patienten geschleudert werden.
 

Winkelstück

Winkelstücke sind abgewinkelte Aufsätze, die auf die Antriebseinheit aufgesteckt werden. Sie werden vom Behandler am häufigsten genutzt, da Winkelstücke mit ihren unterschiedlichen Übersetzungstypen zahlreiche Behandlungsschritte ermöglichen. Das reicht von der Kariesexkavation über die Präparation von Kavitäten  bis hin zur Stumpfpräparationen und dem Ausarbeiten und Glätten von Oberflächen. Im Bereich des Winkelstückkopfes befinden sich zumeist Wasserdüsen, eine kleine Lampe und gegebenenfalls eine Düse für Luft. Mittels einer Spannzange, die durch einen Druckknopf an der Rückseite des Winkelstückkopfes betätigt werden kann, lassen sich die passenden Instrumente für die jeweilige Behandlung einspannen.


Handstück

Bei einem Handstück handelt es sich um einen gerade geformten Aufsatz für die Antriebseinheit. Es verfügt über eine Spannzange, mit deren Hilfe die unterschiedlichen rotierenden Instrumente durch eine Drehbewegung am Handstückkörper eingespannt werden können. Handstücke sind die wichtigsten Werkzeuge von Zahntechnikern. Sie werden jedoch auch von Zahnmedizinern für kleinere zahntechnische Behandlungsschritte genutzt. Handstücke besitzen keine integrierte Wasserkühlung.


 Turbine

Auch Turbinen besitzen eine Spannzangenvorrichtung, um rotierende und oszillierende Instrumente zu integrieren. Wie Winkelstücke besitzen sie eine leicht abgewinkelte Form. Zudem verfügen sie über eine Wasserkühlung und außerdem eine Druckluftversorgung. Verglichen mit anderen Übertragungsinstrumenten haben sie eine deutlich höhere Drehzahl von bis zu 450.000 Umdrehungen pro Minute.

Ultraschallreinigung

Ultraschallreinigung wird vornehmlich in der Zahntechnik angewendet. So können etwa Kronen, Modellgussarbeiten, Brücken und Primärteile oder Aufbissschienen, Vollprothesen und Teilprothesen in ein „Ultraschallbad“ gelegt werden. Auch bestimmte Dentalinstrumente, soweit sie vom Hersteller entsprechend gekennzeichnet sind, können im Ultraschallbad gereinigt werden. Genutzt wird dieses Reinigungsverfahren vor allem bei Instrumenten, deren komplexer Aufbau eine gründliche Reinigung mittels Spülen oder Bürsten erschwert oder unsicher macht. Ultraschall kann auch zur Entfernung von Zahnstein oder Konkrementen im Bereich der Wurzel eingesetzt werden. 


Ultraschallbad

Die Reinigungswirkung beim Ultraschallbad beruht auf dem Prinzip der Kavitation. Durch die verursachten Schallwellen entstehen unzählige kleine Bläschen (Bläschenbildung) in der Reinigungslösung. Diese implodieren und der sich dabei verändernde Wasserdruck entfernt die Verunreinigung von dem verschmutzten Objekt. Einfluss auf die Kavitation haben die Leistung und die gewählte Frequenz des Ultraschallbades sowie die Temperatur und die Art und Konzentration von gewählten Reinigungs- und Desinfektionsmitteln. Je höher die Frequenz, desto mehr Bläschen bilden sich. Diese werden dabei aber auch kleiner und somit weniger wirkungsvoll. Die Frequenz sollte sich bei der Ultraschallreinigung also immer nach dem zu reinigenden Objekt richten. Um zahnmedizinische Instrumente zu säubern, sollten Reinigungsflüssigkeiten verwendet werden, die über eine entsprechende keimabtötende Wirkung verfügen. 


Ultraschall bei der Zahnreinigung

Ultraschallscaler ermöglichen supragingival die Entfernung von Zahnstein, ohne mit einer hohen Krafteinwirkung arbeiten zu müssen. Auch die subgingivale Entfernung von Ablagerungen im Wurzelbereich ist mit besonderen Ultraschallaufsätzen möglich. Die Arbeitsspitze wird in feine Schwingungen versetzt und entfernt so bei Kontakt den Zahnstein. Ultraschallscaler schwingen mit 18.000 - 45.000 Schwingungen pro Sekunde. Um eine Überhitzung zu vermeiden, wird bei die Arbeitsspitze mit Wasser gekühlt. Dieses Wasser wirkt während der Behandlung zusätzlich spülend.

Unterfüllung

Zu den Haupteinsatzgebieten von Unterfüllungen in der Zahnmedizin gehört die Füllungstherapie. Sie dienen dazu, das Endodont beziehungsweise die Pulpa entlang der Füllungsrandspalte gegenüber Reizeinflüssen zu schützen. Hierzu zählen etwa chemische und thermische Reize sowie Materialtoxizität. Zudem bildet die Unterfüllung eine Barriere gegenüber Infektionen durch Bakterien. Weiterhin schützt eine Unterfüllung die Pulpa bei einer potenziellen erneuten Öffnung des Zahnes.


Anwendungsgebiete

Die Indikation für eine Unterfüllung liegt vor, wenn bei der Präparation einer Kavität die Nähe zur Pulpa gegeben ist, weil nur noch eine dünne Dentinschicht über der Pulpa liegt. Die Unterfüllung hat dann den Zweck, diese dünne Wand zu verstärken und eine Isolierfunktion zwischen Füllung und Boden beziehungsweise Wand der Kavität zu erfüllen. Vor allem beim Einsatz von Amalgam muss eine Unterfüllung über pulpanahen Wänden gelegt werden, weil es sonst zur unerwünschten Weiterleitung thermischer Reize käme. Auch bei der Verwendung von Gold sollte eine Unterfüllung gelegt werden, um die Weiterleitung insbesondere thermischer Reize abzuschwächen beziehungsweise zu unterbinden.


Anforderungen und geeignete Materialien

Zu den Anforderungen an ein Unterfüllungsmaterial gehören dementsprechend eine antibakterielle Wirkung, Resistenz gegenüber Säuren, hohe mechanische Stabilität und Unlöslichkeit. Auch darf es nicht toxisch sein und es darf beim Aushärten zu keiner Randspaltbildung kommen. Diese Kriterien werden zum Beispiel von etablierten Materialien wie Glasionomerzement und Zinkoxidphosphat-Zement erfüllt. Bei Keramikeinlagen können als Unterfüllung auch Composite oder Compomere eingesetzt werden. 

V

VAH

Das Kürzel VAH steht für den „Verbund für angewandte Hygiene“. Dabei handelt es sich um einen Verbund aus Fachgesellschaften und Berufsverbänden mit Expertise in angewandter Hygiene und Desinfektion, der sich mit der Qualitätssicherung in der prophylaktischen Desinfektion beschäftigt. Der Verbund existiert seit 2003 und unterstützt das Gesundheitssystem und die sich darin bewegenden Personen insbesondere bei der praktischen Umsetzung von Hygienemaßnahmen. 


VAH-Liste

Der VAH sorgt dafür, dass Wirksamkeitsprüfungen für chemische Desinfektionsverfahren ständig weiterentwickelt werden und zertifiziert von ihm geprüfte Produkte. Für diese von ihm zertifizierten Produkte erstellt der VAH auch die sogenannten VAH-Listen, die sowohl für Hersteller als auch für Anwender und Laboratorien hilfreich sind. In diesen Listen finden sich wertvolle Informationen zu Kategorie, Wirkspektren, Einwirkzeiten oder auch Anwendungsarten von chemischen Desinfektionsmitteln. Alle Produkte in der VAH-Liste erfüllen die Empfehlungen der KRINKO (Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention) und des Arbeitskreises Praxis- und Krankenhaushygiene der AWMF (Die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften). Ebenso veröffentlicht der VAH alle Prüfmethoden und Anforderungen, die erforderlich sind, um die VAH Zertifizierung zu erlangen. 

Validierung

Die Validierung oder auch das Validieren bezeichnet den dokumentierten Beweis darüber, dass ein System oder ein Prozess im praktischen Gebrauch bestimmte Anforderungen wiederholbar erfüllen kann. Diese Anforderungen sind zumeist in DIN-Normen für die jeweilige Branche beziehungsweise das jeweilige Gebiet niedergelegt.


Validierung in der Zahnmedizin

In der Zahnmedizin bezieht sich die Validierung zumeist auf Arbeitsprozesse wie das Hygienekonzept und die (maschinelle) Aufbereitung inklusive daran beteiligter Geräte wie der Steri. Zu diesem Zweck müssen Aufbereitungsunterlagen wie Risikobewertung, Aufbereitungsunterlagen der Instrumentenhersteller, Hygienepläne und deren Arbeitsanweisungen sowie der letzte Wartungsbericht vorliegen. Diese werden im Falle einer Praxisbegehung präsentiert. Die Validierung hilft Praxen dabei, die in entsprechenden DIN-Normen definierten Qualitätsanforderungen zu erfüllen. In Kombination mit dem Qualitätsmanagement und der Verifizierung (bestätigte Überprüfung des Nachweises) bildet sie das Grundgerüst für eine transparente Darstellung der Qualität einer Praxis bezogen auf die Standards der Gerätschaften und der internen Abläufe sowie Arbeitsprozesse.


Validierung von Sterilisationsprozessen

Die Überprüfung des Gesundheitsamtes die sogenannte Praxisbegehung beruht auf dem § 4 (Aufbereitung von Medizinprodukten) der MPBetreibV: „(1) Die Aufbereitung von bestimmungsgemäß keimarm oder steril zur Anwendung kommenden Medizinprodukten ist unter Berücksichtigung der Angaben des Herstellers mit geeigneten validierten Verfahren so durchzuführen, dass der Erfolg dieser Verfahren nachvollziehbar gewährleistet ist und die Sicherheit und Gesundheit von Patienten, Anwendern oder Dritten nicht gefährdet wird. Dies gilt auch für Medizinprodukte, die vor der erstmaligen Anwendung desinfiziert oder sterilisiert werden.“ 


Validierungsrhythmus

Auf Grundlage der Norm DIN EN ISO 17665 ist für Sterilisatoren und Autoklaven ein jährlicher Validierungsrhythmus vorgesehen. Liegen bestimmte Voraussetzungen vor, kann gemäß der in Deutschland geltenden Norm DIN SPEC 58929 eine Validierung auch alle zwei Jahren möglich sein. Die Durchführung einer Validierung ist aufwendig und komplex und nimmt viel Zeit in Anspruch. Daher bieten Dental-Depots oder darauf spezialisierte Unternehmen diese Leistungen für Praxen an. Insgesamt kommt der ordnungsgemäßen Validierung in der zahnärztlichen Praxis eine große Bedeutung zu. Sie sollte adäquat durchgeführt werden. So haben Praxisinhaber und Teams die Gewissheit, dass alle Arbeitsabläufe in Desinfektion und Sterilisation den geltenden Vorschriften entsprechen.

Veneers

Veneers sind hauchdünne Plättchen in Zahnform, die als adhäsive Restaurationen bei der ästhetischen Versorgung im Frontzahnbereich eine immer größere Rolle spielen. Sie eignen sich insbesondere aufgrund ihrer Optik als Versorgung für den sichtbaren Teil der Frontzähne, weil sie einen Zahn labial, inzisal (zur Mitte des Kiefers hin) und gegebenenfalls auch noch palatinal (gaumenseitig) abdecken. Schon aufgrund der Ästhetik bestehen Veneers zumeist aus Keramik, möglich ist aber auch, sie aus Kunststoff herzustellen. Keramikveneers haben aber – neben dem ästhetischen Aspekt – den Vorteil, dass sie durch eine lange Haltbarkeit von bis zu 10 oder 15 Jahren auszeichnen.


Indikationen für den Einsatz von Veneers

Eine Indikation für ein Veneer ist in den folgenden Fällen gegeben:
  • Anatomische Fehlbildungen im Frontzahnbereich (beispielsweise „Zapfenzahn“)
  • Kleinere unkomplizierte Kronenfrakturen
  • Schneidekantenverlängerungen
  • Zahnverfärbungen (etwa nach einer Bleachingbehandlung)
  • Zahnfehlstellungen
  • Beseitigung von Diastemata (Zahnlücke der mittleren Schneidezähne)
  • Behandlung von jugendlichen Patienten (aufgrund noch ausgedehnter Pulpa
  • Korrektur/ Ersatz defekter oder ästhetisch unbefriedigender Frontzahnrestaurationen
  • Schmelzhypoplasie (bei insgesamt ausreichendem Schmelzangebot)

Anbringen eines Veneers

Um ein Veneer einzusetzen, muss der Behandler den Zahn präparieren. Dafür reduziert er den Zahnschmelz im betreffenden Bereich und legt eine Präparationsgrenze an. Für die Herstellung des Veneers ist eine Abformung der präparierten klinischen Situation erforderlich. In der Regel werden Veneers im zahntechnischen Labor hergestellt. Um den Zeitraum bis zum Anbringen des fertigen Veneers zu überbrücken, versorgt der Behandler den Zahn mit einem Provisorium. Ist das Veneer fertig, wird es in einer zweiten Behandlungssitzung mit einem speziellen Adhäsivsystem beziehungsweise einem speziellen Kleber befestigt. Auch die Verwendung eines dualhärtenden Befestigungskomposits (härtet durch Lichtpolymerisation aus) ist möglich. Falls die Praxis über ein CEREC-System verfügt, kann die Herstellung eines Veneers auch direkt in der Praxis erfolgen und das Veneer entsprechend in einer Sitzung eingebracht werden.

W

Wurzelheber

Bei Zahnextraktionen nutzt der Behandler einen Wurzelheber aus medizinischem Edelstahl. Wurzelheber sind in verschiedenen Größen von 2 - 4 Millimetern erhältlich. Diese Angabe bezieht sich auf die Breite des Arbeitsendes. Die auszuwählende Größe richtet sich nach der Breite der Wurzel des zu entfernenden Zahns. 


Anwendung des Wurzelhebers nach Bein

In den meisten Fällen wird der Wurzelheber nach Bein verwendet. Er hat einen ovalen Griff und einen konvexen, spatenförmigen Schaft. Mit dem scharfkantigen Ende kann der Zahnarzt bei der Extraktion schonend in den Parodontalspalt vordringen. Dafür setzt er den Wurzelheber am Hals des betreffenden Zahnes an und schiebt ihn mit leichtem Druck nach unten. So wird die Alveole schonend erweitert und durch gleichzeitige leichte Rotationsbewegungen das zahnfixierende Ligament zwischen Zahn und Alveolarknochen verdrängt. Diesen Vorgang vollzieht der Behandler nach und nach rings um den Zahn herum. Im Seitenzahnbereich oder auch bei Zähnen mit mehreren Wurzeln erfüllt der Wurzelheber eine weitere Funktion. Hier wird er auch als Hebel genutzt. Dafür schiebt der Behandler das Instrument möglichst tief an der Wurzel ein. Anschließend dreht er den Schaft zur Wurzel, um sie unter Nutzung der Hebelwirkung aus der Alveole zu drücken. Dieser Vorgang wird nacheinander an allen Wurzeln des zu extrahierenden Zahns wiederholt. Wenn ein Zahn im Frontbereich entfernt werden muss, kommt anschließend eine Extraktionszange zum Einsatz. Der Behandler setzt sie im erweiterten zervikalen Bereich an und extrahiert den Zahn mit Rotations- und Ziehbewegungen. 

Wurzelfüllung

Unter einer Wurzelfüllung versteht man den Verschluss eines endodontisch behandelten Zahnes. Genau genommen handelt es sich um eine Füllung der Wurzelkanäle vom Apex (Wurzelspitze) bis hin zum Übergang in den coronalen Bereich. Bevor die Wurzelfüllung eingebracht wird, muss der Behandler die Wurzelkanäle adäquat aufbereitet, gereinigt und getrocknet haben. 


Füllungsmaterial Guttapercha

Als Füllungsmaterial wird in der Regel Guttapercha in Form von sogenannten Guttaperchastiften/- spitzen verwendet. Bei Guttapercha handelt es sich um ein kautschukähnliches Naturprodukt. Als weitestgehend natürliches Produkt zeichnet es sich durch sehr gute Bioverträglichkeit aus. Weil es dimensionsstabil, biokompatibel und nicht resorbierbar ist sowie sich nach Erwärmung gut verformen lässt, ist es für die Füllung von Wurzelkanälen gut geeignet. Angewendet wird es zusammen mit einem Sealer (Füllpaste). Beide Materialien sind zudem röntgenopak, sodass der Behandler mit bildgebenden Verfahren beurteilen kann, ob die Füllung ausreichend und ihre Lage korrekt ist. 


Aufgabe und Ziel einer Wurzelfüllung

Eine Wurzelfüllung soll das Wurzelkanalsystem eines devitalen Zahns volumenstabil verschließen. Damit soll zum einen verhindert werden, dass erneut Bakterien oder Flüssigkeiten in den Zahn eindringen. Zum anderen soll verhindert werden, dass sich im System verbliebene Keime wieder vermehren. Bei erfolgreicher Behandlung verschließt sie das apikale Wurzelkanalende reizlos und stabilisiert den Zahn, sodass er weiter erhalten werden kann. Es gibt verschiedene Techniken, mit denen eine Wurzelfüllung durchgeführt werden kann: laterale Kondensation, vertikale Kondensation oder Continuous Wave-Technik. Diese entscheiden genauso über den Erfolg der Behandlung wie die exakte Abdichtung. Dafür gilt, dass die Füllung einerseits maximal 1,5 Millimeter vom Apex entfernt sein darf. Andererseits darf sie auch nicht über den Apex hinausgehen, also überpresst sein. Ist die Füllung zu weit vom Apex entfernt oder geht sie über diesen hinaus, kann dies zu einer erneuten Entzündung führen. 

Wurzelkanalbehandlung

Die Wurzelkanalbehandlung zählt therapeutisch zu den letzten Möglichkeiten, um einen Zahn zu erhalten, dessen Pulpa abgestorben oder irreversibel entzündet ist.


Ablauf einer Wurzelkanalbehandlung

Eröffnen und Erweitern der Kanäle

Am Anfang der Behandlung steht die Befundung mittels Röntgenbild. So kann die Anatomie des Wurzelkanals oder bei mehrwurzeligen Zähnen der Kanäle bestimmt werden. Die weiteren Schritte erfolgen meist nach dem gleichen Schema. Der Zahn wird nach der Lokalanästhesie – soweit diese erforderlich ist – trepaniert (eröffnet), um überhaupt Zugang zur Pulpa und den Zahnwurzeln zu erhalten. Damit der Behandler alle Wurzelkanaleingänge gut einsehen kann, muss er die Zugangskavität ausreichend präparieren. Dann extrahiert er mit einer Exstirpationsnadel die Pulpa oder falls der Entzündungs- und Zersetzungsprozess schon sehr weit fortgeschritten ist, deren Reste. Im Folgenden erweitert der Behandler die Kanäle durch den Einsatz von manuellen oder maschinellen Feilen. Um unter anderem bakterielle Verunreinigungen zu entfernen, werden die Kanäle anschließend mit verschiedenen Lösungen durchgespült.


Medikamentöse Einlage und temporäre Füllung

Je nachdem, welche parodontale und endodontische Schädigung vorliegt und ob es sich um eine akute oder um eine chronische Entzündung handelt, wählt der Behandler dann ein Medikament, das in den Zahn eingelegt wird. Diese Medikamenteinlage dient dazu, die in den Wurzelkanal eingedrungenen Bakterien abzutöten und so den Entzündungsprozess einzudämmen und auf lange Sicht zu stoppen. Vor dem Legen einer provisorischen Füllung bringt der Zahnarzt noch ein Kunststoff- oder Wattepellet in den Zahn ein, um Platz für Gase zu schaffen, die möglicherweise in Folge der noch bestehenden Entzündung auftreten.


Wurzelkanalbehandlung – 2. Sitzung

Längenmessung und Aufbereitung

In der nächsten Sitzung spült der Behandler die Kanäle nach dem Entfernen der provisorischen Füllung erneut und führt dann die Längenmessung durch. Dabei kommt es auf höchste Präzision an, weil sie die Maßgabe für die Länge der späteren Wurzelfüllung darstellt. Für eine äußerst genaue Messung stehen technische Geräte zur Verfügung. Alternativ kann dafür auch ein Röntgenbild zum Einsatz kommen. Nach der Längenmessung werden die Kanäle aufbereitet. Dies geschieht entweder mit Handfeilen, dafür stehen dem Behandler verschiedene Techniken zur Verfügung, oder mit maschinellen Feilen. Ziel der Aufbereitung ist es gegebenenfalls noch vorhandenes nekrotisches Gewebe zu entfernen und den anatomisch engen Kanal zu erweitern, um Platz für die Wurzelkanalfüllung zu schaffen. Danach wird erneut ein Medikament eingelegt, um die mögliche pathogene Keime weiter zu reduzieren und das umgebende Gewebe zu beruhigen. Danach wird der Zahn wieder provisorisch gefüllt. 


Wurzelkanalbehandlung – 3. Sitzung

Definitive Wurzelfüllung

In der dritten Sitzung werden die Wurzelkanäle in der Regel definitiv verfüllt. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass der Zahn komplett symptom- und geruchsfrei ist. Bei akuten beziehungsweise noch nicht ganz abgeklungenen Entzündungen lässt sich bei erneuter Öffnung des Kanals eine Geruchsentwicklung feststellen. Ist kein Geruch wahrnehmbar kann der Zahnarzt die Wurzelfüllung durchführen. Dafür müssen die Wurzelkanäle komplett trocken sein. Das prüft der Behandler nach einem erneuten Spülvorgang mit anschließender Trocknung mithilfe von Papierspitzen. Für das Abfüllen selbst stehen ihm verschiedene Techniken zur Verfügung. Ein gängiges Material für die Füllung der Wurzelkanäle sind Guttaperchaspitzen. Mittels eines Kontrollröntgenbildes wird danach die Füllung auf ihre Suffizienz überprüft. 

Wurzelspitzenresektion

Als Wurzelspitzenresektion bezeichnet man einen endodontisch-chirurgischen Eingriff in der Wurzelspitzen-Region, auch Apex-Region, einer Zahnwurzel. Ein anderer Name dafür ist „Wurzelspitzenamputation“.
Erforderlich ist eine Wurzelspitzenresektion in der Regel bei bereits endontologisch behandelten Zähnen, insbesondere wenn es dabei zu einer Traumatisierung beziehungsweise Läsion des Zahns kam.


Gründe für die Notwendigkeit einer Wurzelspitzenresektion

In den folgenden Fällen ist eine Wurzelspitzenresektion das Mittel der Wahl:
  • Abgebrochene Instrumente / Feilen
  • Via Falsa (mit Feile erzeugter, eigentlich nicht vorhandener Wurzelkanal)
  • röntgenologisch befundete Fraktur der Zahnwurzel im Bereich des Apex
  • Mikrobielle Infektionen
  • Trauma-induzierte Pulpennekrose
  • Mikrobiell bedingte Pulpennekrose
  • Trauma durch Überinstrumentierung
  • Überfüllen des Wurzelkanals mit akuten Symptomen (druckdolent, Schmerz ohne Reiz)
  • Rest- oder Reinfektion nach endodontischer Behandlung
  • Unvollständige oder fehlende Regeneration nach Endo-Chirurgie
  • Ungewöhnliche Wurzelanatomie (beispielsweise eine 90°-Biegung der Wurzel oder falls aufgrund der Form eine Wurzelfüllung von coronal nicht möglich ist)

Behandlungsziele und Ablauf

Ziele

Eine Wurzelspitzenresektion verfolgt im Wesentlichen drei Ziele:
  • Vollständige Entfernung des infizierten Kanalwanddentins
  • Exakter Verschluss des Wurzelkanalsystems
  • Eliminierung apikaler Pulpareste
  • Beseitigung einer möglichen Entzündung im apikalen Bereich

Ablauf der Behandlung

  1. Zunächst stellt der Zahnarzt einen Zugang zu der betreffenden Zahnwurzelspitze her. Dies geschieht mittels Inzision (Durchtrennung) sowie Präparation eines Mukoperiostlappens (Mundschleimhautlappens) und anschließender Ostektomie, also operativer Entfernung von Knochenanteilen.
  2. Die Wurzelspitze wird freigelegt und festgelegt, wie viel vom Wurzelkanal reseziert werden sollte. Bewährt hat sich ein Bereich um die 3 Millimeter. Jedoch sollte hier die spezifische Situation beachtet werden.
  3. Jetzt wird die Wurzelspitze mithilfe eines rotierenden Instruments in einem 45-GradWinkel reseziert. Danach erfolgt einer Anschrägung in einem Winkel von maximal 10 Grad.
  4. Als Nächstes folgt die Exkochleation, das heißt das Auskratzen des Entzündungsgewebes. Anschließend wird die entstandene Resektionshöhle gespült, gegebenenfalls mit Kollagen aufgefüllt und abgedichtet.
  5. Dann wird das Ergebnis der Behandlung beziehungsweise die Resektionsfläche inspiziert. Zum einen wird so sichergestellt, dass das entzündete Gewebe vollständig entfernt wurde. Zum anderen wird überprüft, ob eine ausreichende Resektion der Wurzelspitze und des sich daraus ergebenden Neoapex erfolgt ist. Unter dem Neoapex versteht man den durch chirurgischen Eingriff neu geschaffenen Apex der Zahnwurzel.
  6. Nach erfolgter Inspektion wird der Wurzelkanal intraoperativ gespült und retrograd (also von rückwärts beziehungsweise von hinten) abgefüllt – im Fall der Wurzelspitzenresektion also vom Neoapex aus. Dadurch wird Zahl der Keime und Ablagerungen verringert, abgelöste Dentinspäne werden entfernt und ein suffizienter Verschluss wird geschaffen. Als Füllungsmaterial kann etwa Glasionomerzement, Zinkoxid-Phosphatzement oder MTA („Mineral Trioxid Aggregate“) verwendet werden.
  7. Wenn die retrograde Wurzelfüllung erfolgreich war, wird noch die Resektionshöhle versorgt und verschlossen. Zum Abschluss erfolgt noch eine Röntgenaufnahme zur Kontrolle. 


Vorteile der Wurzelspitzenresektion

Gegenüber einer konventionellen endodontischen Therapie bietet die Wurzelspitzenresektion folgende Vorteile:
  • Komplette Entfernung von apikal liegendem Entzündungsgewebe
  • Pathologische Begutachtung durch Schaffung einer Resektionshöhle
  • Vollständige Entfernung von Pulparesten und gegebenenfalls auch von frakturierten Instrumentenresten
  • Ein bereits überkronter Zahn muss coronal nicht erneut geöffnet werden
Bei einer Wurzelspitzenresektion handelt es sich um einen komplizierten chirurgischer Eingriff, der beim Behandler ein hohes Maß an Kompetenz und Erfahrung voraussetzt. Am besten wird sie daher von einem Spezialisten durchgeführt.

 

X

Xerostomie

Der Begriff Xerostomie steht für Mundtrockenheit, also eine nicht ausreichende Benetzung der Mundschleimhaut mit Speichel. Wenn die Speicheldrüsen nicht ausreichend Speichel produzieren, spricht man von Hyposalivation. Liegt die Produktion bei weniger als 50 Prozent des Normalwerts (unstimuliert 0,1 - 0,4 ml/min; stimuliert 0,8 - 7,0 ml/min), liegt eine Xerostomie vor. Zumeist ist die Xerostomie eine Folge des natürlichen Alterungsprozesses, da im Alter die Produktion des Speichels abnimmt. Daneben kommen beispielsweise auch die folgenden Faktoren als Auslöser infrage:


Nicht altersbedingte Gründe für eine Xerostomie

  • Störung des Speichelflusses durch Dehydration, etwa bei Diabetes mellitus, Diarrhö, Erbrechen, exzessivem Schwitzen oder anhaltend hohes Fieber
  • Erkrankung der Speicheldrüsen (etwa chronische Sialadenitis, Sarkoidose oder das Sjögren-Syndrom)
  • Vitamin-A-Mangel
  • Vitamin-B-Mangel
  • Strahlenschäden (etwa nach Strahlentherapie)
  • Psychische Ursachen wie Depressionen oder Angstzustände
  • Nebenwirkungen von Medikamenten mit sympathomimetischen Wirkungen (also Medikamente, die die Wirkung des Sympathikus nachahmen, zum Beispiel Amphetamine)
  • Nebenwirkungen von anderen Medikamenten (Beispielsweise Antiparkinsonmittel, Antihistaminika oder Diuretika)

Symptome der Xerostomie

Folgende Anzeichen können auf das Vorliegen einer Xerostomie hinweisen:
  • Der übliche Flüssigkeitsspiegel auf der Mundschleimhaut fehlt und die Schleimhaut erscheint matt und gerötet sowie im Bereich der Wangen und der Zunge faltig
  • Die Mundschleimhaut ist schmerzempfindlicher als gewöhnlich
  • Die Handschuhe oder Instrumente (wie etwa der Mundspiegel) bleiben häufig an der Schleimhaut kleben

Komplikationen in Folge einer Xerostomie

Wenn eine Xerostomie längere Zeit anhält, werden die Zähne nicht mehr ausreichend mit Speichel umspült. Dadurch fehlen auch die für die Remineralisation des Zahnschmelzes erforderlichen Mineralien, Proteine und und das Fluorid, welche im Speichel enthalten sind. Die Folge sind multiple kariöse Läsionen. Zudem können Patienten, die an einer Xerostomie leiden, keinen schleimhautgetragenen Zahnersatz tragen. Auch das Tragen einer totalen Prothese ist erschwert oder sogar unmöglich, da diese über die Saugwirkung und den physikalischen Faktor der Adhäsion und Kohäsion des Speichels haftet.


Therapie

Abhängig von der Diagnose können zur Therapie Speichelersatzmittel oder Mittel zur Wiederanregung der Speichelstimulation in Frage kommen. Auch die Aufklärung des Patienten über eine gute Mundhygiene ist entscheidend. Außerdem können sie fluoridhaltige Flüssigkeiten zum Umspülen der Zähne nutzen.

Xylitol

Xylitol in ein Zuckeraustauschstoff aus der Gruppe der Zuckeralkohole. Bekannter ist er unter der Bezeichnung „Xylit“. Da er oft aus Birkenrinde gewonnen wird, wird für Xylitol oft auch der Begriff „Birkenzucker“ verwendet. Seine Industriebezeichnung ist „E 967“


Vorteile von Xylit

Xylit hat deutlich weniger Kalorien als gewöhnlicher Zucker bei gleicher Süßkraft. Während Zucker etwa 400 Kalorien auf 100 Gramm hat, hat Xylit bei dieser Menge lediglich 240 Kalorien. Auch in seinen chemischen Eigenschaften unterscheidet sich Xylit von normalem Zucker. Als Zuckeralkohol gehört er nicht zur Gruppe der Kohlenhydrate und wird nicht insulinabhängig abgebaut, wodurch es beim Konsum von Xylit auch nur zu einem leichten Anstieg des Blutzuckers kommt. Dadurch stellt der Stoff eine gute Zuckeralternative für Diabetiker dar. In der Zahnmedizin sind die chemischen Eigenschaften insofern von Bedeutung, als dass Zuckeralkohole wie Xylit nicht kariogen wirken. Dies wurde in den Turku-Zucker-Studien von Scheinin und Mäkinen bewiesen. Grund dafür ist, dass kariogene Bakterien Zuckeralkohole nur langsam und unzureichend verstoffwechseln können. So können sie auch keine ausgeprägte Matrix auf der Zahnoberfläche bilden. Das ist gleichbedeutend damit, dass sie auch keine kariesauslösenden Beläge bilden können. Darüber hinaus besitzt Xylit auch antibakterielle Eigenschaften, weswegen er in vielen Zahnpasten als Süßstoff eingesetzt wird. Dabei beträgt der Xylitanteil einer Zahncreme für gewöhnlich circa 2 Prozent.
 

 Nachteile und Risiken von Xylit

Xylit hat aber nicht nur positive, sondern auch negative Wirkungen. So kann der Stoff in hohen Dosen abführend wirken. 


Verwendung von Xylit

Neben seiner Verwendung in Zahncremes ist das rechtlich als Zusatzstoff klassifizierte Xylit auch in der Lebensmittelindustrie beliebt. Dort kommt es zum Beispiel in glutenfreien Lebensmitteln, Fertigprodukten, Nahrungsergänzungsmitteln, zuckerfreien Kaugummis und Bonbons oder in kalorienreduzierten Nahrungsmitteln vor.

Z

Zahnaufbau

Ist ein Zahn im Bereich der Zahnkrone stark geschädigt und zerstört, kann dieser mithilfe eines entsprechenden Materials wieder aufgebaut werden. Voraussetzung dafür ist, dass der Zahn im parodontalen Bereich noch intakt und somit die Zahnwurzel nicht geschädigt ist. Dann kann er im Rahmen der Pfeilerzahnbewertung weiter mit in ein geplantes Konzept integriert werden.


Materialien zum Zahnaufbau

Bevor der Zahn für ein Inlay, eine Teilkrone- oder Krone präpariert werden kann, muss der Behandler ihn zunächst mit einer Aufbaufüllung darauf vorbereiten. Als Material für diesen Aufbau eignet sich ein Glasionomerzement (GIZ), da dieser schnell zu verarbeiten ist, eine gute Eigenhaftung am Dentin hat und durch das enthaltene Fluoriddepot vor Karies schützt. Alternativ können hier auch Kompomere oder auch Komposite zum Einsatz kommen, welche die Dentinwunde ebenfalls gut abdichten können. Kompomere können dank ihrer hohen Festigkeit die Präparation vereinfachen. Hierfür muss der Zahn jedoch zuvor gut trockengelegt werden. Zusätzlich lässt sich damit Volumen (sofern noch mindestens eine Zahnwand vorhanden ist) schaffen und damit eine größere Retentionsfläche, an der später das Inlay oder die (Teil-)Krone haften kann. Allerdings bringen Kompomere auch Nachteile mit sich: die hohe Wasseraufnahme, die potenzielle Blasenbildung und die Gefahr einer Randspaltbildung. Zudem lassen sie sich ohne Matrize nur schwer verarbeiten. Eine weitere, etablierte Alternative stellen die autopolymerisierenden Aufbaumaterialien dar. Adhäsive Aufbaufüllungen bieten im Vergleich zu konventionellen Aufbaumaterialien aus Zement entscheidende Vorteile: Sie dichten die Dentinwunde effektiv ab, erleichtern die nachfolgende Präparation und haften besser an Schmelz und Dentin – vorausgesetzt, es wurde vor der Applikation ausreichend trockengelegt. 


Ausreichender Halt

Sind die Zähne tief zerstört oder frakturiert, muss der Zahnersatz sowohl an der Aufbaufüllung als auch an der noch vorhandenen Zahnhartsubstanz halten. Um dies zu erreichen, kann der Behandler unter anderem eine chirurgische Kronenverlängerung in Betracht ziehen. Auch die Devitalisierung des Zahns, um anschließend eine Stiftversorgung einzubringen, ist als Möglichkeit denkbar.

Zahnformen

Anhand ihrer Form und Anatomie werden Zähne unterteilt in Frontzähne, Eckzähne, Prämolare, Molare und – sofern vorhanden – Weisheitszähne. Eine ähnliche Unterteilung lässt sich auch auf das Milchzahngebiss anwenden, allerdings sind darin noch keine Prämolaren zu finden. 
Das Wissen über Form und Funktion einzelner Zähne ist essenziell, um zerstörte Zähne anatomisch korrekt wiederherstellen zu können und als Zahnersatz in den Kiefer zu integrieren. Die Zähne eines jeden Menschen sind immer individuell – und damit auch ihre Form.


Zahnform und Funktion

Die Form eines Zahns hängt von seiner Funktion ab. Frontzähne haben eine Schneidekante, mit der von größeren Nahrungsstücken kleinere Bissen abgetrennt werden können. Die große Kaufläche der Molaren ist optimal für das Zerkleinern der Nahrung. 


Zahnform und Zahnersatz

Bei der Herstellung sowohl von herausnehmbarem als auch von festsitzendem Zahnersatz muss darauf geachtet werden, dass die Form der künstlichen Zähne jener der natürlichen Zähne entspricht, die ersetzt werden sollen. 


Zahnform und physische Konstitution

Allgemein weist man den verschiedenen Konstitutionstypen des Menschen bestimmte Zahnformen zu. Folgendes haben Studien ergeben:
  • athletische Typen (kräftiger Körperbau) haben eine quadratische Zahnform
  • pyknische Typen (gedrungener Körperbau) weisen eine eher rundere Zahnform auf
  • leptosome Typen (lang- und schmalgliedriger Körperbau) haben eine dreieckige und trapezförmige Zahnform
Eine solche Einteilung kann insbesondere in der Kieferorthopädie hinzugezogen werden.

Zahnhalteapparat

Unter dem Zahnhalteapparat versteht man die anatomischen Strukturen, die die Zähne im Knochen verankern. Er wird auch als Parodontium bezeichnet. Das zahnmedizinische Fachgebiet, das sich mit der Untersuchung und Behandlung des Parodontiums beschäftigt, nennt man Parodontologie.


Unterteilung verschiedener Elemente des Zahnhalteapparats nach Gewebe

Genauer betrachtet ist der Zahnhalteapparat eine Einheit verschiedener Gewebe, die beim Wachstum von Knochen und Zähnen ebenfalls mitwachsen. 

Zum Parodontium gehören:
  • der Wurzelzement (Cementum)
  • der Kieferknochen (Os alveolare)
  • die Wurzelhaut (Desmodontium)
  • die Alveolen des Alveolarknochens (sie haben die Fähigkeit, vom ersten Zahndurchbruch bis zum Erwachsenengebiss mitzuwachsen und sich bei Zahnverlust zurückzubilden)

Außerdem gehören folgende weitere Substrukturen zum Zahnhalteapparat:
  • Periodontalspalt: ein circa 0,1 -0,2 Millimeter breiter Spalt zwischen Zahnzement und Alveolarknochen
  • Sharpeysche Fasern: zu einer Seite mit dem Wurzelzement und zur anderen Seite mit dem Alveolarknochen verwachsen. Sie fixieren so die Zahnwurzel in der Alveole (Zahnfach)
  • Periodontale Blutgefäße: ein dichtes Gefäßnetz, das die genannten Strukturen mit Blut versorgt

Unterteilung der Strukturen des Parodontiums nach ihrer Lage

Je nach Lage im Mundraum und abhängig davon, wie der jeweilige Bereich belastet wird, spricht man vom marginalen, alveolären und apikalen Parodontium. Das marginale Parodontium bezeichnet den Randbereich beziehungsweise den oberen Bereich des Zahnhalteapparats, der zur Mundhöhle hin abschließt. Es hat die Aufgabe einen Zahn im Kiefer und auch innerhalb der Zahnreihe zu stabilisieren. Zum marginalen Parodontium gehört auch der Verbund zwischen harter Zahnsubstanz und weicher Schleimhaut. Das alveoläre Parodontium liegt zwischen dem marginalen (oberen) und dem apikalen (unteren) Parodontium. Hier befinden sich die Sharpeyschen Fasern, die den Kaudruck in eine Zugbelastung umwandeln. Ohne diese Umwandlung würde der reine Druck zu einem Abbau des Kieferknochens führen. Die Zugbelastung hat den gegenteiligen Effekt, sie wirkt stärkend auf die Knochensubstanz. Dem apikalen Parodontium kommt die Aufgabe zu, den Zahn vor Belastungen wie Kippen oder Herausheben zu schützen. 

Zahnpflege

Neben dem regelmäßigen Besuch beim Zahnarzt ist die richtige häusliche Zahnpflege wesentlicher Bestandteil einer guten Mundhygiene und einer guten Mundgesundheit. 


Was gehört zur Zahnpflege?

Die Zahnpflege obliegt in erster Linie dem Patienten. Der Zahnarzt sollte aber Hilfestellung bieten, indem er zeigt, was zu einer richtigen Mundhygiene gehört und wie sie durchgeführt wird. Außerdem hat er Mittel, um den Erfolg der Mundhygiene zu überprüfen und Möglichkeiten zur Verbesserung aufzuzeigen. Mit sehr guter Zahnpflege lässt sich die Entstehung kariöser Läsionen oder von Erkrankungen des Zahnhalteapparats in der Regel verhindern.

Zur Zahnpflege gehören folgende Schritte:
  • Regelmäßiges Zähneputzen mit einer geeigneten Zahnpasta
  • Regelmäßige Reinigung der Zahnzwischenräume mit geeigneten Produkten wie Zahnseide oder Interdentalbürsten
  • Spülen mit einer antibakteriellen Mundspüllösung
  • Wöchentliche Anwendung eines Fluoridgels

Es gibt viele verschiedene Zahnpflegeprodukte von unterschiedlichen Herstellern. Daher sollte der Zahnarzt die Patienten dazu beraten, welche Artikel am besten zu ihren individuellen Bedürfnissen passen. 


Richtige Putztechnik

Bei der richtigen Zahnpflege kommt es nicht nur auf die Regelmäßigkeit und die Auswahl der passenden Produkte an, sondern auch auf das „Wie“. Der Zahnarzt sollte den Patienten die richtige Putztechnik zeigen. Dabei kommt es auf folgende Punkte an: Abfolge, Druck, Art der Bewegung und Putzdauer. Der Behandler kann auch dazu beraten, welche Art von Zahnbürste am besten geeignet ist, ob Handzahnbürste, oszillierendrotierende elektrische Zahnbürste oder Ultraschallzahnbürste. Ferner kann er eine Empfehlung dazu abgeben, ob die Zahnbürste weiche, mittelharte oder harte Borsten haben sollte. 

Zahnschmuck

Es gibt verschiedene Arten von Zahnverzierungen, die durch Modetrends geprägt sind. Sie alle werden unter dem Begriff Zahnschmuck zusammengefasst. Unterschieden wird Zahnschmuck nach dem verwendeten Material, nach der Ausdehnung am Zahn beziehungsweise den Zähnen sowie danach, ob er herausnehmbar oder verklebt ist. In jedem Fall ist Zahnschmuck ein rein modisches Accessoire und nicht medizinisch indiziert. Grundsätzlich sollte bei jeder Form von Zahnschmuck auf eine sehr gute Mundhygiene geachtet werden. Andernfalls kann es zu Mineraldefekten der Zahnhartsubstanz und folglich sogar zu Karies kommen. 


Formen von Zahnschmuck und Piercings 

Als Materialien für Zahnschmuck werden vor allem Gold und Platin eingesetzt sowie Diamanten oder Strass-Steine. Neben dem auf den Zähnen selbst befestigten Schmuck gibt es auch Schmuckelemente, die im Bereich der Mundschleimhaut, des Zahnfleischs oder der Zunge angebracht werden. Es gibt folgende Formen von Schmuck für die Zähne oder in der Mundhöhle:
  • Dazzler sind kleine Goldplättchen beziehungsweise Goldfolien mit Motiven, die mit einer Spezialbeschichtung versehen sind. So können sie auf die Zahnhartsubstanz aufgeklebt werden, halten dort jahrelang und können nahezu komplikationslos wieder entfernt werden.
  • Twinkles sind dünnen Goldplättchen, auf die kleine Schmucksteine eingearbeitet sind oder einzelne Steine ohne Goldplatte. Auch sie können wie die Dazzler auf die Zahnhartsubstanz geklebt und meist ohne Folgeschäden entfernt werden.
  • Zahn-Tattoos werden ebenfalls direkt auf den Zahn geklebt. Ihre Haltbarkeit ist jedoch erheblich geringer.
  • Als Grillz bezeichnet man herausnehmbare Schienen aus Gold, die zum Teil mit Diamanten bestückt sind. Dieser Schmuck wird bevorzugt an den Frontzähnen im Oberkiefer eingesetzt. Der Gebrauch dieser Schmuckschienen über einen längeren Zeitraum kann die Zahnhartsubstanz schädigen.
  • Piercings der Zunge oder des Lippenbands werden aus zahnmedizinischer Sicht durchaus kritisch betrachtet: Beim Setzen beziehungsweise Stechen des Piercings besteht das Risiko, dass Nerven verletzt wird. Zudem ist die Hygiene ein wichtiger Punkt – nicht nur zu Beginn, sondern dauerhaft.
  • Zahnfleisch- und Mundschleimhaut-Tattoos sind eine weitere Form des Körperschmucks. Dabei wird wie bei herkömmlichen Tätowierungen mithilfe einer Nadel Farbe unterhalb der obersten Schleimhautschicht beziehungsweise ins Zahnfleisch eingestochen. Diese Hautbereiche sind besonders sensibel. Deshalb ist hier das Risiko einer allergischen Reaktion oder einer Infektion stark erhöht. Aus diesem Grund werden solche Tattoos aus zahnmedizinischer Sicht nicht empfohlen.

Zahnsteinentfernung

Mineralisierte Plaque, die sich an den Zähnen festgesetzt hat, wird als Zahnstein bezeichnet. Dieser teilweise gelblich-braun verfärbte Belag kann sich sowohl oberhalb als auch unterhalb des Zahnfleischsaumes bilden. Deshalb spricht man auch von supragingivalem beziehungsweise subgingivalem Zahnstein. Nicht bei jedem Patienten bildet sich der Zahnstein gleich stark und schnell. Unter anderem hängt dies auch von genetischen Faktoren ab. Entsprechend sollten die Intervalle, in denen die Zahnreinigungen stattfinden, individuell abgesprochen werden. In der Regel empfiehlt sich ein halbjährlicher Turnus. Zudem können Patienten durch gute Mundhygiene und Zahnpflege das Entstehen von Zahnstein verlangsamen, verhindern können sie diesen jedoch nicht. 


Supragingivaler Zahnstein 

Supragingivaler Zahnstein setzt sich vor allem dort ab, wo die Austrittspunkte der Speicheldrüsen liegen. Diese Zahnstein begünstigenden Stellen (Prädilektionsstellen) befinden sich im Unterkiefer an den lingualen  Flächen der Frontzähne und im Oberkiefer im bukkalen Bereich der Molaren. Diese Form von Zahnstein haftet mäßig stark an der Zahnhartsubstanz. Er kann im Rahmen einer professionellen Zahnreinigung entfernt werden. Dies geschieht in der Regel mithilfe von Instrumentarien wie dem Scaler, einer Kürette oder mittels Ultraschall. Anschließend werden die Flächen der betroffenen Zähne gesäubert und poliert.


Subgingivaler Zahnstein 

Anders als der supragingivale Zahnstein bildet sich der subgingivale im Bereich unterhalb des Zahnfleischsaums, vor allem in erweiterten Parodontaltaschen. Diese Zahnsteinform bezeichnet man auch als Konkrement. Subgingivaler Zahnstein ist eine Folge des Parodontitis-Prozesses. Dabei gelangt Plaque in den Zahnsulkus, erweitert diesen und fördert das entzündungsfördernde Exsudat in der Zahnfleischtasche. Dies wiederum begünstigt die Entstehung der Konkremente. Im Unterschied zum supragingivaler Zahnstein ist der subgingivale Zahnstein dunkelbraun bis schwarz gefärbt und hat einen höheren Mineralgehalt (circa 60 Prozent, im Vergleich zu 40 Prozent beim supragingivalem Zahnstein). Zudem entsteht er langsamer, haftet dafür aber sehr stark. Auch die Konkremente werden vor allem manuell mithilfe der Kürette entfernt. Alternativ kann aber auch Ultraschall oder Pulverstrahltechnik eingesetzt werden. Da sich die Konkremente meist in einem schlecht einsehbaren oder sogar nicht sichtbaren Bereich befinden, sollte die Reinigung mit einer Zahnsonde kontrolliert werden. Diese Behandlung wird in der Regel bei einer Parodontaltherapie durchgeführt, im Rahmen eines sogenannten geschlossenen Scale and Root Plannning (SRP). Ist die Parodontitis beim Patienten stark ausgeprägt, muss die Reinigung auch im Rahmen eines chirurgischen Eingriffs durchgeführt werden, dieser Eingriff wird dann als offenes SRP bezeichnet.

Zementspatel

Bei dem Zementspatel handelt es sich um ein Instrument, das benutzt wird, um zahnärztliche Materialien wie Zement oder Zwei-Komponenten-Pasten zu portionieren, anzumischen, zu modellieren und zu verstreichen. Dieses Werkzeug aus Edelstahl hat einen rutschfesten Griff und zwei unterschiedliche Enden: Das eine Arbeitsende ist flach ausgeformt, das andere spitz zulaufend. Somit lassen sich pulverförmige Komponenten gut portionieren und anschließend auf einem Anmischblock oder einer Glasplatte vermischen. Anschließend ist die Mischung bereit zur Weiterverwendung.

Zirkoniumoxid

Zirkoniumoxid, chemisch als ZrO2 bezeichnet, ist ein anorganischer Werkstoff aus der Gruppe der Oxide, aus dem in der Zahntechnik Zahnersatz hergestellt wird. Zugeordnet wird dieser einphasige Werkstoff den polykristallinen Keramiken. Zirkoniumoxid hat eine Druckfestigkeit von 1200 N/mm2 und eine Härte von 1250 HV (Vickershärte). Aufgrund dieser hohen Festigkeit und der sehr guten Biokompatibilität eignet sich Zirkoniumoxid besonders gut als Gerüstmaterial. Zudem sind seine schlechten thermischen Leiteigenschaften von Vorteil, weil so eine überkronte Zahnwurzel sehr gut vor unangenehmen Temperaturreizen geschützt ist. Wegen seiner ästhetischen Eigenschaften wird Zirkoniumoxid gerne im Frontzahnbereich eingesetzt.


Zahnersatz aus Zirkoniumoxid

Bei der Herstellung von Zahnersatz dienen spezielle Zirkoniumoxid-Rohlinge als Ausgangsmaterial. Aus einem solchen sogenannten „Grünkörper“ wird mittels CAD/CAM-Technik die gewünschte Zahnform herausgefräst. Zu diesem Zeitpunkt weist er noch eine kreideartige Konsistenz auf. Seine endgültige Härte erreicht der hergestellte Zahnersatz erst durch das sogenannte Sintern. Hierbei wird der Grünkörper im Ofen gebrannt. Anschließend wird das so gefertigte Gerüst noch verblendet. Da bereits das Zirkoniumoxid-Gerüst eine zahnähnliche Farbe hat, besteht nicht die Gefahr von dunklen Übergängen, wie sie unter Umständen bei anderen Materialien zu sehen sein können.

Zahnextraktion

Muss ein Zahn gezogen werden, spricht man von Extraktion. Vor diesem chirurgischen Eingriff muss der Patient entsprechend aufgeklärt werden: Hierzu weist man ihn auf sein Recht zur Selbstbestimmung sowie auf alternative Therapiemöglichkeiten und potenziell auftretende Komplikationen hin.


Indikationen für eine Zahnextraktion

Es gibt einige medizinische Indikationen, die die Extraktion eines Zahnes notwendig machen. Im Einzelnen sind das folgende:
  • eine ausgedehnte kariöse Läsion, die nicht konservierend oder prothetisch versorgt werden kann
  • eine bestehende Erkrankung der Pulpa und des Parodonts
  • pathogene Veränderungen im Bereich der Wurzel beziehungsweise im zahnumgebenden Gewebe, die nur durch eine Extraktion entfernt werden können
  • ein Tumor im Bereich eines Zahnes, der nur so entfernt werden kann
  • ein retinierter, also nicht oder nur teilweise durchgebrochener Zahn, der einen potentiellen Keim- beziehungsweise Infektionsherd darstellt
  • Zahntrauma durch Fraktur, bei der das Überleben des Zahns fraglich ist, beziehungsweise dieser für die prothetische Versorgung mit festsitzendem Zahnersatz als nicht erhaltungswürdig gilt
  • verlagerte Zähne, die kieferorthopädisch nicht behandelt werden können und keine Funktion im Kauapparat erfüllen

Liegt eine der genannten Indikationen vor, sollte der Behandler eine detaillierte Anamnese und eine intraorale und radiologische Untersuchung durchführen. Erst dann kann die endgültige Entscheidung getroffen werden, den Zahn zu extrahieren.


Behandlungsverlauf bei einer Zahnextraktion

Vor der eigentlichen Extraktion des Zahns sollte zunächst das Ligamentum circulare (der supraalveoläre Faserapparat) gelöst und der Zahnhals in vestibulärer und oraler Richtung bis hin zum knöchernen Alveolenrand freigelegt werden. Hierfür anästhesiert der Behandler vor Beginn des Eingriffs den entsprechenden Bereich. Grundsätzlich ist es immer wichtig, sehr schonend vorzugehen, damit die umgebenden Strukturen nicht geschädigt werden. Der Eingriff selbst erfolgt mithilfe einer Extraktionszange. Zudem können auch Hebel verwendet werden, um den Zahn zu luxieren und ihn durch Rotation um die Längsachse aus seinem Lager zu heben. Insbesondere bei mehrwurzeligen Zähnen sollte der Behandler darauf achten, dass die gesamten Wurzeln mit extrahiert werden. Es dürfen sich nach dem Eingriff keine Wurzelreste mehr in der Extraktionsalveole befinden. Sollte dies der Fall sein, müssen diese Reste unbedingt entfernt werden. Deshalb empfiehlt es sich, den extrahierten Zahn auf Vollständigkeit hin zu überprüfen – und das bis in die Wurzelspitze(n). Bei der Extraktion von Molaren im Oberkiefer muss zudem ausgeschlossen werden, dass es zu einer ungewollten Eröffnung der Nasennebenhöhle (Mund-Antrum-Verbindung) kommt. Dies erfolgt mit einer Bowman-Sonde. Sind scharfe Knochenkanten durch die Extraktion entstanden, müssen diese mithilfe eines chirurgischen Handstücks und einer Lindemann-Fräse geglättet werden. Anschließend legt der Behandler die Wundränder durch eine Naht zur Verkleinerung der freiliegenden Koagelfläche an. Anschließend wird der Patient gebeten, auf einen eingelegten Aufbisstupfer zu beißen. Durch den so entstehenden Druck wird die Einblutung im Bereich der Wunde angeregt. Nach etwa einer halben Stunde kann der Tupfer entfernt werden. Nach 7-10 Tagen sollte die Extraktionswunde erneut inspiziert werden. Treten jedoch Beschwerden auf wie etwa anhaltende Nachblutung, Schluckbeschwerden oder starke Probleme beim Öffnen des Mundes, sollte der Patient früher vorstellig werden. Nach einer Extraktion muss der Patient zudem darauf achten, in den ersten Tagen auf Zigaretten und Kaffee zu verzichten und keine Milchprodukte oder körnigen Lebensmittel zu verzehren. 

Zahnfleischtaschen

Zwischen der Zahnwurzel und dem umliegenden Gewebe kann sich ein Spalt oder Raum ausbilden, die sogenannte Zahnfleischtasche. Diese pathogene Veränderung entsteht im Rahmen einer Parodontitis, verursacht durch Bakterien. Die Behandlung der Parodontitis fällt grundsätzlich in den Fachbereich Parodontologie.


Entstehung von Zahnfleischtaschen

Zahnfleischtaschen entstehen dadurch, dass sich Bakterien am Zahnfleischrand ansiedeln, vermehren (vor allem in Richtung apikal durch Plaquebildung) und eine entzündungsfördernde Flüssigkeit absondern. Hierdurch wird der physiologischen Zahnfleischrand mit der Zeit weiter nach apikal verschoben, sodass eine Tasche entsteht, die sich immer weiter vertieft. Dadurch wird auch das Parodont immer mehr angegriffen. Das Immunsystem kann hier nur bis zu einem bestimmten Punkt entgegenwirken. Wenn sich die bakterielle Invasion weiter subgingival entwickelt und immer weiter einwandert, kann nur eine Therapie des Parodonts in diesen Bereichen helfen. Je nachdem, welche parodontalen Strukturen von der Entzündung betroffen sind, werden die Zahnfleischtaschen entsprechend benannt:
  • Die gingivalen Tasche bildet sich ausschließlich im Bereich der Gingiva, liegt also im supraalveolären Bereich (über Alveolarknochenniveau).
  • Liegt die Zahnfleischtasche mehr als 2 Millimeter unterhalb der Schmelz-Zement-Grenze des betroffenen Zahns, so spricht man von einer parodontalen Tasche.
  • Eine Knochentasche ist eine aus der parodontalen Tasche entwickelte fortschreitende Entzündung, die den Alveolarknochen erreicht hat und diesen schädigt. 

Behandlung von Zahnfleischtaschen

Bei der Behandlung ist entscheidend, wie weit der Entzündungsprozess bereits fortgeschritten ist. Zunächst sollte der Patient hinsichtlich entsprechender Mundhygienemaßnahmen instruiert werden. Denn konsequente Hygiene kann in leichteren Fällen bereits zu einer Verbesserung führen. Bei schweren Fällen von Parodontitis sollte eine Therapie der Zahnfleischtaschen mittels Kürettage erfolgen. Kombiniert wird diese mit einer Spülung nach der Reinigung. Gegebenenfalls kann auch ein Medikament eingelegt werden.