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06.05.2026
Die Wahl des richtigen Abformmaterials beeinflusst unmittelbar die Präzision deiner prothetischen Versorgung, die Effizienz deiner Praxisabläufe sowie die Reproduzierbarkeit im Labor. In der modernen Zahnmedizin dominieren silikonbasierte Abformmaterialien, insbesondere kondensationsvernetzte C-Silikone und additionsvernetzte A-Silikone (Vinylpolysiloxane). Beide Systeme bieten hohe Elastizität, hohe Detailtreue und biologische Verträglichkeit. Ihre chemischen Vernetzungsmechanismen führen jedoch zu deutlich unterschiedlichen klinischen Eigenschaften.
Für dich als Praxisinhaber:in ist die Frage nicht mehr, ob Silikon, sondern welcher Silikon-Typ in deiner konkreten Indikation den größten Nutzen liefert. Dieser Leitfaden zeigt dir evidenzbasierte Kriterien, typische klinische Szenarien und wirtschaftliche Abwägungen für die Praxis.
Silikonbasierte Abformmaterialien gehören zu den präzisesten elastomeren Materialien in der Zahnmedizin. Sie ermöglichen detailgetreue Abformungen sowohl präparierter Zähne als auch von Weichgewebestrukturen und sind gegenüber Temperatur, Lösungsmitteln und Desinfektionsmitteln stabil.
Im klinischen Alltag konkurrieren mehrere Materialklassen:
Innerhalb der Silikonklasse unterscheidet man zwei Vernetzungsmechanismen:
Diese chemische Differenz bestimmt Schrumpfung, Lagerfähigkeit, Hydrophilie und Präzision, also genau die Faktoren, die über den klinischen Erfolg entscheiden.
C-Silikone, auch als kondensationsvernetzende Silikone bezeichnet, zählen zu den klassischen elastomeren Werkstoffen der dentalen Abformtechnik. Die Vernetzung, also die Verbindung der Polymerketten, erfolgt durch eine Kondensationsreaktion, wobei Alkohol als Nebenprodukt entsteht.
Die Folge:
Typische Werte:
Vernetzungsreaktion | Kondensation |
Nebenprodukt | Alkohol |
Schrumpfung | ca. 0,8–1,2 % |
Modellstabilität | begrenzt |
Kosten | niedrig |
Die Verdunstung des Reaktionsalkohols führt zu einer messbaren Änderung der Abformungsdimension. Daher empfiehlt sich eine schnelle Ausgussphase, idealerweise innerhalb weniger Stunden.
Trotz dieser Einschränkung bleiben C-Silikone klinisch relevant, insbesondere für Situationsabdrücke, Vorabformungen und einfache prothetische Indikationen.
A-Silikone (additionvernetzende Silikone) sind heute der Goldstandard für Präzisionsabformungen. Die Vernetzung erfolgt über eine platinkatalysierte Additionsreaktion (eine chemische Reaktion, bei der zwei Moleküle zu einem größeren Molekül verbunden werden), bei der kein flüchtiges Nebenprodukt entsteht.
Typische Eigenschaften:
Vernetzungsreaktion | Polyaddition |
Nebenprodukt | keines |
Schrumpfung | 0,05–0,2 % |
Lagerfähigkeit | sehr hoch |
Reproduzierbarkeit | ausgezeichnet |
Durch die fehlende Nebenproduktbildung bleiben A-Silikone über Tage bis Wochen dimensionsstabil, wodurch Laborprozesse fleibler gestaltet werden können.
Moderne Formulierungen enthalten zudem hydrophile (wasseranziehende) Tenside (waschaktive Substanzen), die die ursprüngliche Hydrophobie (Wasserabstoßung) reduzieren und eine bessere Detailwiedergabe im feuchten Sulkus (Zahnfleischrand) ermöglichen.
Direkter Vergleich: C-Silikon vs. A-Silikon
Übersicht der wichtigsten Unterschiede
Vernetzungschemie | Kondensation | Addition |
Nebenprodukt | Alkohol | keines |
Dimensionsstabilität | mittel | sehr hoch |
Schrumpfung | 0,8–1,2 % | 0,05–0,2 % |
Lagerfähigkeit | begrenzt | praktisch unbegrenzt |
Hydrophilie | moderat | modifizierbar |
Kosten | günstiger | höher |
Präzision | gut | sehr hoch |
Praxisrelevante Quintessenz:
Trotz der technischen Vorteile von A-Silikonen haben C-Silikone weiterhin klare Einsatzbereiche.
1. Situationsabformungen
Für diagnostische Modelle oder KFO-Planungen reicht die Genauigkeit meist aus.
2. Vorabformungen bei Doppelmischtechnik
Putty-Materialien auf C-Silikonbasis lassen sich gut anpassen und sind kosteneffizient.
3. Provisorische Versorgungen
4. Funktionsabformungen bei Totalprothesen
Viele Praxen nutzen C-Silikone gezielt dort, wo Effizienz wichtiger ist als höchste Präzision.
Praxisstrategie
C-Silikon ist besonders sinnvoll, wenn:
In anspruchsvollen restaurativen Situationen sind A-Silikone meist alternativlos.
Präzisionsabformungen für Kronen und Brücken
Der minimale Schrumpf ermöglicht eine exakte Passung der Restauration.
Implantatprothetik
Implantatgetragene Konstruktionen tolerieren keine Abweichungen.
Mehrgliedrige Brücken
Je größer die Spannweite, desto wichtiger wird die dimensionsstabile Abformung, also die Fähigkeit eines Abdruckmaterials, seine Form nach der Abnahme vom Werkstück unverändert beizubehalten.
Digitale Hybridworkflows
Viele CAD/CAM-Workflows nutzen Scanmodelle aus VPS-Abformungen.
Silikone sind grundsätzlich hydrophob. Moderne A-Silikone enthalten jedoch surfaktantbasierte Zusätze, die die Benetzbarkeit erhöhen.
Wenn du häufig mit:
arbeitest, bieten modifizierte A-Silikone klare Vorteile.
Ein unterschätzter Faktor ist der Workflow zwischen Praxis und Labor.
sofortiger Modellguss | C-Silikon ausreichend |
verzögerter Labortransport | A-Silikon |
internationale Labore | A-Silikon |
Die hohe Dimensionsstabilität von A-Silikonen ermöglicht eine flexible Laborlogistik.
A-Silikone sind weniger anfällig für:
Damit sinkt die Fehlerquote bei komplexen prothetischen Arbeiten.
Auf den ersten Blick sind A-Silikone teurer als C-Silikone.
Doch für Praxisinhaber:innen zählt der Gesamtkostenfaktor.
Materialpreis | niedrig bis moderat |
Wiederholungsabformungen | hoch |
Laborremakes | sehr hoch |
Behandlungszeit | kritisch |
Viele Studien zeigen:
Fehlervermeidung ist wirtschaftlich relevanter als die Materialkosten.
Ein misslungener Abdruck kann schnell mehrere hundert Euro an Folgekosten verursachen.
Sowohl C- als auch A-Silikone sind in mehreren Konsistenzen verfügbar:
Typische Kombinationen:
Doppelmischtechnik | Putty + Light Body |
Einphasenabformung | Monophase |
Implantatabformung | Heavy + Light |
Dentalabformmaterialien unterliegen mehreren technischen Normen:
DIN EN ISO 4823
Diese Norm definiert u. a.:
Für Praxisinhaber:innen bedeutet das:
Nur ISO-konforme Materialien sollten eingesetzt werden.
Die klassische Abformung bleibt trotz intraoraler Scanner weiterhin relevant.
Drei Trends dominieren aktuell:
1. Hydrophile A-Silikone
Verbesserte Detailwiedergabe bei Blutkontamination.
2. Automix-Kartuschensysteme
Reduktion von Mischfehlern.
3. Hybrid-Workflow analog + digital
Analoge Abformung → Modellscan → CAD/CAM.
Nutze diese schnelle Entscheidungshilfe:
C-Silikon wählen, wenn:
A-Silikon wählen, wenn:
Fazit: Welches Abformmaterial ist das Beste?
Es gibt kein pauschal bestes Abformmaterial für Zahnärzt:innen.
Die Realität der modernen Praxis zeigt:
Eine kluge Praxisstrategie nutzt beide Systeme je nach Indikation und Wirtschaftlichkeit.
Was ist der wichtigste Unterschied zwischen C- und A-Silikonen?
Der entscheidende Unterschied liegt in der chemischen Vernetzung.
C-Silikone härten durch eine Kondensationsreaktion aus und setzen dabei Alkohol frei. Dadurch entsteht eine Volumenveränderung. A-Silikone vernetzen durch eine Additionsreaktion ohne Nebenprodukte und bleiben daher deutlich dimensionsstabiler.
Warum gelten A-Silikone als präziser?
A-Silikone zeigen eine Schrumpfung von nur etwa 0,05–0,2 %, während C-Silikone einen Volumenverlust von rund 0,8–1,2 % aufweisen. Diese Differenz kann bei Kronen- oder Implantatabformungen entscheidend sein.
Können C-Silikone heute noch sinnvoll eingesetzt werden?
Ja. C-Silikone eignen sich weiterhin für:
Wenn das Modell unmittelbar ausgegossen wird, ist die Präzision meist ausreichend.
Sind A-Silikone hydrophil?
Ursprünglich sind Silikone hydrophob. Moderne A-Silikone enthalten jedoch hydrophile Additive, die eine bessere Benetzung der Zahnoberfläche ermöglichen.
Welches Abformmaterial eignet sich für Implantatabformungen?
Für Implantatabformungen empfehlen viele Leitlinien A-Silikone oder Polyether, da sie eine deutlich höhere Dimensionsstabilität und Detailtreue bieten.
Kann man A-Silikonabformungen lagern?
Ja. Laut DIN EN ISO 4823 bleiben A-Silikone über längere Zeit stabil und können mehrere Tage bis zu Wochen gelagert werden, ohne dass wesentliche Dimensionsänderungen auftreten.
Welches Abformmaterial ist wirtschaftlicher?
Kurzfristig sind C-Silikone günstiger. Langfristig können A-Silikone wirtschaftlicher sein, da sie Remakes und Wiederholungsabformungen reduzieren.


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