Allgemein


24.04.2026
Amalgam entfernen oder belassen? Indikationsbasierte Entscheidungsfindung
Die Entfernung intakter Amalgamfüllungen ist keine Routineindikation. Leitlinien und Fachliteratur betonen:
Praxisstrategie:
Ich empfehle dir, die Entscheidung systematisch zu treffen:
Checkliste – Indikation zur Amalgamentfernung
Die EU-Quecksilberverordnung (EU) 2017/852 sowie deren Verschärfungen beeinflussen deine Materialwahl direkt.
Die EU plant eine weitgehende Phase-out-Strategie für Dentalamalgam. Für dich bedeutet das:
Welche Alternative am besten passt, hängt von verschiedenen Faktoren ab: Wie groß ist der Defekt, wie stark ist die Kaubelastung, lässt sich die Feuchtigkeit gut kontrollieren und wie wichtig ist die Optik?
Komposit | kleine bis mittlere Defekte | ästhetisch, adhäsiv, minimalinvasiv | techniksensitiv |
Glasionomerzement | temporär, Zahnhals | Fluoridfreisetzung | geringe Festigkeit |
Komposit-Hybrid | universell | verbesserte Haltbarkeit | kostenintensiver |
Keramik-Inlays | große Defekte | langlebig, biokompatibel | hoher Aufwand |
Gold-Inlays | funktionell anspruchsvoll | extrem langlebig | ästhetisch limitiert |
Komposite sind heute die wichtigste Alternative zu Amalgam für Zahnfüllungen.
Moderne Bulk-Fill- und Nanohybridkomposite bieten:
Entscheidend für den Langzeiterfolg:
Praxis-Tipp:
Ich setze gezielt auf selektive Schmelzätzung, kombiniert mit universellen Adhäsiven, um postoperative Sensibilitäten zu minimieren.
Keramische Inlays und Onlays sind besonders verträglich und stabil.
Ich empfehle Keramik bei:
Für Füllungen im Seitenzahnbereich sind diese Materialien keine gute Amalgam-Alternative. Sie haben aber Vorteile wie eine zahnfarbene Optik und kommen ohne Metall aus.
Immer mehr Patient:innen erkundigen sich nach möglichen gesundheitlichen Risiken.
So überzeugst du deine Patient:innen:
Wenn du von Amalgam auf adhäsive Materialien umstellst, ändert sich dein Vorgehen bei der Präparation grundlegend:
Merke:
Die Materialwahl beeinflusst die Präparation stärker als umgekehrt.
Wenn du auf Alternativen zu Amalgam umsteigst, musst du auch deine Abläufe anpassen.
Die Zukunft liegt in:
Checkliste für die Praxisentscheidung:
Ob Amalgam entfernt oder ersetzt werden sollte, lässt sich nicht pauschal sagen. Wichtig ist, das Material passend zum Befund auszuwählen.
Meine klare Empfehlung:
Damit stellst du deine Praxis nicht nur rechtlich sicher auf, sondern bietest deinen Patient:innen auch eine bessere Versorgung und sicherst die Zukunft deiner Praxis – fachlich und wirtschaftlich.
Frage 1: Wann sollte Amalgam zwingend entfernt werden?
Bei Sekundärkaries, Frakturen oder Undichtigkeiten ist eine Entfernung indiziert. Ohne Befund besteht keine medizinische Notwendigkeit.
Frage 2: Welche Amalgam-Alternative-Zahnfüllung ist die beste?
Komposit gilt als Standard für kleine bis mittlere Defekte. Keramik ist ideal für größere, ästhetisch anspruchsvolle Versorgungen.
Frage 3: Ist Amalgam gesundheitsschädlich?
Die Quecksilberfreisetzung ist gering. Wissenschaftlich relevante Schäden sind selten; dennoch wird Amalgam zunehmend ersetzt.
Frage 4: Wie lange halten Kompositfüllungen?
Bei korrekter Anwendung erreichen moderne Komposite 8–12 Jahre, abhängig von der Belastung und der Mundhygiene.
Frage 5: Was kostet der Ersatz von Amalgamfüllungen?
Komposit ist in der Kassenleistung häufig im Seitenzahnbereich eingeschränkt. Keramik ist meist privat zu bezahlen.
Frage 6: Muss beim Entfernen ein Kofferdam verwendet werden?
Ja, zur Minimierung der Quecksilberexposition ist eine absolute Isolation Standard.
Frage 7: Welche Rolle spielt die EU-Gesetzgebung?
Die EU reduziert die Amalgamnutzung schrittweise. Ein vollständiger Ausstieg ist perspektivisch geplant.


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